Erwin Huber
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Erwin Huber kritisierte CSU-Chef Seehofer scharf.

Wahlkampf-Fehler

"Politische Todsünden": Huber attackiert Seehofer

 Berlin - Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber hat dem jetzigen Parteichef Horst Seehofer schwere Fehler im Europawahlkampf vorgeworfen. Der reagierte umgehend.

„Die Leute wussten nicht: Ist die CSU für Europa oder dagegen?“, sagte Huber dem Magazin „Der Spiegel“. „Einige haben das Spiel der AfD betrieben, die EU und den Euro bekämpft oder herabgesetzt, dazu noch Putin umarmt und Soldaten der Bundeswehr in Geiselhaft beleidigt. Das sind nicht nur Fehler, sondern politische Todsünden.“

Das Wahlergebnis spiegele auch die Irritationen mit der CSU-Europapolitik der vergangenen Jahre wider, zeigte sich der frühere Parteichef überzeugt. So habe die CSU am Ende im Bundestag den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Euro-Rettung mitgetragen. "Das war im Ergebnis richtig, aber die Krawallrhetorik bis vor der Wahl passte nicht dazu", kritisierte Huber.

Die CSU war bei der Europawahl von 48 auf 40 Prozent abgerutscht, das schlechteste Ergebnis bei einer überregionalen Wahl seit 1954.

"CSU muss Weichen stellen für Zeit nach Seehofer"

Huber fordert nach der schweren Schlappe seiner Partei bei der Europawahl gefordert, die Nachfolge von Parteichef Horst Seehofer rasch zu klären. "Die CSU muss die Weichen stellen für die Zeit nach Seehofer". Spätestens zur Bundestagswahl 2017 müsse die neue Mannschaft stehen.

Der Parteichef habe die Übergangsphase zu gestalten, "aber nicht allein nach seiner persönlichen Lebensplanung", sagte Huber. Die Zeit der einsamen Ansagen sei vorbei. Der frühere CSU-Chef plädierte zudem dafür, sich bei der Suche nach einem Nachfolger nicht "auf die von Seehofer installierten Kronprinzen" zu beschränken. "Die Nachfolgefrage geht uns alle in der Partei an", sagte Huber.

Huber, der von September 2007 bis Oktober 2008 an der Spitze der Partei stand, plädierte dafür, künftig die Ämter von Ministerpräsident und Parteichef wieder zu trennen. „Wir haben jetzt fast sechs Jahre die Macht in einer Hand konzentriert, da ist es überlegenswert, die Spitzenämter wieder auf zwei Leute zu verteilen.“ Dies begrenze die Macht des Einzelnen und ermögliche, die Bandbreite einer Volkspartei besser abzubilden.

Seehofer: "Huber wollte mich nie"

Seehofer nannte die Kritik Hubers „erwartungsgemäß“. Er fügte in der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) hinzu: „Der Erwin Huber wollte mich nie. Er will mich nicht.“ Er bleibe dabei, „auf absehbare Zeit zur Nachfolge-Diskussion nichts mehr zur sagen“, sagte Seehofer. Harsch reagierte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: „Das Interview kommt auf den großen Stapel der Ratschläge und politischen Klugheiten von Erwin Huber.“

Seehofer lehnte in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Trennung vom Amt des Regierungschefs und Parteivorsitz strikt ab. Auch wolle er sich durch die Kritik Hubers an seinem Führungsstil nicht aus der Ruhe bringen lassen. Im Hinblick auf die Nachfolgefrage werde er sich nicht unter Druck setzen lassen und daher an seinem Fahrplan auch nichts ändern. Seehofer hatte zuletzt bekräftigt, bis 2018 als Ministerpräsident im Amt zu bleiben. „Flucht ist kein anständiger Umgang“, hatte er am Montag auf Fragen nach seinen persönlichen Konsequenzen geantwortet.

dpa/afp

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