Kanzlerin fordert Toleranz von Zuwanderern

Integration: Merkel bemüht die Schweinebraten-Metapher

München - Wir essen weiter unseren Schweinebraten: Mit einer plakativen Ansage schaltet sich die Kanzlerin in die Integrations-Debatte ein. Sie verlangt Toleranz – beiderseits. Die CSU bringt erfreut ihren „Leitkultur“-Begriff gleich wieder an.

Das Foto der Kanzlerin mit dem gewetzten Messer versetzt türkische Medien in Verzückung. In ganzen Bildstrecken im Internet zeigen sie, wie Angela Merkel einen Dönerstand besucht und für den Fotografen ein paar Stücke vom Drehspieß schneidet. Sie lächelt! Sie probiert! Entstanden ist das Bild vor fünf Tagen bei einem Sommerfest von Abgeordneten ihrer CDU. Politisch aufregend ist es allerdings nicht.

Die Kanzlerin beim Döner, dieses Motiv gibt es seit Jahren von zahlreichen Sommerfesten in der Hauptstadt. Und, vor allem: Die politische Botschaft Merkels diese Woche hat zwar mit Fleisch zu tun, dreht sich aber in eine andere Richtung. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft ermahnt die Regierungschefin die Zuwanderer, Sitten und Gebräuche in unserem Land stärker zu akzeptieren. Sie macht das am Beispiel des Schweinebratens fest.

„Man muss darauf achten, dass die Vielfalt unserer Angebote, wie wir sie gewöhnt sind, weiterhin erhalten bleibt“, sagt Merkel in ihrer Botschaft. Die Gesellschaft könne respektieren, wenn jemand bestimmte Bräuche oder bestimmte Regeln habe. „Auf der anderen Seite darf das natürlich nicht zu einer Einschränkung führen für die, die andere Regeln haben.“ Ausdrücklich bezieht Merkel das auf Vorschläge, aus Rücksicht auf Muslime in Schulkantinen keine Speisen mit Schweinefleisch mehr anzubieten. „Die Toleranz gehört schon dazu, dass wir uns in unseren Essgewohnheiten jetzt nicht verändern müssen.“ Aber es sei angebracht, darauf hinzuweisen, wo Schweinefleisch enthalten ist.

Muslime essen kein Schweinefleisch; die Deutschen haben indes im Schnitt einen Jahresverbrauch von 38 Kilo pro Kopf. Dass sich die Bundeskanzlerin ins vermeintliche Klein-Klein der Kantinenfragen begibt und den schon monatealten Fleisch-Streit aufwärmt, ist ungewöhnlich. Eher geht es Merkel wohl ums Signal an die Bürger, dass sie von Zuwanderern nun stärker Toleranz einfordern will. Im gleichen Auftritt lobt sie deshalb das jüngst auf Bundesebene beschlossene Integrationsgesetz. Das Thema Integration sei als Angebot an Migranten zu verstehen, aber auch als Erwartung, „dass sie die deutsche Sprache lernen und dass sie sich an unsere Gesetze halten“. Sie müssten „respektieren, dass wir ein Grundgesetz haben, dass wir Gesetze haben, dass man nicht Gewalt ausüben kann, dass wir Religionsfreiheit haben, Meinungsfreiheit haben – und dass das auch die Stärke Deutschlands ausmacht“.

Aus der CSU, die mit Merkels Flüchtlingskurs haderte wie keine andere im Bundestag vertretene Partei, kommt dafür nun Anerkennung. „Ich halte das für richtig. Wir nennen das Leitkultur“, sagt der Landtags-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer. „Die Zuwanderung, die wir im Moment haben, darf nicht dazu führen, dass sich in kürzester Zeit unser Land verändert. Diejenigen, die herkommen, müssen sich mit den Gegebenheiten abfinden.“ Kreuzer fordert, man müsse „klarstellen, nach welchen Regeln das zu laufen hat“.

Er dreht das berühmte Wir-schaffen-das-Zitat der Kanzlerin mal wieder ins Gegenteil: „Wir werden das nicht schaffen, wenn wir Integration nicht vernünftig angehen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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