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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Leitzins konstant

EZB öffnet Geldschleusen: Ankaufprogramm startet

Nikosia/Frankfurt - Die EZB flutet die Märkte mit Geld. Der billionenschwere Kauf von Staatsanleihen, der am Montag startet, soll den Preisrückgang stoppen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird vom kommenden Montag an Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen. Das sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Nikosia. Wie im Januar angekündigt, sollen mindestens bis September 2016 monatlich Papiere im Umfang von 60 Milliarden Euro gekauft werden. Damit will die Notenbank den Preisauftrieb stärken und die Wirtschaft anschieben.

Griechische Bonds und Anleihen aus Zypern können die Währungshüter nach Angaben Draghis zunächst nicht erwerben, weil in beiden Ländern die Überprüfung des laufenden Anpassungsprogramms noch nicht abgeschlossen sei.

Zudem kann die EZB nur einen bestimmten Anteil der Anleihen aus einzelnen Ländern erwerben. Der Anteil von Bonds aus Griechenland sei durch das vergangene Kaufprogramm SMP bereits ausgeschöpft. Sobald Griechenland demnächst auslaufende Bonds aus dem SMP-Programm zurückgekauft habe und die Überprüfung des Programms abgeschlossen sei, könne die EZB Anleihen erwerben. Nach Draghis Angaben hat die EZB Griechenland bisher 100 Milliarden Euro geliehen.

Vor dem Hintergrund des Anleihekaufprogramms könnte die EZB den Inflationsausblick in den Folgejahren aber nach oben korrigieren. Denn Ziel der Geldflut ist es, den Preisauftrieb zu beschleunigen. Erstmals blickt die EZB bei ihren Prognosen bis ins Jahr 2017.

Dax springt über 11 500 Punkte

Der deutsche Aktienmarkt hat die ungebrochene Geldschwemme der Europäischen Zentralbank am Donnerstag mit neuen Höchstständen gefeiert. Der Dax ist erstmals in seiner Geschichte über 11 500 Punkte geklettert. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen lauerte nur knapp unter seinem am Montag erreichten historischen Hoch bei 20 278 Punkten.

Am Nachmittag stand der Dax noch 0,98 Prozent im Plus bei 11 502,29 Punkten, nachdem er zuvor bis auf 11 527 Punkte gestiegen war. Auslöser für den Sprung waren Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi nach einer Sitzung der Zentralbank.

EZB hält Leitzins konstant

Die Europäische Zentralbank (EZB) legt im Kampf gegen sinkende Preise vorerst nicht nochmals nach. Der EZB-Rat beschloss bei seiner auswärtigen Sitzung am Donnerstag in Zyperns Hauptstadt Nikosia, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

Auch andere zusätzliche Maßnahmen gegen den Preisrückgang im Euroraum halten Experten für unwahrscheinlich. Im Februar lag die jährliche Inflationsrate bei minus 0,3 Prozent nach minus 0,6 Prozent im Januar. Damit bleibt die Rate immer noch weit vom Zielwert der Notenbank „nahe, aber unter 2 Prozent“ entfernt.

Mit Spannung wird zudem erwartet, wie Draghi die EZB-Wirtschaftsprognosen anpassen wird. Für 2015 rechnen Ökonomen damit, dass die Notenbank ihre Wachstumsaussichten nach oben, ihre Inflationserwartung aber noch mal deutlich nach unten korrigieren wird. Denn in der jüngsten Prognose vom Dezember war der Sturzflug der Ölpreise noch nicht vollständig erfasst. Die Commerzbank rechnet damit, dass die bisherige Inflationserwartung von 0,7 Prozent auf minus 0,1 Prozent zurückgenommen wird. Die Wachstumsprognose dürfte wegen des billigen Öls und des schwachen Euro von 1,0 auf 1,3 Prozent angehoben werden.

Zudem dürfte der EZB-Rat in Nikosia den Umgang mit Forderungen der griechischen Regierung besprechen. Athen hatte angekündigt, mit der Zentralbank über die Rückzahlung demnächst auslaufender Anleihen verhandeln zu wollen.

Zudem geht es um die Frage, ob griechische Banken als Pfand für Zentralbankgeld wieder Anleihen ihres Landes hinterlegen dürfen. Draghi hatte kürzlich gesagt, dass dafür ein erfolgreicher Abschluss des laufenden Hilfsprogramms sichergestellt sein müsse. Daher rechnen Experten noch nicht mit diesem Schritt.

Nach dem politischen Kurswechsel in Athen hatte die Notenbank zum 11. Februar die Annahme der Staatspapiere auf Eis gelegt. Zur Begründung hieß es seinerzeit: „Die Entscheidung des EZB-Rats beruht auf der Tatsache, dass derzeit nicht von einem erfolgreichen Abschluss der Überprüfung des Anpassungsprogramms ausgegangen werden kann.“

dpa

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