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Bundespräsident Joachim Gauck

Gauck warnt vor antieuropäischen Parteien

Luxemburg - Bundespräsident Gauck sieht Europa in Gefahr. Wer den Rückzug in den Nationalstaat wolle, habe nichts aus der Geschichte gelernt, warnte er bei einem Besuch in Luxemburg.

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor Pauschalkritik an Europa und einem Erstarken antieuropäischer Parteien gewarnt. Er forderte am Dienstag in Luxemburg, die junge Generation besser mit der europäischen Geschichte vertraut zu machen.

„Antieuropäische Parteien, die einen Rückzug in den Nationalstaat propagieren und zum Teil sogar die europäische Solidarität aufkündigen wollen, haben zur Zeit in manchen Ländern Zulauf“, sagte Gauck. „Das ist eine gefährliche Entwicklung.“

Der Präsident sprach vor dem Institut Pierre Werner. Es ist benannt nach dem früheren luxemburgischen Regierungschef, der zu den Pionieren der europäischen Währungsunion gehört.

Die Nationalstaaten bleiben Gauck zufolge unverzichtbar „als Bezugspunkt von Identität ebenso wie als politische Grundeinheit der Demokratie“. Zugleich gelte aber „für große Länder ebenso wie für kleine: Ohne die Nachbarn als Freunde und Verbündete geht nichts.“ Die zunehmende Europaskepsis zeige auch: „Eine rationale Begründung reicht nicht aus, um Zweifler zu gewinnen, denn die europäische Integration ist ein kompliziertes Projekt.“

Das gemeinsame Europa sei „keine Laune der Geschichte“, sagte der Präsident. „Es ist vielmehr eine zur Institution gewordene Lehre aus der Geschichte, eine Sicherung gegen Verirrung und Verführung.“ Dieser Sinn der europäischen Einrichtungen müsse immer wieder deutlich gemacht werden: „Wir müssen das Wissen über unsere gemeinsame Geschichte an die junge Generation weitergeben, um unser Haus Europa wetterfest zu machen für die Stürme der Zukunft.“

In jedem europäischen Land werde Geschichte als die Geschichte der eigenen Nation erzählt, sagte Gauck. „Es ist so vor allem die eigene Perspektive, die uns vor Augen steht. Ich wünsche mir, dass wir noch stärker auch die Perspektiven der anderen Völker Europas kennenlernen und berücksichtigen. Ihre Leiden und ihre Träume, ihre Traumata und ihre Triumphe.“ So könne die europäische Geschichte zu einer gemeinsamen Geschichte werden. Gauck plädierte erneut für eine europäische Öffentlichkeit, in der über Grenzen hinweg Meinungen ausgetauscht werden könnten.

dpa

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