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Bundespräsident Joachim Gauck legt am Freitag am Mahnmal von Lingiades in Griechenland einen Kranz nieder.

Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg

Gauck bittet im Namen Deutschlands um Verzeihung

Athen  - Es ist die erwartete Geste: Bundespräsident Gauck bittet in einem kleinen griechischen Ort um Vergebung für Nazi-Gräuel. Die Forderung nach materieller Wiedergutmachung verstummt aber nicht.

Deutlich wie keiner seiner Vorgänger hat Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Staatsbesuch in Griechenland um Vergebung für deutsche Kriegsverbrechen gebeten. In dem nordwestgriechischen Dorf Lingiades sagte Gauck am Freitag in einer bewegenden Zeremonie: „Mit Scham und Schmerz bitte ich im Namen Deutschlands die Familien der Ermordeten um Verzeihung. Ich verneige mich vor den Opfern der ungeheuren Verbrechen.“ Wie schon am Vortag wurde Gauck erneut mit Forderungen nach deutschen Reparationen konfrontiert.

Zusammen mit dem griechischen Präsidenten Kollegen Karolos Papoulias war Gauck nach Lingiades gekommen. Er legte einen Kranz an dem Mahnmal nieder, das an ein Massaker der deutschen Wehrmacht am 3. Oktober 1943 erinnert. Mehr als 80 Menschen wurden damals ermordet, unter ihnen über 30 Kinder.

Der einzige noch lebende Zeuge, der das Blutbad als Kind miterlebt und seine Eltern dabei verloren hatte, war bei der Gedenkstunde anwesend, zeigte sich aber wenig beeindruckt: „Das sind nur Worte. Sie bedeuten nichts“, sagte Panagiotis Babouskas. „Ich will Gerechtigkeit und das heißt Wiedergutmachung.“ Auch eine Gruppe Demonstranten meldete sich mit Sprechchören zu Wort, allerdings erst, als Gauck den Platz vor dem Mahnmal verlassen hatte.

In seiner kurzen Ansprache sagte Gauck, er möchte aussprechen, was „Täter und viele politisch Verantwortliche der Nachkriegszeit nicht aussprechen konnten oder wollten: Das, was geschehen ist, war brutales Unrecht“. Auf die Reparationsforderungen, die auch Präsident Papoulias am Donnerstag mit unerwarteter Schärfe erhoben hatte, ging er nicht ein.

„Ich verneige mich vor den Opfern der ungeheuren Verbrechen, die hier und an vielen Orten in Griechenland zu beklagen sind“, sagte Gauck. Aus den Gewalttaten erwachse eine große Verantwortung. „Die Verpflichtung nämlich, alles in unserer Macht stehende zu tun, dass nicht in Vergessenheit gerät, was nie hätte geschehen dürfen.“

Anschließend wollte Gauck die Synagoge in der Provinzhauptstadt Ioannina besuchen und sich mit Überlebenden des Holocaust treffen. Am Freitagabend wurde er in Berlin zurückerwartet. Der dreitägige Staatsbesuch in Griechenland stand stärker als erwartet im Zeichen der griechischen Forderungen nach Milliarden-Reparationen. Die Bundesregierung hat dies bisher mit Hinweis auf die Rechtslage abgelehnt.

Die griechischen Forderungen haben durch die schwere Wirtschaftsdepression als Folge der Staatsschuldenkrise im Euroraum neue Nahrung erhalten. Gauck äußerte sich dazu nicht inhaltlich, sondern verwies auf seine verfassungsrechtliche Stellung. Allerdings kündigte er Mittel für einen „Zukunftsfonds“ an, mit dem das historische Bewusstsein über die in Griechenland begangenen deutschen Verbrechen gefördert werden soll.

dpa

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