+
Horst Seehofer und Gebirgsschützen empfangen David Cameron (l.).

Seehofer und Merkel loben Organisation

G7-Gipfel: Politiker demonstrieren viel Harmonie

München - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist mit dem bisherigen Verlauf des G7-Gipfels vollauf zufrieden. Auch sonst ging es harmonisch zu unter den Politikern.

„Ein absoluter Höhepunkt, heut morgen, heut nachmittag, heut abend, passt alles. Das ist bayerische Perfektion“, sagte Seehofer am Sonntagabend beim Empfang für mehrere afrikanische Staats- und Regierungschefs in der Residenz in München. „Wir können Gipfel.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei „sehr zufrieden“, alles sei „super, super“. Das Sicherheitskonzept sei völlig aufgegangen. Seit der Sicherheitskonferenz vor vielen Jahren in München habe Bayern in dieser Hinsicht „ein hohes Maß an Perfektion erreicht“.

Die Politiker aus Äthiopien, Liberia, Nigeria, Senegal und Tunesien wurden vor dem Empfang von bayerischen Gebirgsschützen und Blasmusik im Innenhof der Residenz empfangen. Anschließend trugen sie sich ins Gästebuch der Staatsregierung ein. Unter den rund 120 Gästen waren auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch Vertreter von Organisationen wie der Weltbank oder der Afrikanischen Union wurden erwartet.

Merkel und Obama demonstrieren Harmonie

Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama haben trotz Verstimmung über die Geheimdienstaffäre einen engen deutsch-amerikanischen Schulterschluss demonstriert. „Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten, die wir heute haben, ist Amerika, sind die Vereinigten Staaten von Amerika unser Freund, unser Partner“, sagte Merkel am Sonntag bei der Begrüßung Obamas kurz vor Beginn des G7-Treffens auf Schloss Elmau. Obama beteuerte: „Heute morgen feiern wir eines der stärksten Bündnisse, das die Welt je gekannt hat.“

Lesen Sie auch: 

G7: Obama und Merkel einig über Sanktionen gegen Russland

Barack Obama hat in Krün die deutsch-amerikanische Freundschaft gewürdigt. „Heute morgen feiern wir eines der stärksten Bündnisse, das die Welt je gekannt hat“, sagte er vor einigen Hundert Bewohnern vor dem Rathaus von Krün.

Merkel empfängt Obama & Co. - Bilder vom G7-Gipfel

„Ich bin in Dankbarkeit für die gemeinsame Geschichte hierher gekommen.“ Obama verwies auf die große Zahl bayerischer Einwanderer in seiner Heimatstadt Chicago.

Er müsse zugeben, dass er seine Lederhosen vergessen habe, scherzte der Präsident. „Aber ich hoffe, dass ich die Möglichkeit haben werde eine Lederhosen zu kaufen.“

Bei einer bayerischen Brotzeit vor dem großen Gipfeltreffen haben sich Merkel und Obama anschließend im Alpenort Krün mit Weißbier und Weißwurst für die G7-Beratungen auf Schloss Elmau gestärkt.

G7-Gipfel: Alle Infos rund um das Treffen der Spitzenpolitiker auf Schloss Elmnau finden Sie auch im Live-Ticker von Merkur.de! 

US-Präsident Barack Obama war am Sonntagmorgen zum G7-Gipfel in Bayern eingetroffen. Obama landete auf dem Münchner Flughafen. Auf dem Rollfeld wurde er von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer mit einer Delegation bayerischer Bürger und Blasmusik empfangen. Obama war kurz nach der Landung mit einem Hubschrauber in Richtung Alpen weitergeflogen. 

Das sind die G7-Themen

Der G7-Gipfel dauert bis Montag. Eingeladen sind die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Japans und Großbritanniens. Auf der Agenda stehen seit Sonntagmittag neben dem Ukraine-Konflikt unter anderem die Lage der Weltwirtschaft und globale Herausforderungen. Dazu zählen Themen wie Klima, Entwicklung und Bildung. Aber auch der Bürgerkrieg in Syrien sowie die Finanzprobleme Griechenlands werden besprochen.

Proteste weitgehend friedlich - Camp leert sich

Hunderte Gegner des G7-Gipfels haben am Sonntagabend die Heimreise angetreten. Das Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen leerte sich deutlich. Viele Aktivisten zogen mit Rucksack und Isomatte Richtung Bahnhof. Dort starteten auch Busse mit Demonstranten. „Achtet bei der Abreise aufeinander“, twitterte das Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“.

Etwa 400 Aktivisten seien noch im Camp, sagte am frühen Abend ein Sprecher des Bündnisses. Zum Abschluss des Treffens der Staats- und Regierungschefs wichtiger Industrienationen im benachbarten Schloss Elmau hat „Stop G7 Elmau“ am Montag noch eine Demonstration und Abschlusskundgebung geplant. Dazu werden aber nur noch 500 Teilnehmer erwartet.

Die befürchteten Krawalle bei den Protesten gegen den G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau sind am Wochenende zunächst ausgeblieben. Zwar wurden am Samstag während einer ansonsten friedlichen Demonstration in Garmisch-Partenkirchen nach Auseinandersetzungen sechs Protestierende festgenommen und mehrere Menschen verletzt. Die sechs Demonstranten, die am Samstag festgenommen wurden, sind aber wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte die Polizei am Sonntagabend.

Am Sonntag verliefen Blockadeaktionen von G7-Gegnern, ein Sternmarsch Richtung Schloss Elmau und eine erneute Demonstration in Garmisch-Partenkirchen aber ohne Zwischenfälle.

Insgesamt beteiligten sich an den Protesten deutlich weniger Demonstranten als erwartet, wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete. Den Protestierenden standen in der Region insgesamt rund 20.000 Polizisten gegenüber.

Bei der Demonstration in Garmisch-Partenkirchen am Samstag unter dem Motto "Stop G7" wurden nach Polizeiangaben Einsatzkräfte aus Reihen der Demonstranten attackiert. Die Beamten setzen Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Den vorläufig Festgenommenen wird unter anderem versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Ansonsten zog die Polizei nach den Protesten vom Samstag aber eine positive Bilanz - Ausschreitungen und größere Sicherheitsstörungen seien verhindert worden. Die Veranstalter der Demonstration sprachen hingegen von "brutalen Polizeiangriffen".

Während am Samstag laut Polizei etwa 3600 Menschen demonstrierten, nahmen an einer weiteren Demonstration am Sonntag etwa 650 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen jeweils von deutlich höheren Teilnehmerzahlen, sie zählten am Samstag 7500 Menschen und am Sonntag etwa 700 bis 1000 Demonstranten. Die spontan angemeldete Demonstration am Sonntag verlief friedlich.

Zugleich nahm die Polizei am Sonntag Demonstranten in Gewahrsam, die auf der Bundesstraße 2 in Garmisch-Partenkirchen und in der Nähe der Stadt mehrere Blockadeaktionen unternommen hatten. Die Polizei löste die Proteste auf der Zufahrtsstraße zum Schloss Elmau schnell auf beziehungsweise sorgte dafür, dass der Verkehr nicht behindert wurde. Blockierer wurden von der Straße getragen. Einem Polizeisprecher zufolge bewegte sich die Zahl der Ingewahrsamnahmen am Sonntagnachmittag im niedrigen zweistelligen Bereich.

In mindestens zwei Fällen vereitelten die Einsatzkräfte am Sonntag Verkehrsblockaden. So versuchten rund 60 Gipfelgegner vergeblich, eine Bahnstrecke bei Oberau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu besetzen - die Bundespolizei verhinderte eine Gleisblockade, wie die Münchner Bundespolizeidirektion mitteilte. Auch eine weitere Blockade der B 2 bei Garmisch-Partenkirchen scheiterte: Beamte umstellten 150 Bewohner des Protestcamps der Gipfelgegner an der Loisach, die sich nahe der B 2 versammelt hatten und offenbar eine Blockade geplant hatten.

Ebenfalls ohne Zwischenfälle verlief am Sonntag ein Sternmarsch mehrerer hundert G7-Gegner in Richtung des Gipfel-Hotels. Weil den Demonstranten die ursprünglich angemeldete Strecke nicht genehmigt worden war, musste der Sternmarsch vor dem behördlich festgelegten Sicherheitsbereich um Schloss Elmau und somit deutlich außerhalb der Hör- und Sichtweite des Tagungshotels enden.

G7-Gegner demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen

Bilder: G7-Gegner demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen

dpa/afp

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Französische Regierung will Benzinkrise lösen

Mit Blockaden von Raffinerien und Benzinlagern protestieren Demonstranten in Frankreich seit Tagen gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Die Regierung will die …
Französische Regierung will Benzinkrise lösen

Torten-Attacke auf Wagenknecht beim Linke-Parteitag

Eigentlich will sich die Linke auf ihrem Parteitag für die bevorstehenden Wahlen rüsten. Doch dann reden alle über Fraktionschefin Wagenknecht, die eine Torte ins …
Torten-Attacke auf Wagenknecht beim Linke-Parteitag

Athen und Moskau wollen Kooperation ausbauen

Die Staatschefs der G7 saßen noch in Japan zusammen, da reiste Putin nach Athen. Die griechische Finanzkrise wird Putin nicht lösen. Der Herr des Kremls hat …
Athen und Moskau wollen Kooperation ausbauen

Geißler über Seehofer: „Stichwortgeber für Rechtspopulisten“

München - Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer unverblümt für dessen Verhalten kritisiert. „Die CSU ist leider …
Geißler über Seehofer: „Stichwortgeber für Rechtspopulisten“

Kommentare