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Huldigung für Erdogan – in Köln: Anhänger schwenken türkische Fahnen bei seiner Rede im Mai 2014 in einer Arena in Nordrhein-Westfalen.

Merkur-Interview

"Die Deutsch-Türken sind nicht illoyal"

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von den in Deutschland lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln Loyalität gegenüber dem deutschen Staat gefordert. Wir sprachen darüber mit dem Europa-Chefredakteur der Zeitung Hürriyet, Celal Özcan.

Herr Özcan, wie groß ist die Illoyalität denn?

Ich kann keine Illoyalität erkennen. Die Türken in Deutschland stehen loyal zu diesem Land. Sie befolgen die Regeln und Gesetze, sie fühlen sich mit Deutschland verbunden und sind stolz auf dieses Land. Hier ist ihr Zuhause. Es gibt zahlreiche EU-Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft, bei denen die Loyalität auch nicht infrage gestellt wird.

Es geht nicht um die doppelte Staatsbürgerschaft, sondern grundsätzlich um Loyalität.

Danach nur bei Türken zu fragen, ist gefährlich, denn es verletzt Gefühle und lässt den Eindruck entstehen, man werde als Türkischstämmiger oder Türke mit deutschem Pass grundsätzlich als verdächtig angesehen.

Ist die türkische Kommune, wie Beobachter vermuten, Erdogans verlängerter Arm in Deutschland?

Nein, davon kann keine Rede sein. Man nehme etwa die jüngsten Proteste vor türkischen Vertretungen auch in Deutschland. Sie waren nicht für oder gegen Erdogan, sondern gegen den Putschversuch in der Türkei gerichtet. Es ist doch völlig normal, dass Türkischstämmige, auch wenn sie einen deutschen Pass haben, eine emotionale Bindung zu ihrem Herkunftsland haben.

Erdogans Düsseldorfer Rede von 2011, in der er gegen „Assimilationsdruck“ wetterte, ist unvergessen und war ein Schlag gegen die deutschen Integrationsbemühungen. Will er Integration verhindern?

Nein, natürlich nicht. Ich glaube, er hat Assimilation so verstanden, dass man seine Identität aufgibt. Integration bedeutet, sich in die Gesellschaft einzufügen, in der man lebt. Niemand in der Türkei kann gegen Integration sein. Das Land hat selbst drei Millionen Menschen aus Syrien aufgenommen. Man weiß um die Bedeutung der Integration.

Die türkische Regierung hat 2011 ein Amt für Auslandstürken eingerichtet. Warum, wenn man die Türken nicht als Instrument einer proaktiven Außenpolitik betrachtet?

Vor der Gründung dieses Amtes wurden türkische Abgeordnete verschiedener Parteien bei Besuchen in Deutschland immer wieder auf Probleme angesprochen, die man hierzulande nicht zum Ausdruck bringen konnte oder nicht ernstgenommen wurden. Um Abhilfe zu schaffen, hat man eine Stelle eingerichtet, bei der Auslandstürken einen Ansprechpartner finden. Dieses Amt ist, soviel ich weiß, aber eher passiv.

Für Ex-Außenminister Davutoglu basiert die türkische Diaspora-Politik auf einer Doktrin „strategischer Tiefe“. Was planen Erdogan und seine AKP?

Davutoglu hat ein Buch mit diesem Titel geschrieben, der in den politischen Sprachgebrauch einging und zu seiner Zeit die Außenpolitik bestimmte. Inzwischen ist Davutoglu aber sowohl als Außenminister als auch als Ministerpräsident nicht mehr im Amt. Realpolitisch hat die Türkei inzwischen ganz andere Probleme. Jetzt gibt es deutliche Zeichen für einen Kurswechsel in der Außenpolitik.

In welche Richtung?

Premier Yildirim hat gesagt, wir haben unsere Beziehungen zu Russland und Israel normalisiert. Wir werden auch die zu Syrien normalisieren.

Gilt dies auch für die Beziehungen zu Berlin?

Ich gehe davon aus. Ich glaube nicht, dass Ankara die Beziehungen zu Berlin dauerhaft belasten will. Das kann sich weder die Türkei noch Deutschland leisten. Allein deshalb, weil in Deutschland drei Millionen Türken und Türkischstämmige leben.

Die Verfolgung der Anhänger des Predigers Gülen auch in Deutschland lässt auf ein eigenwilliges Rechtsempfinden Erdogans schließen, denn bisher ist der Vorwurf der Putsch-Beteiligung Gülens nicht bewiesen.

In der Türkei gilt es als sicher, dass Gülen hinter dem Putschversuch stand. Der Generalstabschef hat ausgesagt, dass die Putschisten angeboten haben, ihn sofort mit Gülen zu verbinden. Es kommen immer wieder neue Details ans Licht. Man muss abwarten.

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