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Altkanzler Helmut Schmidt ist am 10.11.2015 verstorben.

Deutschland trauert

Helmut Schmidt: "Staatsmann bis zur letzten Zigarette"

Deutschland trauert um Helmut Schmidt. In den ersten Reaktionen wird der Altkanzler als großer Staatsmann gewürdigt. Bundespräsident Gauck nennt ihn einen „Mann der Tat, des klaren Gedankens und des offenen Wortes“.

Über alle Parteigrenzen hinweg trauert die deutsche Politik um Altkanzler Helmut Schmidt. Der SPD-Politiker starb am Dienstag im Alter von 96 Jahren. Ein Überblick über die ersten Reaktionen:

Bundespräsident Joachim Gauck: „Wir trauern um einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit. In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundeskanzler, hat Helmut Schmidt Großes geleistet. Sein entschlossenes Handeln in schwierigsten Situationen, seine Fähigkeit, das Machbare zu erkennen und zu gestalten, aber auch seine Kompromissfähigkeit, sein Eintreten für die Verteidigungsbereitschaft der freien Staaten Europas in Zeiten der Bedrohung - das alles steht mir und vielen Menschen in unserem Land in diesen Stunden der Trauer vor Augen. (...) Helmut Schmidt wird uns allen als ein Mensch in Erinnerung bleiben, der in seltener Einheit ein Mann der Tat, des klaren Gedankens und des offenen Wortes war. Er hat sich um unser Land verdient gemacht.“

Helmut Schmidt: Sein Leben in Bildern

Helmut Schmidt: Sein Leben in Bildern

Die SPD-Bundestagsabgeordneten haben am Dienstag während der laufenden Fraktionssitzung vom Tod des früheren SPD-Bundeskanzlers erfahren und seiner spontan mit einer Schweigeminute gedacht. Der Hamburger hatte in der großen Koalition von 1967 bis 1969 selbst einmal die SPD-Bundestagsfraktion geführt.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte zu den Abgeordneten, es sei nun leider eingetreten, was alle befürchtet hätten. Oppermann erinnerte an die letzte SPD-Parteitagsrede Schmidts 2011 in Berlin, wo dieser mahnende Worte zum Zustand Europas gefunden hatte. Vieles davon sei unverändert gültig.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Helmut Schmidt als eine der „ganz großen politischen Persönlichkeiten unseres Landes“ gewürdigt. Als Kanzler von 1974 bis 1982 habe Schmidt nachhaltig Europa und Deutschland geprägt, schrieb Schröder in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung (Mittwoch). „Wie nur wenige in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat er es verstanden, durch beherztes staatliches Handeln existenzielle Krisen zu meistern und zugleich den Menschen Orientierung in Zeiten der Unsicherheit zu geben.“ Schmidt habe „das Bild Deutschlands als eines der Freiheit, der Demokratie und dem sozialen Ausgleich verpflichtenden Landes nach innen und außen verkörpert“ und es verstanden, „die Gesellschaft über die Partei- und Milieugrenzen hinweg zu integrieren“.

In den ARD-„Tagesthemen“ sagte Schröder am Dienstagabend laut vorab verbreiteter Mitteilung über den am Nachmittag Verstorbenen: „Wir haben ihm enorm viel zu verdanken. Er wird uns fehlen. Uns Sozialdemokraten, aber auch insgesamt dem ganzen deutschen Volk.“ Auch er selbst habe von Schmidts breitem politischen Wissen und von seinen Ratschlägen profitiert.

Merkel erinnert an die Sturmflut 1962

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) als „politische Institution der Bundesrepublik“ bezeichnet. Deutschland verdanke ihm viel, sagte sie am Dienstagabend in Berlin. Schmidts Standfestigkeit habe der Republik geholfen, die „schwere Prüfung“ des Terrors der 1970er Jahre zu bestehen. Merkel erinnerte an Schmidts Einsatz für den Nato-Doppelbeschluss und das europäische Währungssystem. „Ich stehe hier in tiefem Respekt vor den Leistungen Helmut Schmidts“, sagte die Kanzlerin und wünschte Schmidts Lebensgefährtin und seiner Tochter Trost in der Erinnerung an sein „langes und gut gelebtes Leben“. Merkel betonte: „Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeuteten.“

Den Deutschen sei er über seine Heimatstadt Hamburg hinaus mit der Sturmflut 1962 ein Begriff geworden. Als Innensenator habe er entschlossen und mit der Gabe zur Improvisation gehandelt. „Ich weiß noch ganz genau, wie ich damals als kleines Mädchen und natürlich auch meine Eltern in der DDR am Radio buchstäblich hingen, weil wir uns unglaubliche Sorgen um unsere Großmutter und unsere Tante in Hamburg machten, und wie wir gerade Helmut Schmidt vertrauten, dass er die Lage in den Griff bekommen wird.“

Die Deutschen hätten seine hanseatisch-schnörkellose Sprache und seine natürliche Autorität geschätzt. „Aus der Wertschätzung, aus dem Respekt ist mit den Jahrzehnten eine tiefe Zuneigung zu unserem Altkanzler geworden. Uns imponierten seine persönliche Bescheidenheit genauso wie sein Pflichtbewusstsein.“

Bilder: So trauert das Land um Helmut Schmidt

Bilder: So trauert das Land um Helmut Schmidt

SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Ein wirklich großer Patriot, ein großer Europäer und ein großer Sozialdemokrat ist gestorben.“ Die Sozialdemokratie trauere um einen Menschen, der weit über die SPD hinaus als jemand im Gedächtnis bleibe, der mit Zuversicht, Realismus und Tatkraft „unser Land gestaltet hat“. Schmidts Herzensthema sei der Zusammenhalt Europas gewesen: „Ich glaube, dass sein Vermächtnis Europa ist.“ Gabriel erinnerte an Schmidts letzte große Rede bei einem SPD-Bundesparteitag 2011. Schmidt habe damals gemahnt, dass es nichts Wichtigeres als die Freundschaft zu Frankreich gebe. Und: „Dass Deutschland seine Führungsrolle nicht überfordern darf, und dass wir eine Verantwortung haben, Europa zusammenzuhalten.“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier: „Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): „Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren. Helmut Schmidt hat uns und unser Land tief geprägt. Generationen - auch ich - haben seine Klugheit und Autorität gesucht und geschätzt - bis an sein Lebensende in einem gesegneten Alter. Helmut Schmidt war nicht nur Kanzler der Deutschen - er war Mentor der Deutschen. (..) Wir trauern um einen deutschen Demokraten, einen europäischen Wegbereiter und einen globalen Geist. Helmut Schmidt war ein großer Staatsmann, bis zur letzten Zigarette."

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): „Deutschland hat einen Großen verloren. Als Bürgermeister von Hamburg, als Finanzminister und als Bundeskanzler: Helmut Schmidt wusste, worauf es ankam. Er hat Politik kraftvoll gestaltet - gerade in Krisenzeiten.“

Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder: „Wir verneigen uns vor einem großen Staatsmann. Helmut Schmidt war der letzte Bundeskanzler, der den Zweiten Weltkrieg als Soldat mit erlebt hat. Diese Erfahrung war für ihn die Motivation, unserem Land zu dienen. Als Kanzler führte er Deutschland durch schwere Jahre, die von Wirtschaftskrisen, Terrorismus und Aufrüstung der Sowjetunion geprägt waren. Helmut Schmidt hat sich um Deutschland verdient gemacht.“

Der frühere FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher hat die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt (SPD) gewürdigt. "Wir wissen, Deutschland ist ärmer geworden, und wir empfinden, er wird uns fehlen", erklärte Genscher am Dienstag in Bonn. Für ihn persönlich sei der Tod Schmidts "der Abschied von einem Weggefährten in schwerer Zeit".

Genscher war in der Amtszeit Schmidts als Bundeskanzler Außenminister und Vizekanzler gewesen. Gemeinsam hatten beide das Land durch den "deutschen Herbst" mit Entführungen und Mordanschlägen der linksextremen RAF geführt. Genscher war es allerdings auch, der 1982 mit dem Ende der SPD/FDP-Koalition den Sturz Schmidts als Kanzler einleitete.

Seehofer zu Helmut Schmidts Tod: "Ich verneige mich"

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bedauert den Verlust: "Mit Helmut Schmidt verlieren wie einen herausragenden Nachkriegspolitiker und bedeutenden Staatsmann. Strategisches Geschick und politische Weitsicht - so hat Helmut Schmidt als Bundeskanzler die Bundesrepublik Deutschland sicher durch die schwierige Zeit des RAF- Terrorismus und des Kalten Krieges geführt. Souveränes Krisenmanagement und überzeugter Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft sowie die europäische Einigung werden auf immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Schmidt, einem Hanseaten, der Bayern in Sympathie verbunden war."

Der französische Präsident François Hollande hat den verstorbenen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) als "großen Europäer" gewürdigt. "Ein großer Europäer ist tot", erklärte der sozialistische Politiker am Dienstag. Hollande erklärte, Schmidt habe als Bundeskanzler Entscheidungen vorbereitet, die anschließend von seinem Nachfolger Helmut Kohl (CDU) und dem französischen Präsidenten François Mitterrand umgesetzt worden seien.

Der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing hat den Tod von Altkanzler Helmut Schmidt als einen persönlichen Verlust bezeichnet. „Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer“, schrieb der 89-Jährige am Dienstag in einer Stellungnahme für die Deutsche Presse-Agentur. „Er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt.“

Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Bundesrepublik sein Beileid zum Tod von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) ausgedrückt. In einem Telegramm an Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete er Schmidt als „herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik“. Das teilte der Kreml am Dienstagabend in Moskau mit. Schmidt habe einen erheblichen persönlichen Beitrag zur Entwicklung und Stärkung guter Beziehungen zwischen Deutschland und Russland geleistet.

Grünen-Vorsitzende: "Werden seinen Scharfsinn vermissen"

Auch die Grünen-Vorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir drückten ihre Trauer aus: „Auch wenn die Grünen gerade in der Gründungsphase in wichtigen Fragen oft auf der anderen Seite der Debatte standen, werden wir Helmut Schmidt, seinen Scharfsinn und seine Freude an der politischen Auseinandersetzung vermissen.“

Die Linken-Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch: „Nicht mit allen Entscheidungen waren wir einverstanden. Doch wir haben an Helmut Schmidt über Parteigrenzen hinweg geschätzt, dass er von ihm als richtig erkannte politische Projekte auch gegen innerparteiliche und gesellschaftliche Widerstände immer mit beeindruckendem persönlichen Einsatz und großer Beharrlichkeit vorangetrieben hat.“

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter: „Helmut Schmidt war ein kantiger, gradliniger und streitbarer Politiker und Denker. In vielen schwierigen Situationen hat er mutige Entscheidungen getroffen, wo andere längst aufgegeben hätten. Nicht mit allen seiner Entscheidungen waren wir einverstanden. Die Gründung der Grünen war auch eine Reaktion auf die Politik der SPD unter Helmut Schmidt, sei es die Nato-Nachrüstung, sei es die Atompolitik.“

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner: „Helmut Schmidt war die Verkörperung pragmatischer Staatskunst und klarer Verantwortungsethik. „Leitender Angestellter der Republik“ - diese nüchterne Tätigkeitsbeschreibung von Helmut Schmidt zeigt, was er verkörperte und was dem Land fehlt: Managementqualität, Gestaltungs- und Führungswille. Schmidt wurde durch Krisen groß, die er klein machte. Heute wird Politik oft klein, weil sie Krisen groß macht.“

Kirchen würdigen Schmidt

Die Kirchen haben das Wirken des gestorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt (SPD) für Staat und Gesellschaft gewürdigt. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete Schmidt am Dienstag als „großen Denker und einen kritischen Mahner“. „Über seine Zeit als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und sein politisches Wirken hinaus hatten sein Wort und seine Stimme großes Gewicht in unserer Gesellschaft und in unserem Land“, schrieb der bayerische Landesbischof in einem Kondolenzschreiben. Schmidt sei seiner Kirche treu und zugleich kritisch verbunden gewesen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte den Altkanzler als „einen Politiker mit Weitblick und Klugheit und einen überzeugten Europäer“. „In dieser Stunde des Abschieds verneigen wir uns vor einem Bundeskanzler, der dem Glauben und der Religion mit Sympathie und Respekt begegnete“, erklärte der Münchner Erzbischof. „Wir sind dankbar für einen großen Staatsmann und werden an den Verstorbenen und seine Familienangehörigen im Gebet denken.“

Ruhe in Frieden.

Posted by Extra 3 on Dienstag, 10. November 2015

dpa

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