Polizisten in Hongkong.
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In Hongkong haben Polizisten ein Protestlager geräumt.

Nach Räumung von Protestlager

Sitzstreik in Hongkong: Polizisten räumten Lager

Hongkong - Die Proteste in Hongkong flammen auf. Die Räumung eines Protest-Lagers durch die Polizei treibt Hunderte auf die Straßen. Eine Annäherung scheint vorerst gescheitert.

Die Räumung eines Hauptprotestlagers in Hongkong durch die Polizei heizt den Konflikt zwischen Regierung und Demonstranten an. Am Freitagabend (Ortszeit) besetzten Hunderte aufgebrachte Aktivisten Straßenzüge im belebten Geschäftsviertel Mong Kok, nachdem Polizisten dort Stunden zuvor Barrikaden geräumt hatten. Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen. Die Polizei soll Pfefferspray eingesetzt und mehrere Menschen festgenommen haben.

Polizisten hatten am frühen Freitagmorgen die Absperrungen in Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon entfernt und die Besetzung wichtiger Verkehrsstraßen beendet. Zu größeren Zwischenfällen kam es dabei nicht. Die Polizei ging nicht gegen die verbliebenen Protestlager in Admiralty und Causeway Bay auf der Insel Hongkong vor, in denen die meisten Demonstranten ausharren. Nur Stunden zuvor hatte Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying den Demonstranten Gespräche angeboten. Viele Aktivisten werteten den Polizeieinsatz als gezielte Provokation.

Ein Ende der bislang schwersten Krise seit mehr als zehn Jahren in Hongkong ist damit nicht in Sicht. Rund 200 Demonstranten organisierten zwischenzeitig einen Sitzstreik. Radikalere Demonstranten kündigten neue Besetzungen in der Innenstadt für die kommenden Tage an. Das Bündnis der Demonstranten appellierte jedoch, die Polizei nicht mit weiteren Aktionen zu provozieren.

Viele Demonstranten stellten den Vermittlungsversuch durch Regierungschef Leung infrage. Die Regierung wollte ursprünglich kommende Woche mit den Protestierenden über die Wahlen im Jahr 2017 diskutieren. Der Regierungschef hatte sich zwar dialogbereit gezeigt, allerdings keine Zugeständnisse bei der zentralen Forderung der Demonstranten gemacht, die Kandidaten für die Abstimmung frei zu bestimmen. Er argumentierte, nur die Zentralregierung in Peking habe die Macht, die Rahmenbedingungen für die Wahl festzulegen.

Die Protestvereinigung sah darin eine Ausrede des Regierungschefs. „Das ist ein irreführendes Argument“, hieß es in einer Mitteilung von Occupy-Mitgliedern. Die Regierung müsse sich auf ernst gemeinte Gespräche auf Augenhöhe einlassen, forderten die Demonstranten.

An den Protestorten in Admiralty und Causeway Bay auf der Insel Hongkong campierten weiter Hunderte Anhänger der prodemokratischen Bewegung. Die Räumung in Mong Kok war der dritte morgendliche Polizeieinsatz, um Absperrungen zu beseitigen und Straßen wieder für den Verkehr freizugeben. Den seit zwei Wochen besetzten Protestort dort hatten Demonstranten bislang energisch verteidigt.

Die Demonstranten fordern mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Peking will in der ehemaligen britischen Kronkolonie zwar 2017 erstmals direkte Wahlen zulassen, verweigert aber eine freie Nominierung der Kandidaten.

dpa

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