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Donald Trump feiert bei den US-Vorwahlen der Republikaner einen Sieg nach dem anderen. Nun wächst bei vielen die Angst, der umstrittene Multimilliardär könnte tatsächlich der mächtigste Mann der Welt werden.

Angst vor einem Radikalen im Weißen Haus

Brief an Trump ist meistgeteilter Facebook-Post aller Zeiten

New York - Mehr als eine Million Mal geteilt, mehr als zwei Millionen Likes: Ein offener Brief der Facebook-Seite „Humans of New York“ an den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump mutiert zur Internet-Sensation.

Der Fotoblog „Humans of New York“ („Menschen von New York“) erfreut sich mit fast 17 Millionen Fans auf Facebook enormer Beliebtheit. Eigentlich porträtiert Brandon Stanton, der Journalist hinter dem Projekt, die Ostküstenmetropole und ihre Einwohner und mischt sich wenig in die politische Diskussion um den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf ein.

Die Angst vor einem Präsidenten Trump geht um

Die Art, wie der umstrittene Republikaner und Multimilliardär Donald Trump seinen Wahlkampf führt, hat Stanton allerdings offensichtlich zutiefst beunruhigt. Er schrieb sich in einem offenen Facebook-Brief die Wut von der Seele - über Trumps Selbstverliebtheit, sein Spiel mit rassistischen Stereotypen und die wiederkehrende Verharmlosung von Gewalt.

Der eindringliche Text, der nur knapp 300 Wörter umfasst, stieß auf eine enorme Resonanz: Er sammelte binnen 48 Stunden mehr als zwei Millionen Likes, darunter auch von seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton, und wurde über eine Million Mal geteilt: ein bisher einzigartiger Wert für einen reinen Text-Beitrag in dem sozialen Netzwerk.

Bei vielen stößt Trumps Siegeszug auf Unverständnis und Entsetzen

Die Popularität von Donald Trump in den USA ruft global eine Mischung aus Faszination und Entsetzen hervor: „In jeder anderen Gegend der Welt fragen wir uns, wie er überhaupt so viele Stimmen bekommen kann“, kommentiert ein Inder unter Stantons offenen Brief Trumps Siegeszug bei den US-Vorwahlen und erhält dafür fast 200.000 „Gefällt mir“-Angaben.

Die Befürchtung, die in dem Brief durchscheint: Hat Trump, der sich als Kämpfer gegen das politische „Establishment“ in Washington geriert, die Nominierung der Republikaner erst einmal in der Tasche, könnte er „Kreide fressen“, also seine heftige Rhetorik, für die er immer mehr Gegenwind erntet, zurückschrauben, und damit zu einem ernstzunehmenden Bewerber um das Weiße Haus in Washington werden, hinter der Fassade aber bei seinen radikalen Ansichten bleiben.

Der offene Brief an Donald Trump in deutscher Übersetzung und im Original

„Mister Trump,

Ich gebe mein Bestes, unpolitisch zu bleiben. Interviews mit mehreren Ihrer Mitkandidaten habe ich abgelehnt. Ich wollte keine persönlichen Sympathien aufs Spiel setzen, indem ich den Anschein erwecke, in einem hitzigen Wahlkampf Partei zu ergreifen. „Vielleicht ist es kein gutes Timing“, dachte ich. Doch nun merke ich, dass es keinen perfekten Moment gibt, sich gegen Gewalt und Vorurteile zu stellen. Es gilt, dies zu jeder Zeit zu tun. Denn gemeinsam mit Millionen Amerikanern bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass der Widerstand gegen Sie keine politische Frage mehr ist, sondern eine der Moral.

Ich habe beobachtet, wie Sie rassistische Bilder auf Twitter weitergeteilt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie dort rassistische Lügen weitergeteilt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie 48 Stunden gebraucht haben, bis Sie sich von der Äußerung distanziert haben, die weiße Rasse sei den anderen überlegen. Ich habe beobachtet, wie Sie fröhlich zu Gewalttaten aufgerufen haben, und versprochen haben, die Prozesskosten derer zu übernehmen, die in Ihrem Namen Gewalttaten verüben. Ich habe beobachtet, wie Sie sich für Folter und für die Ermordung der Familien von Terroristen eingesetzt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie launige Geschichten davon erzählt haben, wie Muslime mit Kugeln erschossen werden, die in Schweineblut getaucht sind. Ich habe beobachtet, wie Sie Flüchtlinge mit „Schlangen“ verglichen haben und behauptet haben, der „Islam hasst uns“.

Ich bin Journalist, Mister Trump. Und während der vergangenen beiden Jahre habe ich ausgiebige Interviews mit Hunderten Muslimen geführt, die ich zufällig im Iran, Irak und in Pakistan auf der Straße ansprach. Ich habe außerdem Hunderte syrische und irakische Flüchtlinge in sieben verschiedenen Ländern interviewt. Und ich kann bestätigen: Sie sind der Hasserfüllte.

Diejenigen unter uns, die aufgepasst haben, werden Ihnen keinen Image-Wechsel durchgehen lassen. Sie sind kein „Vereiniger“. Sie sind nicht „präsidial“. Sie sind kein „Opfer“ der Wut, die Sie über Monate hinweg gut gelaunt angestachelt haben. Sie sind ein Mann, der Vorurteile und Gewalt geschürt hat, weil es ihm um die eigenen Machtambitionen geht. Und auch wenn sich Ihre Wortwahl zweifellos über die nächsten Monate verändern wird, werden Sie immer der bleiben, der Sie sind.

Höflichst

Brandon Stanton“

An Open Letter to Donald Trump:Mr. Trump,I try my hardest not to be political. I’ve refused to interview several of...

Posted by Humans of New York on Monday, March 14, 2016

Super Tuesday: Clinton und Trump klare Sieger

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