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Bundespräsident Joachim Gauck sprach bei der Mahnwache für die Opfer der Anschläge in Frankreich vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Neben Kanzlerin Merkel nahmen alle im Bundestag vertretenen Parteien sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und der christlichen Kirchen an der Kundgebung teil.

Berliner Mahnwache gegen den Terror

Gauck: "Euer Hass ist unser Ansporn"

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck hat alle Menschen in Deutschland unabhängig von Religion und Herkunft zum Einsatz für Demokratie und Weltoffenheit aufgerufen. Terroristen und Fanatiker verurteilte er.

Mit einer Kranzniederlegung vor der Französischen Botschaft in Berlin hatte am Dienstagabend die Kundgebung von Religionsgemeinschaften und Politikern nach den Anschlägen von Paris begonnen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, gedachte im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel der Opfer des jüngsten islamistischen Terrors.

Zehntausend Menschen hatten sich vor dem Brandenburger Tor eingefunden. 

Die anschließende Mahnwache wurde mit der Verlesung von zwei Koranversen auf Arabisch und Deutsch eröffnet. Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 10.000 Menschen an der Demonstration, die Verbände der Muslime und Türken in Deutschland initiiert hatten. Alle im Bundestag vertretenen Parteien nahmen an der Kundgebung teil, die Bundesregierung mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der französische Botschafter Philippe Etienne sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und der christlichen Kirchen. Auch der frühere Bundespräsident Christian Wulff war dabei, dessen Zitat von 2010 sich Merkel am Montag ausdrücklich zu eigen gemacht hatte: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Gauck: "Wir alle sind Deutschland"

„Wir alle sind Deutschland“, sagte Gauck vor dem Brandenburger Tor, das in Frankreichs Nationalfarben - blau, weiß und rot - angestrahlt wurde.. „Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn“, sagte er an die Adresse von Terroristen und Fanatikern. Gauck bezog sich dabei auf Sätze, die er zu Beginn seiner Amtszeit den Rechtsextremisten zugerufen hatte. „Der Terror ist international, aber das Bündnis der Freien und Friedfertigen ist es erst recht. Die Welt rückt zusammen.“

Das Staatsoberhaupt dankte allen Muslimen, die sich vom Terror im Namen des Islam distanzierten. „Das ist ein patriotisches „Ja“ zu dem Land, im dem wir gemeinsam leben - zu unserem Land“, sagte Gauck laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Die übergroße Mehrheit der Muslime fühle sich der offenen Gesellschaft zugehörig „und ist bereit, dafür einzutreten“.

Zugleich verurteilte Gauck die mehr als 550 jungen Männer und Frauen, die aus Deutschland im Namen des Islam als Kämpfer für den „Islamischen Staat“ nach Syrien und in den Irak gezogen sind. „Was für ein Missbrauch. Was für eine Pervertierung von Religion.“

Ohne die Anti-Islam-Bewegung Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) beim Namen zu nennen, ergänzte Gauck: „Wir stellen uns jeder Art von Dämonisierung und Ausgrenzung entgegen.“ Er würdigte die Menschen, die sich bei den Gegendemonstrationen zu Pegida gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine offene Gesellschaft stark machen. „Wir alle zeigen Gesicht!“

"Die Terroristen haben uns zusammengeführt"

Angesichts der Brandanschläge auf Moscheen und von antisemitischen Parolen in Deutschland rief Gauck alle Bürger zu Solidarität auf. Es sei nicht allein Sache der Muslime und der Juden, sich dagegen zu wehren, „es ist unser aller Sache“. Zugleich kritisierte er: „Die Distanz zwischen Einwanderern und Einheimischen, die Distanz auch zwischen Eingewanderten unterschiedlicher Herkunft wird noch zu selten überwunden.“ Die Menschen rief er hier zu mehr Offenheit auf: „Lassen Sie uns die Begegnung der Verschiedenen bewusst suchen.“ Und Gauck versicherte: „Wir lassen uns nicht auseinander dividieren.“

Die Attentate von Paris haben nach den Worten Gaucks gezeigt, wie verwundbar die offene Gesellschaft ist. Sie hätten aber eine Neubesinnung bewirkt. „Die Terroristen wollten uns spalten. Erreicht haben sie das Gegenteil. Sie haben uns zusammengeführt.“ Freiheit und Menschenrechte seien nicht nur westlich, sondern universell. Der Gegenentwurf zum Fundamentalismus der islamistischen Gewalttäter laute: „Demokratie, Achtung des Rechts, Respekt voreinander, Wahrung der Menschenwürde. Das ist unsere Lebensform!“

Deutsche Muslime senden „starkes Zeichen“ gegen Terror

„Hier erheben Tausende deutsche Muslime in aller Deutlichkeit ihre Stimme dagegen, dass im Namen des Islam getötet und gefoltert wird“, erklärte der Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Rande der Veranstaltung. Auf die vielfachen Krisen dieser Welt gebe es keine einfachen Antworten, eines sei aber gewiss. „Unsere Freiheiten, unser Grundgesetz, unser friedliches Zusammenleben müssen wir alle gemeinsam verteidigen“, sagte Steinmeier laut Mitteilung des Auswärtigen Amtes. „Wenn wir wie heute zusammen Terror, Extremismus und Intoleranz entgegentreten, dann bin ich sicher, dass wir, dass die freie Gesellschaft, diesen Kampf gewinnen wird.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte es vor der Kundgebung ebenfalls ein wichtiges Zeichen, dass der Anstoß zu der Aktion von den Muslimen gekommen sei. Angesichts islamfeindlicher Demonstrationen verurteilte sie jede Ausgrenzung von Ausländern und Flüchtlingen. „Menschen, die aus Not, die aus Furcht um ihr Leben zu uns kommen, die Schutz suchen, haben ein Anrecht darauf, dass sie hier anständig behandelt werden“, sagte sie.

Mazyek: "Terroristen lästern Gott"

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat seine tiefe Trauer über die Anschläge von Paris zum Ausdruck gebracht und islamistischem Terrorismus den Kampf angesagt. Die Muslime in Deutschland ständen unter dem „Schock der brutalen Terroranschläge“ und zeigten ihre Solidarität mit dem französischen Volk, sagte Mazyek am Dienstagabend bei der Mahnwache. Dass Religionsgemeinschaften und Politiker wie Bundespräsident Joachim Gauck oder Kanzlerin Angela Merkel „hier geschlossen stehen und Gesicht zeigen (...), ist ein gewaltiges Zeichen des Respekts“.

Mazyek rief angesichts weltweiter Proteste gegen den islamistischen Terrorismus aus: „Die Terroristen haben nicht gesiegt, und Terroristen werden auch nicht siegen.“ Für Einschüchterung und Gewalt wie beim Überfall auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gebe es keine Rechtfertigung. Der Zentralratsvorsitzende betonte in seiner Rede: „Die Terroristen wollten den Propheten rächen? Nein! Sie haben mit ihrer Tat die größte Gotteslästerung begangen.“

Indem die zahlreichen Vertreter aus Politik und der anderen großen Religionen der Einladung zu der Mahnwache gefolgt seien, werde ein Zeichen gesetzt, sagte Mazyek. "Die Terroristen haben nicht gesiegt. Und die Terroristen werden auch in Zukunft nicht siegen", rief Mazyek,

Demo gegen den Terror: Hunderttausende trauern in Paris

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Zum Abschluss demonstrierten viele Teilnehmer Einigkeit: Sie hakten sich nach dem Vorbild der Großdemonstration in Paris vom Sonntag unter und schlossen die Reihen.

dpa/ afp

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