Teilnehmer einer "Pegida"-Demonstration laufen durch Dresden. Foto: Arno Burgi/Archiv
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Teilnehmer einer "Pegida"-Demonstration laufen durch Dresden. Foto: Arno Burgi/Archiv

Kirchen und Bürger rufen zum Protest gegen "Pegida"

Dresden/München (dpa) - Kirchen, Gewerkschaften und Bürgergruppen haben zu Kundgebungen gegen die islamfeindliche "Pegida"-Bewegung aufgerufen.

Kurz vor dem Weihnachtsfest wollen sie am Montag in München, Kassel, Dresden und anderen Städten für Toleranz und Respekt gegenüber Flüchtlingen demonstrieren. Auch Anhänger des Bündnisses "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) wollen auf die Straße gehen. In Dresden haben sie zu einem "gemeinsamen Weihnachtsliedersingen" vor der Semperoper aufgerufen.

In den vergangenen Wochen hatten sich in Sachsens Landeshauptstadt jeweils Tausende Bürger an den "Pegida"-Kundgebungen beteiligt, zuletzt rund 15 000 Menschen. Sie demonstrieren für eine strengere Asylpolitik und gegen eine vermeintliche Islamisierung der Gesellschaft. In anderen Städten gab es ähnliche Aufrufe, denen aber deutlich weniger Bürger folgten.

Der Sozialpsychologe Andreas Zick sieht darin Zeichen für ein Auseinanderdriften der alten und neuen Bundesländer. "Die eigene Abstiegsangst macht einem Probleme, also redet man lieber über die Überfremdungsangst durch Andere", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dieser psychologische Mechanismus sei im Osten stärker verbreitet als im Westen, "weil die Leute tatsächlich etwas verloren haben, nach der Wende".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich erinnerte die Bürger daran, dass ihnen seit 25 Jahren die Welt offen stehe. "Und genauso ist und muss uns die Welt auch in Sachsen willkommen sein, ohne Mauer in den Köpfen und mit Neugier, wie wir Bereicherung erfahren können", mahnte der CDU-Politiker in der "Leipziger Volkszeitung".

Nach Einschätzung seines Innenministers Markus Ulbig (CDU) sind die "Pegida"-Organisatoren nicht an Gesprächen über ihre Forderungen interessiert. Womöglich solle sogar ein Mythos aufgebaut werden, wonach die Politik das Gespräch verweigere, sagte er der dpa.

Der Zentralrat der Muslime rief dazu auf, sich intensiver mit den "Pegida"-Anhängern auseinanderzusetzen. "Die Ängste, die sie umtreiben, ist die Schere zwischen arm und reich, die größer wird", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek am Samstag im rbb-Inforadio. Die Muslime in Deutschland verurteilten selbst seit Jahren die radikalen Auswüchse des Islams. "Wir brauchen keine "Pegida", um gegen diese Formen zu protestieren. Die Muslime selber demonstrieren dagegen."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte der "Welt", "Pegida" instrumentalisiere die Angst vor islamistischem Terror, um eine ganze Religion zu verunglimpfen. "Das ist absolut inakzeptabel."

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover warnte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", man dürfe die Demonstranten nicht grundsätzlich unter den Vorwurf des Rechtsradikalismus stellen. Vielmehr müssten ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden.

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte der dpa, er wolle zwar keinesfalls Tausende Demonstranten als Nazis bezeichnen. "Aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts, und das kann man hören und sehen."

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