Joachim Gauck
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Bundespräsident Joachim Gauck.

Feiern zum 70-jährigen Kriegsende

Gauck will gefallenen Sowjetsoldaten gedenken

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck will bei den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in den kommenden Tagen besonders an die Leistungen und Leiden der sowjetischen Soldaten erinnern.

„Am 8. Mai sind wir befreit worden - nicht nur, aber auch durch die Völker der Sowjetunion. Deshalb schulden wir ihnen Dankbarkeit und Respekt“, sagte das Staatsoberhaupt in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). „Und das gilt ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt haben.“

Die Erinnerung an die Sowjetarmee sei ambivalent. Die Soldaten seien bis 1945 Befreier und nach 1945 Garanten der Diktatur gewesen. „Wir können und müssen Letzteres höchst kritisch betrachten, zugleich aber für die Rolle dieser Soldaten bei der Befreiung genau so deutlich Respekt, ja Dank bezeugen.“

Gauck verwies in dem Interview auch auf die deutschen Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen. „Von den insgesamt rund fünfeinhalb Millionen sowjetischen Soldaten in der Gewalt der deutschen Wehrmacht hat weniger als die Hälfte überlebt“, sagte er.

„Ich finde, wir haben bei der Aufarbeitung der NS-Zeit wirklich vieles geleistet. Aber immer wieder gab es auch Gruppen von Opfern, die dabei gar nicht oder zu spät oder zu wenig berücksichtigt wurden - die sowjetischen Kriegsgefangenen gehören dazu. Diese Männer befinden sich, was das kollektive Gedächtnis angeht, in einer Art Erinnerungsschatten. Das wird ihnen nicht gerecht.“

Gauck besucht am kommenden Mittwoch (6. Mai) die Dokumentationsstätte im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Senne am Schloss Holte-Stukenbrock bei Bielefeld. Am 8. Mai nimmt er an einer Gedenkstunde im Bundestag teil und besucht eine Kriegsgräberstätte in Brandenburg.

Das Zerwürfnis mit Russland in der Ukraine-Krise überschattet das gemeinsame Gedenken an das Kriegsende. Die meisten Staats- und Regierungschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren die großen Feiern in Russland am 9. Mai zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland - darunter eine Militärparade.

Allerdings reist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 7. Mai nach Wolgograd (früher Stalingrad), um gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow an eine der blutigsten Schlachten des Kriegs zu erinnern. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) legt am 10. Mai gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten in Moskau einen Kranz nieder.

dpa

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