+
Keine Planungssicherheit: Auch beim Freistaat werden immer mehr Menschen befristet angestellt.

Mehr als jeder 3. Angestellte hat nur eine befristete Stelle

Grüne kritisieren Seehofers Zeitverträge

München - Der Freistaat Bayern setzt im öffentlichen Dienst immer mehr auf befristete Arbeitsverträge. "Skandalös" findet der Grünen-Abgeordnete Markus Ganserer diese Praxis.

Ende 2014 hatten 45 955 Arbeitnehmer im Zuständigkeitsbereich der staatlichen Ministerien ein befristetes Arbeitsverhältnis – und damit mehr als jeder dritte Angestellte. Tendenz steigend. Das geht aus der Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Markus Ganserer hervor. Rund zwei Drittel der vom Staat Beschäftigten sind Beamte, sie sind von Befristungen nicht betroffen. Doch beim verbleibenden Drittel, den Angestellten, sei ein Trend erkennbar, sagt Ganserer.

Besonders deutlich wird das beim Kultusministerium, in dessen Zuständigkeit fast 80 Prozent der befristeten Arbeitsstellen liegen – jeder zweite Angestellte dort ist befristet. Das Finanzministerium begründet diese hohe Zahl mit zeitlich befristeten Projekten, etwa an den Universitäten. „Das liegt auch an den vielen Doktorandenstellen, daran kann man wenig ändern“, sagt Ganserer. „In der Hochschulverwaltung müssen wir aber dringend entfristen.“ Auch im Landwirtschaftsministerium hat fast jeder dritte Angestellte einen Zeitvertrag. In Horst Seehofers Staatskanzlei sind etwa zehn Prozent der Stellen befristet. Die Entfristung läuft zögerlich: 2014 wurden nur rund zwölf Prozent der befristeten Verträge umgewandelt.

Ganserer führt die Entwicklung auf die Sparpläne aus der Ära Stoiber zurück. Dessen Kabinett hatte 2005 beschlossen, bis 2019 insgesamt 9000 Stellen abzubauen. „Die Arbeit wird aber nicht weniger“, sagt Ganserer. Es sei „skandalös“, dass an diesem Dogma immer noch festgehalten und statt auf Planstellen auf befristete Verträge gesetzt werde. Das bedeute massive Einschnitte in die Lebensplanung der Menschen. Im Schnitt sind mehr als 60 Prozent der befristet Beschäftigten unter 35 Jahren. Bayern müsse ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein, fordert Ganserer. „Derzeit ist der Freistaat keinen Deut besser als die freie Wirtschaft.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Parteienforscher: Niederlage Hofers kein Dämpfer für AfD

Berlin - Der Rechtspopulist Norbert Hofer ist bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich gescheitert. Was bedeutet das Ergebnis für die AfD in Deutschland?
Parteienforscher: Niederlage Hofers kein Dämpfer für AfD

Kommentar: Das fatale Schweigen der „Tagesschau“

In immer gewundeneren Worten versuchen die Verantwortlichen der „Tagesschau“ ihr Schweigen zum Mord an einer 19-jährigen Freiburgerin durch einen afghanischen Flüchtling …
Kommentar: Das fatale Schweigen der „Tagesschau“

Grenzkontrollen rund um die Uhr an diesen drei Autobahn-Übergängen

München - Autofahrer müssen sich vom 15. Dezember an auf Rund-um-die-Uhr-Kontrollen an drei Autobahn-Grenzübergängen zwischen Deutschland und Österreich einstellen. Das …
Grenzkontrollen rund um die Uhr an diesen drei Autobahn-Übergängen

FPÖ-Kandidat Hofer: Dieser Anstecker sorgt für Gesprächsstoff

Wien - FPÖ-Kandidat Norbert Hofer sorgt im Anschluss an die Bundespräsidentenwahl im österreichischen Fernsehen mit einem Anstecker für Gesprächsstoff. 
FPÖ-Kandidat Hofer: Dieser Anstecker sorgt für Gesprächsstoff

Kommentare