Kleiner Waffenschein und Schreckschusspistole "Walther P22": Von Ende November bis Ende Januar nahm die Zahl dieser Waffenscheine um mehr als 21 000 zu. Foto: Oliver Killig/Illustration
+
Von Ende November bis Ende Januar nahm die Zahl dieser Waffenscheine um mehr als 21.000 zu.

Experten besorgt

Immer mehr Bürger besorgen sich kleinen Waffenschein

Berlin - Immer mehr Bürger wollen sich mit Schreckschusswaffen und Pfefferspray schützen. Doch bringt das auch mehr Sicherheit - etwa bei Großveranstaltungen wie dem Karneval?

Immer mehr Menschen in Deutschland rüsten mit einem kleinen Waffenschein für Schreckschusspistolen oder Pfefferspray auf. Von Ende November bis Ende Januar nahm die Zahl dieser Waffenscheine um mehr als 21 000 zu. Das zeigt eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic. Insgesamt waren im Nationalen Waffenregister Ende Januar fast 301 000 kleine Waffenscheine gespeichert.

Mihalic, selbst ausgebildete Polizistin, kritisierte die Entwicklung. "Man stelle sich vor, dass bei Großveranstaltungen wie Karneval Menschen in bestimmten Situationen vorschnell zur Waffe greifen und so vielleicht Chaos und Gewalt erst provozieren", sagte sie der dpa.

Man braucht diese Waffenscheine für das Tragen von Reiz-, Signal- oder Schreckschusswaffen. Bereits nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hatten die Behörden in mehreren Bundesländern wachsendes Interesse am kleinen Waffenschein gemeldet. Für den reinen Erwerb dieser Waffen gibt es derzeit keine Auflagen.

Der sprunghafte Anstieg zeige die wachsende Verunsicherung der Bevölkerung, sagte Mihalic. "Wenn jedoch immer mehr Menschen Waffen tragen, wird das eher zur Eskalation als zur Beruhigung der Lage beitragen", so die Fraktionsexpertin für innere Sicherheit.

Mihalic forderte, "Lücken im Waffenrecht" zu schließen. "Ein Baustein wäre, dass auch Kauf und Besitz von Schreckschusswaffen, Pfefferspray und Co. zukünftig erlaubnispflichtig werden."

"Angesichts der konstanten Bedrohungslage durch Anschläge gibt es vieles, was wir sicherheitspolitisch brauchen", sagte Mihalic. "Aber mehr Waffen brauchen wir in dieser Situation bestimmt nicht." Die Politik müsse vielmehr für eine personell gut bestückte und angemessen ausgestattete Polizei sorgen.

Waffengesetz

Deutschland rüstet auf - Pfefferspray & Co.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefälschter Abschluss? Melania Trump schaltet Webseite ab

Seit längerem versucht das Wahlkampfteam Trumps, dessen Ehefrau Melania nicht nur als Anhängsel ihres Mannes darzustellen. Mit ihrer Rede beim Parteitag blamierte sie …
Gefälschter Abschluss? Melania Trump schaltet Webseite ab

CSU-Kritik an Merkel-Auftritt: "Wir schaffen das" ist zu wenig

Gmund - Das Motto der Kanzlerin sei in diesen Zeiten nicht das richtige, moniert der bayerische Finanzminister Markus Söder -und erwähnt einen "historischen Fehler".
CSU-Kritik an Merkel-Auftritt: "Wir schaffen das" ist zu wenig

Türkische Oppositionsparteien warnen vor "Hexenjagd"

Ankara - Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei sinnt Präsident Erdogan offenbar auf Rache und ist bereit, die Todesstrafe wieder einzuführen. Auch Deutschland soll …
Türkische Oppositionsparteien warnen vor "Hexenjagd"

"Focus": Zahl der Dschihad-Verfahren stark gestiegen

Karlsruhe - Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Islamisten und Rückkehrer aus den Kampfgebieten in Syrien und im Irak ist stark gestiegen.
"Focus": Zahl der Dschihad-Verfahren stark gestiegen

Kommentare