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US-Präsident Barack Obama.

Er kündigt "angemessene Reaktion" an

Hackerangriff auf Sony: Obama droht Nordkorea

Washington - US-Präsident Barack Obama hat Nordkorea wegen der Hackerattacke auf den Filmkonzern Sony mit Konsequenzen gedroht.

Der US-Präsident Barack Obama kündigte am Freitag eine "angemessene Reaktion" an und bezeichnete es zugleich als "Fehler", dass Sony die Nordkorea-Satire "The Interview" nach ominösen Terrordrohungen zurückgezogen hatte. Sony selbst verteidigte diese Entscheidung erneut und erklärte, den Film nun auf anderem Wege veröffentlichen zu wollen.

Im Zentrum des Ärgers steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP), die Ende November einen Cyberangriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht hatte. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Satire "The Interview", in der es um ein Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Mehrere Kinoketten entschieden daraufhin, den Film aus dem geplanten Programm zu nehmen - woraufhin Sony den Kinostart zurückzog.

Der massive Hackerangriff auf den Filmkonzern könnte das Unternehmen nach Einschätzung von Experten mehrere hundert Millionen Dollar kosten. Insgesamt sei mit einem finanziellen Schaden von bis zu 500 Millionen Dollar (409 Millionen Euro) zu rechnen, sagte Hemanshu Nigam von der Beraterfirma SSP Blue. Die Entscheidung, den Kinostart nach Terrordrohungen abzusagen, habe die Kosten immens in die Höhe getrieben.

Die Produktionskosten für den Film werden auf 75 Millionen Dollar geschätzt. Zudem müsse Sony auf die Einnahmen an der Kinokasse verzichten, sagte Nigam. Wegen der Kontroverse um den Film hätten sich diese nach Einschätzung des Experten auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen können. Hinzu kommen die Ausgaben für die Instandsetzung von Sonys Computernetzwerk sowie Gerichtskosten. Wegen der Verbreitung persönlicher Daten haben Mitarbeiter und frühere Angestellte bereits zwei Klagen eingereicht. Auch der Schaden für Sonys Ansehen ist nach Einschätzung von Branchenkennern beträchtlich.

Die US-Bundespolizei FBI machte am Freitag die Regierung in Pjöngjang direkt für den Cyberangriff und die Terrordrohungen verantwortlich. Mit der "Einschüchterung" bewege sich Nordkorea "außerhalb der Grenzen des akzeptablen Verhaltens von Staaten", hieß es.

Auch Obama sagte später vor Journalisten, Nordkorea sei verantwortlich. "Wir werden darauf reagieren." Sony habe zudem mit dem Filmstopp "einen Fehler gemacht". Es dürfe nicht sein, dass "irgendein Diktator an irgendeinem Ort" in den USA eine Zensur durchsetzen könne, sagte Obama. Er habe zwar Verständnis für die Bedenken von Sony, aber er hätte sich gewünscht, dass die Verantwortlichen des Filmkonzerns zuvor mit ihm gesprochen hätten.

Sony wies den Vorwurf, klein beigegeben zu haben, erneut entschieden zurück und erklärte, "keine andere Wahl" gehabt zu haben, als den Film abzusagen. Ohne die Kinos sei nun mal keine Veröffentlichung möglich. Sony-Chef Michael Lynton sagte dem Sender CNN, die Firma habe "nicht nachgegeben". Der Präsident, die Medien und die Öffentlichkeit lägen mit ihrer Einschätzung, was "wirklich passiert" sei, falsch. Er sagte außerdem, die Firma habe mit einem Berater im Weißen Haus durchaus Kontakt gehabt und über die Situation gesprochen.

Der Konzern erklärte außerdem, derzeit Möglichkeiten zu prüfen, wie der Film auf anderem Wege veröffentlicht werden könnte. "Es ist noch immer unsere Hoffnung, dass Jeder, der den Film sehen möchte, auch die Gelegenheit dazu bekommt", erklärte Sony. Diskutiert werde "eine Reihe von Möglichkeiten", sagte Lynton, unter anderem, ihn kostenlos im Portal YouTube zu zeigen.

Nordkorea selbst wies die Anschuldigungen aus den USA zurück. "Unser Land hat keine Beziehung zu dem Hacker", erklärte die UN-Vertretung des Landes. Zuvor hatte Pjöngjang die Attacke aber als "gerechte Tat" gutgeheißen. Sony habe mit dem Film die "Würde" der Staatsführung verletzt.

Rückendeckung erhielt Nordkorea von seinem Verbündeten China. Der Film "The Interview" sei das Ergebnis einer "sinnlosen kulturellen Arroganz", hieß es am Samstag in einem Leitartikel der staatsnahen Zeitung "Global Times". Der Film mache sich über Kim lustig und sei "nichts, worauf Hollywood und die US-Gesellschaft stolz sein können".

AFP

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