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Palästinenser am Sonntag vor zerstörten Häusern in Beit Hanun im nördlichen Gaza-Streifen.

Keine Einigung in Sicht

Gaza: Die Angst vor einem neuem Krieg

Kairo/Tel Aviv - Eine Einigung im Gazakonflikt ist offenbar nicht in Sicht. Die Zeit aber drängt. Die Feuerpause endet am späten Montagabend.

Vor Ablauf einer Waffenruhe haben Israelis und Palästinenser am Montag in Kairo intensiv über eine dauerhafte Beilegung des Gaza-Konflikts verhandelt. Es herrschte jedoch Pessimismus darüber, dass es beiden Seiten gelingen würde, in letzter Minute eine Einigung bei den indirekten Gesprächen unter ägyptischer Vermittlung zu finden. Palästinensische Repräsentanten sagten allerdings der israelischen Zeitung „Haaretz“, die Feuerpause könnte möglicherweise noch um einige Tage verlängert werden.

Nach Ende einer fünftägigen Waffenruhe am Abend um 23 Uhr (MESZ) wurde ein neuer Ausbruch der Gewalt befürchtet, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Israel hat eine harte Reaktion angedroht, falls die militanten Palästinenser ihre Raketenangriffe wieder aufnehmen.

Nach Medienberichten ist die Kluft zwischen beiden Seiten bei den indirekten Gesprächen in Kairo weiter groß. Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ schrieb, Israel bestehe unter anderem auf strengen Einfuhrkontrollen, die eine Wiederbewaffnung der militanten Palästinenserorganisationen verhindern solle. Hamas lehne dies ab und fordere weiter eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens sowie die Einrichtung eines Seehafens.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wollte angesichts einer Krise bei den Kairo-Verhandlungen zu dringenden Gesprächen mit dem Exilchef der radikal-islamischen Hamas, Chaled Maschaal, nach Katar reisen, berichteten palästinensische Medien am Montag. Am Wochenende wollte er dann nach Kairo fahren.

Die israelische Chefunterhändlerin Zipi Livni forderte eine „neue Ordnung“ im Gazastreifen nach dem Krieg. Die dort seit 2007 herrschende Hamas müsse „einen Schlag erleiden, militärisch und politisch“, sagte sie dem israelischen Rundfunk. Die Justizministerin sprach sich für eine langfristige Entmilitarisierung der Küstenenklave am Mittelmeer aus. Die Hamas und andere militante Organisationen lehnen dies ab. Livni erklärte, die palästinensische Autonomiebehörde müsse im Gazastreifen wieder die Kontrolle übernehmen.

Ägypten und Norwegen wollen gemeinsam in Kairo eine Konferenz über den Wiederaufbau des Gazastreifens ausrichten. Die Einladungen zu dem Treffen sollten ausgesprochen werden, wenn bei den Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern eine langfristige Waffenruhe erzielt worden sei, teilte das ägyptische Außenministerium mit.

Aus Furcht vor neuen Angriffen aus dem Gazastreifen stellte Israel den Bahnverkehr in der Nähe des Palästinensergebiets ein. Bis auf weiteres sollten keine Züge zwischen der Küstenstadt Aschkelon und der Grenzstadt Sderot mehr fahren, berichtete die Nachrichtenseite „ynet“. Das Verteidigungsministerium habe die Sorge, die Züge könnten in Grenznähe mit Panzerabwehrraketen angegriffen werden.

Mehr als zwei Monate nach der Entführung und dem Mord an drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland zerstörte die Armee die Häuser der palästinensischen Tatverdächtigen. Der zu Monatsbeginn gefasste Hussam Kawasma habe zwei weitere Palästinenser mit der Tat beauftragt, teilte die Armee mit. In der Nacht seien sein Wohnhaus sowie das des weiter gesuchten Marwan Kawasme in Hebron zerstört worden. Das Haus des dritten Tatverdächtigen, Omar Abu Ajschah, sei versiegelt worden.

Israel wirft der Hamas vor, verantwortlich für die Tat zu sein. Die Palästinenserorganisation bestreitet dies jedoch. Nach den Morden setzte eine Welle der Gewalt ein, die in den Gaza-Krieg mündete.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben in dem Konflikt seit dem 8. Juli aufseiten der Palästinenser 2016 Menschen, mehr als 10 000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.

dpa

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