Winkler übte scharfe Kritik an Russlands Haltung im Ukraine-Konflikt. Foto: Wolfgang Kumm
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Winkler übte scharfe Kritik an Russlands Haltung im Ukraine-Konflikt. Foto: Wolfgang Kumm
Rüstungsminister Albert Speer, Hitlers Nachfolger Großadmiral Karl Dönitz und der Chef des deutschen Generalstabs, Generaloberst Alfred Jodl (v.l.) nach ihrer Gefangennahme durch die Briten in Flensburg. Foto: UPI
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Rüstungsminister Albert Speer, Hitlers Nachfolger Großadmiral Karl Dönitz und der Chef des deutschen Generalstabs, Generaloberst Alfred Jodl (v.l.) nach ihrer Gefangennahme durch die Briten in Flensburg. Foto: UPI
Im Februar 1945 überqueren russische Panzer die Oder auf einer Behelfsbrücke. Foto: Archiv
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Im Februar 1945 überqueren russische Panzer die Oder auf einer Behelfsbrücke. Foto: Archiv
Soldaten der alliierten Truppen verlassen ein Landungsboot am "Omaha-Beach" in der Normandie. Foto: Archiv
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Soldaten der alliierten Truppen verlassen ein Landungsboot am "Omaha-Beach" in der Normandie. Foto: Archiv
Das Archivbild zeigt den sowjetischen Soldaten Militon Kantarija, der die sowjetische Flagge auf dem Berliner Reichstag hisst. Dies geschah nach der Einnahme Berlins durch die Rote Armee am 30. April 1945. Foto: Jewgeni Chaldej
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Das Archivbild zeigt den sowjetischen Soldaten Militon Kantarija, der die sowjetische Flagge auf dem Berliner Reichstag hisst. Dies geschah nach der Einnahme Berlins durch die Rote Armee am 30. April 1945. Foto: Jewgeni Chaldej
Soldaten der alliierten Truppen führen zwei der ersten deutschen Kriegsgefangenen nach der Landung an der Küste ab. Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten an der Küste der Normandie. Foto: UPI/dpa
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Soldaten der alliierten Truppen führen zwei der ersten deutschen Kriegsgefangenen nach der Landung an der Küste ab. Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten an der Küste der Normandie. Foto: UPI/dpa
D-Day: Ein Landungsboot bringt Soldaten der US-Army zum "Omaha Beach" in der Normandie. Foto: National Archives and Records Administration
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D-Day: Ein Landungsboot bringt Soldaten der US-Army zum "Omaha Beach" in der Normandie. Foto: National Archives and Records Administration
Beim Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 1. September 1939 reißen Soldaten einen Schlagbaum an der Grenze nieder. Foto: Archiv
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Beim Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 1. September 1939 reißen Soldaten einen Schlagbaum an der Grenze nieder. Foto: Archiv

Historiker Winkler: Deutschland hat kein Recht auf Wegsehen

1985 hat der damalige Bundespräsident von Weizsäcker den 8. Mai als Tag der Befreiung bezeichnet. Diesmal spricht nicht der Präsident, sondern Heinrich August Winkler. Der Historiker fordert Konsequenzen aus der deutschen Geschichte.

Berlin (dpa) - 70 Jahre nach dem Kriegsende in Europa hat der Historiker Heinrich August Winkler Deutschland aufgerufen, zu seiner internationalen Verantwortung zu stehen.

Eine besondere Verpflichtung habe Deutschland nach den Verbrechen der Nationalsozialisten für die Länder Ost- und Mitteleuropas, sagte Winkler im Bundestag. An der Gedenkstunde zum 8. Mai nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

"Ein verantwortlicher Umgang mit der Geschichte zielt darauf ab, verantwortliches Handeln in der Gegenwart möglich zu machen", sagte Winkler. Es lasse sich "weder aus dem Holocaust noch aus anderen nationalsozialistischen Verbrechen noch aus dem Zweiten Weltkrieg insgesamt ein deutsches Recht auf Wegsehen ableiten." Mit den Verbrechen der Nationalsozialisten könne kein Beiseitestehen begründet werden, mahnte der 76-Jährige. Deutschland soll aus Winklers Sicht durchaus zusammen mit anderen Staaten im Sinne der Schutzverantwortung der Völkergemeinschaft tätig werden.

Scharfe Kritik übte der Historiker an Russlands Haltung im Ukraine-Konflikt. "Das Jahr 2014 markiert eine tiefe Zäsur." 1990 hätten sich 34 Staaten, auch die Sowjetunion, in der Charta von Paris verpflichtet, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit zu achten. Durch die Krim-Annexion sei die Charta in Frage gestellt - "und mit ihr die europäische Friedensordnung, auf die sich die einstigen Kontrahenten des Kalten Krieges damals verständigt hatten".

Eine besondere Pflicht zur Solidarität gebe es mit Ländern, die erst durch die friedlichen Revolutionen von 1989/90 ihr Recht auf Selbstbestimmung wiedergewonnen hätten. "Nie wieder dürfen unsere ostmitteleuropäischen Nachbarn, die 1939/40 Opfer der deutsch-sowjetischen Doppelaggression im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes wurden (...) - nie wieder dürfen Polen und die baltischen Republiken den Eindruck gewinnen, als werde zwischen Berlin und Moskau irgendetwas über ihre Köpfe hinweg und auf ihre Kosten entschieden."

Viele Deutsche hätten einen langen und schmerzhaften Weg zurücklegen müssen, bevor sie sich der einzigartigen Monstrosität des Holocaust, der Ermordung der Sinti und Roma, von Zehntausenden geistig Behinderten und zahllosen Homosexuellen gestellt hätten - sowie der Verantwortung für schrecklichste Kriegsverbrechen in den von Deutschland besetzten Ländern. "Besonders schwer war es für die Millionen von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, das ihnen widerfahrene Leid als Folge der deutschen Gewaltpolitik zu begreifen und sich mit dem Verlust ihrer Heimat abzufinden."

Winkler prangerte Fremdenfeindschaft und antisemitische Gewalt in Deutschland und anderen Ländern an. Es gelte, "die eigentliche Lehre der deutschen Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 zu beherzigen: die Verpflichtung, unter allen Umständen die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen zu achten".

Bundesratspräsident Volker Bouffier rief zur Abwehr heutiger Anhänger des nationalsozialistischen Ungeistes auf. "Diesem Treiben muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats und einer gesamtgesellschaftlichen Ächtung entschieden entgegengetreten werden."

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte die Soldaten der westlichen Alliierten und der Roten Armee. Denn der 8. Mai sei "kein Tag der deutschen Selbstbefreiung" gewesen.

Rede des Historikers Ernst August Winkler zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren

Gedenkstunde Bundestag

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