Gaza-Konflikt
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Im Osten von Gaza-Stadt steigt nach einem Raketenangriff durch die Israelis eine Rauchwolke gen Himmel.

Anschlag auf Hamas-Militärchef

Gaza-Krieg: 19 Tote seit der Waffenruhe

Gaza/Tel Aviv - Im Gaza-Konflikt sprechen mal wieder die Waffen. Wieder sind Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe gescheitert. Bei Luftangriffen Israels gab's schon 19 Tote.

Die Hoffnungen auf eine dauerhafte Waffenruhe in Gaza-Konflikt sind zunächst geplatzt. Nach dem Ende einer weiteren Feuerpause entbrannten die Kämpfe erneut. Bei einem gezielten israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen sind am Mittwoch nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Die militanten Palästinenser seien an Raketenangriffen auf Israel beteiligt gewesen, teilte die israelische Armee mit.

Seit Zusammenbruch der Waffenruhe sind nach Militärangaben rund 100 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden - mehr als 50 davon bereits am Dienstag, teilten die Streitkräfte mit. Israel antwortete mit neuen Luftschlägen. Dabei starben nach palästinensischen Angaben am Dienstagabend 19 Menschen, 120 weitere wurden verletzt.

Unter den Toten seien die Frau und die Tochter eines Militärführers der Hamas, teilte die Organisation mit. Hamas-Vize Mussa Abu Marsuk schrieb auf seiner Facebook-Seite, bei dem Angriff in Gaza am Dienstagabend seien die Frau "des großartigen Führers" und dessen kleine Tochter gestorben. Nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste wurden bei einem Angriff auf ein großes Wohnhaus in Gaza zwei Menschen getötet, eine Frau und ein zweijähriges Kind. Israel hat am Mittwoch den Versuch einer gezielten Tötung des Militärchefs der im Gazastreifen herrschenden Hamas bestätigt. Das berichtete das Zweite Israelische Fernsehen unter Berufung auf einen Regierungsvertreter in Jerusalem. Der militärische Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, erklärte, dass ihre Anhänger nach dem israelischen Angriff Dutzende Raketen Richtung Tel Aviv abgefeuert hätten.

Die traurige Gaza-Bilanz: Bisher 2000 tote Palästinenser und 67 Israelis

Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund. Nach dem Angriff feuerten Anhänger des militärischen Hamas-Arms, der Al-Kassam-Brigaden, Dutzende Raketen in Richtung Tel Aviv, wie die Organisation mitteilte. Auch am Mittwochmorgen schlugen mehr als zehn aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen in Israel ein.

Bei einem israelischen Angriff auf ein Gebäude in Dir el Balach im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben acht Mitglieder einer Familie getötet. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete am Mittwoch, unter den Toten seien die Eltern sowie mehrere Kinder. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als sechs Wochen sind mehr als 2000 Palästinenser getötet und mehr als 10 000 verletzt worden. Auf der israelischen Seite kamen 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

UN-Generalsekretär verurteilt Bruch der Waffenruhe im Gaza-Konflikt

Die Regierung in Jerusalem hatte ihre Verhandlungsdelegation zuvor schon aus Kairo abgezogen. Dort sollte sechs Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs eine dauerhafte Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern gefunden werden. Die letzte Feuerpause endete sollte bis Dienstagabend um 23 Uhr MESZ dauern und die Verhandlungen erleichtern.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Bruch der von Ägypten vermittelten Waffenruhe aufs Schärfste. Ban sei sehr enttäuscht über die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Er erinnerte nach Angaben der Vereinten Nationen vom Dienstag in New York beide Seiten an ihre Verantwortung, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Ban rief Israel und die Palästinenser auf, sich umgehend auf eine dauerhafte Feuerpause zu verständigen.

Vorwürfe: Israel sei schuld an der Eskalation der Gewalt

Noch vor Ablauf der Feuerpause waren drei Raketen aus dem Gazastreifen in der Nähe der Wüstenstadt Beerscheva eingeschlagen, sagte eine israelische Militärsprecherin. Israel reagierte sofort mit neuen Luftangriffen. Später heulten in weiten Teilen Israels wieder die Sirenen. Im Großraum von Tel Aviv schlug eine Rakete ein. Von Opfern oder Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Die Hamas wies Israel mit seiner Besatzungspolitik die Schuld an der Eskalation der Gewalt zu. Schon zuvor hatte die Hamas Israel vorgeworfen, die Gespräche in Kairo über eine dauerhafte Gaza-Waffenruhe bewusst zu verzögern. Die „Manöver“ der israelischen Delegation verhinderten jeden Fortschritt, sagte der palästinensische Delegationsleiter Asam Al-Ahmed in Kairo.

Das sind die Stichpunkte einer grundsätzlichen Einigung

Laut palästinensischen Medienberichten standen beide Seiten kurz vor dem Abschluss einer mehrwöchigen Waffenruhe. Ein palästinensischer Politiker benannte die Stichpunkte einer grundsätzlichen Einigung mit Israel. Aschraf al-Adschrami sagte dem israelischen Armeesender: „Die Punkte sind der Wiederaufbau des Gazastreifens, die Aufhebung der Blockade, die Öffnung der Grenzübergänge, die Lösung der Stromprobleme, die Einfuhr von Baumaterialien unter internationaler Kontrolle und die Ausweitung der Fischereizone im Gazastreifen.“ Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben in dem Konflikt seit dem 8. Juli aufseiten der Palästinenser mehr als 2000 Menschen, über 10 000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und 3 Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.

dpa/AFP

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