Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.l) steht im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München zwischen ihren Anwälten Anja Sturm und Wolfgang Heer. Foto: Andreas Gebert
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Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.l) steht im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München zwischen ihren Anwälten Anja Sturm und Wolfgang Heer. Foto: Andreas Gebert

Gericht will mutmaßliche NSU-Helferin vernehmen

München - Im NSU-Prozess will das Oberlandesgericht München eine Frau aus Chemnitz als Zeugin vernehmen. Sie soll als Mitglied der Organisation "Blood & Honour" das NSU-Trio beim Abtauchen in den Untergrund unterstützt haben.

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten zunächst bei Mitgliedern der Gruppe in Chemnitz Unterschlupf gefunden. Die Zeugin soll sich bereiterklärt haben, Zschäpe ihren Pass für eine Flucht nach Südafrika zur Verfügung zu stellen.

Außerdem will das Gericht erneut die Herkunft der Mordwaffe vom Typ "Ceska" untersuchen. Mit dieser Waffe hat der "Nationalsozialistische Untergrund" nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft neun seiner zehn Mordopfer getötet.

Auch drei Jahre nach dem Auffliegen des NSU-Trios ist nicht absehbar, wann die Taten der rechtsextremen Terroristen juristisch aufgearbeitet sein werden. Dabei ist der NSU-Prozess in München schon jetzt eines der größten und teuersten Verfahren in der deutschen Rechtsgeschichte. Nach Schätzungen aus dem Oberlandesgericht München fallen pro Tag rund 150 000 Euro an.

Am weitesten fortgeschritten ist das Gericht bei der Aufarbeitung der zehn Morde. Bei zwei Morden gibt es gleichwohl noch Ungereimtheiten. So ist bis heute rätselhaft, warum ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes unmittelbar in der Nähe war, als der Betreiber eines Internetcafés in Kassel erschossen wurde. Im Fall der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn sorgen Verbindungen von Kollegen und aus dem Familienumfeld in die rechtsextreme Szene für Zweifel an der offiziellen Version, sie sei nur ein Zufallsopfer.

Die Beweisaufnahme für die anderen Taten steht noch fast vollständig aus. Dazu zählt der Nagelbombenanschlag an der Kölner Keupstraße im Juni 2004, bei dem 22 Menschen verletzt wurden.

Kaum beschäftigt hat sich das Gericht bisher auch mit den zahlreichen Banküberfällen, die dem Trio zur Last gelegt werden. Prozessbeteiligte schätzen, dass bisher noch nicht einmal die Hälfte aller Zeugen und Sachverständigen gehört wurden.

dpa

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