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Eine Holzbank mit der Aufschrift "Willkommen" steht auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle in Suhl in Thüringen.

Flüchtlingskrise

So geht Integration: Ein Stimmungsbericht von Zuwanderern

Frankfurt - Mit den Flüchtlingen ist die Zuwanderung auf einen Rekord gestiegen. Was denken Menschen, die schon vor Jahrzehnten aus dem Ausland kamen, über die Integration? Ein Stimmungsbericht.

Im Frankfurter Bahnhofsviertel spricht längst nicht jeder gut Deutsch. Viele Ausländer arbeiten oder leben seit Jahrzehnten in dem internationalsten Viertel der Mainmetropole. Alim Cosgun etwa, Chef eines großen türkischen Lebensmittelladens. „Ich habe Deutsch von meinen Kunden gelernt“, sagt er schmunzelnd. Was halten Einwanderer der ersten Generation bei der Integration von Flüchtlingen für wichtig?

Deutsch lernen und Arbeit finden - das sind für die Vorsitzende des Ägyptischen Vereins Darmstadt, Fahima Nokraschi, die wichtigsten Voraussetzungen. Das habe auch ihr sehr geholfen, als sie 1963 ihrem Mann gefolgt und nach Hessen gekommen sei. „Flüchtlinge sollten auf jeden Fall Deutsch lernen, auch wenn sie zurückkehren“, sagt die 72-Jährige. „Das ist eine Bereicherung.“ Auch ein Arbeitsplatz sei wichtig. „Das wollen auch die meisten. Deutschland kann die Flüchtlingssituation schaffen. Die Verfahren müssen aber schneller gehen.“

Wie tickt das Leben in Deutschland?

Das allein reiche aber nicht. Flüchtlinge sollten möglichst bald erfahren, „wie das Leben in Deutschland tickt“, betont Nokraschi. Schlepperbanden hätten mitunter viel versprochen. „Die Leute, die hierher kommen, denken, hier könnte man alles in Hülle und Fülle haben, und auch noch schnell.“ Geduld sei notwendig, „weil Ämter bei den Anträgen nicht nachkommen“.

Die Neuankömmlinge bräuchten Sprachkurse und Arbeitsplätze, sagt auch Lebensmittelhändler Cosgun. Er selbst ist 1989 mit nur einem Koffer aus Anatolien gekommen, um seine türkische Frau zu heiraten, die in Frankfurt zur Schule gegangen war. „Man sollte ihnen nicht jeden Tag Essen geben, sie müssen selbst Arbeit suchen“, sagt Cosgun, der sich zum Unternehmer mit mehreren Geschäften hoch gearbeitet hat und gute Arbeitskräfte gebrauchen kann.

Sprache und Arbeit. Das hält auch Pelzhändler Nestor Douvlos, der von griechischen Zuwanderern abstammt, für das A und O der Integration. Es sei eben anders als in der Generation seiner Eltern, wo Deutsche und Zuwanderer dachten, sie seien nur Gastarbeiter, die bald wieder in die Heimat zurückkehren würden.

"Es dürfen keine Ghettos entstehen wie in Paris oder Brüssel"

Der gebürtige Frankfurter nennt aber noch einen anderen Punkt: das soziale Miteinander. „Es dürfen keine Ghettos entstehen wie in Paris oder Brüssel.“ Deshalb ängstige es ihn auch keineswegs, „wenn Flüchtlinge auch in den besseren Wohnvierteln mittendrin wohnen“. Die Anschläge auf Flüchtlings-Unterkünfte vor allem in Ostdeutschland machten ihn dagegen sehr traurig. „Ich bin froh für jeden Flüchtling, der in solchen Städten wie Frankfurt unterkommt und nicht irgendwo aufs Land muss“, sagt der 42-Jährige.

Entsetzt ist der Frankfurter mit griechischen Wurzeln darüber, dass manche Migranten der zweiten Generation schlecht über Flüchtlinge sprechen. „Ich frage sie dann immer, wie sind denn unsere Eltern hierhergekommen?“ Unerklärlich sei ihm auch, weshalb viele darüber schimpften, dass Flüchtlinge ein Handy hätten und gut gekleidet seien. „Die Leute haben in Syrien genauso gelebt wie wir.“

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen, der junge Flüchtlinge in Deutsch unterrichtet, muss die Integration schneller gehen. „Jeder Tag, den wir verlieren, ohne ihnen (den Flüchtlingen) Integrationsmaßnahmen anzubieten, ist ein Tag, der uns in der Zukunft viel mehr kosten wird, nicht nur finanziell, sondern auch viel mehr Mühe.“ Der türkische Einwanderer fügt hinzu: „Ich weiß nicht, ob sich meine Ansichten so sehr unterscheiden von sehr, sehr vielen autochthon deutschen Menschen, Freunden, Kollegen, die ich kenne.“

Deutschland soll Status als Migrationsland akzeptieren

Die in Albanien geborene Vizepräsidentin der Technischen Universität Darmstadt, Mira Mezini, findet es sogar „irritierend“, als zugewanderte Ausländerin angesprochen zu werden. Deutschland werde erst dann endlich seinen Status als Migrationsland als normal akzeptiert haben, „wenn Leute wie ich nicht als „Sonderspezies“ betrachtet werden“. Die 1966 geborene Professorin, die seit 2000 in Deutschland lebt, gibt dennoch einen Tipp: „Wenn die erste Not gelindert ist, sollten die Menschen so schnell wie möglich eine Beschäftigung erhalten, um ihnen Selbstwertgefühl zu geben, was selbstverständlich das Erlernen der deutschen Sprache voraussetzt.“

dpa

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