Neue Gewerbeparks 

Droht Bayern die Zersiedelung?

München – In Bayern sollen künftig Gewerbe- und Industriegebiete auch abseits von Siedlungen erlaubt sein. Experten befürchten „italienische Verhältnisse“.

Die von Heimatminister Markus Söder (CSU) geplante Lockerung des so genannten Anbindegebots im Landesentwicklungsprogramm sieht vor, dass sich Firmen abseits von Ortschaften an Autobahnausfahrten und vierspurigen Bundesstraßen ansiedeln dürfen. Das bayerische Kabinett genehmigte das Vorhaben gestern. Nun ist nach einer Anhörung der Verbände der Landtag gefragt. SPD und Grüne kündigten ihr Nein an. „Wild wuchernde Gewerbeflächen verschandeln das Gesicht Bayerns“, erklärte die SPD-Wirtschaftsexpertin Annette Karl. Martin Stümpfig von den Grünen warnte vor neuen „Hotelburgen in den Alpen“, weil das gelockerte Anbindegebot auch Tourismusprojekte beinhaltet. Nur Einzelhandel wie etwa Möbelmärkte oder Lebensmittel-Discounter sind in den neuen Gewerbeparks verboten.

Söder erklärte, die Lockerung stärke den ländlichen Raum und sei von Bürgermeistern gefordert worden. „Die Kommunen vor Ort wissen selbst am besten, was für ihre Region gut ist.“

Holger Magel, Professor für Landmanagement an der TU München, kritisierte indes genau diese Erwartung. Es sei „schon arg blauäugig“, allein auf die Selbstverantwortung der Kommunen zu setzen. Die Kombination von durchdachten Vorgaben und Einschränkungen „von oben“ sei weiterhin sinnvoll. Die Losung der Stunde müssten interkommunale Gewerbegebiete sein. „Die schlechten oberitalienischen oder leider auch österreichischen Verhältnisse sollten wir in Bayern nicht anstreben und nun nicht unsere Straßen wahllos mit meist hässlichen Gebäudeanlagen garnieren.“ Auch der Landesverein für Heimatpflege sieht den Plan „sehr kritisch“, wie Landesgeschäftsführer Martin Wölzmüller sagte. Er befürchte Ansiedlungen, „die jeder Baukultur widersprechen“. Kritik hatten im Vorfeld auch der Bund Naturschutz und der Bayerische Bauernverband geäußert.

Rubriklistenbild: © dpa

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