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Isis-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in einem von der Terrormiliz veröffentlichten Video.

Krise in Irak und Syrien

Isis-Chef al-Bagdadi tritt vor die Kamera

Bagdad - Abu Bakr al-Bagdadi, Chef der sunnitischen Extremistengruppe Isis, hat sich erstmals öffentlich gezeigt. Die Gräueltaten seiner Terrormiliz gehen unterdessen weiter.

Der Chef der Terrorgruppe Isis, Abu Bakr al-Bagdadi, hat sich offenbar das erste Mal seit langer Zeit in der Öffentlichkeit gezeigt. Isis verbreitete am Samstag im Internet ein Video, das ihn angeblich bei der Freitagspredigt in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul zeigt und von den Muslimen "Gehorsam" einfordert. Bislang hatte sich Abu Bakr al-Bagdadi vor der Öffentlichkeit verborgen. Von ihm gibt es nur sehr wenige Fotos, weshalb er auch der „unsichtbare Scheich“ genannt wurde. Irakische Medien hatten am Freitag berichtet, der Isis-Chef sei wahrscheinlich bei einem Luftangriff verletzt worden. Auf dem Video sind jedoch keine Verletzungen zu erkennen.

Irakische Armee schlägt Isis an Raffinerie zurück

Die irakische Armee hat einen Angriff der sunnitischen Terrorgruppe Isis auf die strategisch wichtige Ölraffinerie in dem Ort Baidschi abgewehrt. Bei stundenlangen Schusswechseln seien zwölf Isis-Kämpfer ums Leben gekommen, hieß es am Samstag aus irakischen Sicherheitskreisen. Zu Opfern aufseiten des Militärs gab es keine Angaben.

Isis-Milizen attackieren den Ort Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad seit Mitte Juni immer wieder. Dort liegen eine der wichtigsten Ölraffinerien des Landes und ein Kraftwerk, das Bagdad versorgt. Die Terrorgruppe beherrscht im Irak und im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien bereits mehrere wichtige Ölfelder.

Iranischer Pilot bei Einsatz im Irak getötet

Ein iranischer Pilot ist laut Medienberichten im Irak bei der Verteidigung heiliger schiitischer Stätten getötet worden. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Samstag unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, soll der Oberst in Samarra nördlich von Bagdad umgekommen sein. Vom Abschuss oder Absturz eines Flugzeugs war nicht die Rede.

Es wäre das erste Mal, dass der Iran offiziell den Tod eines Soldaten im Irak bestätigt, wo Teheran die Regierung gegen die Terrormiliz Isis unterstützt. Die schiitische Islamische Republik Iran hatte angekündigt, schiitische Stätten im Nachbarland zu verteidigen; die Sunnitenmiliz Isis bekannte sich am Samstag zur Zerstörung schiitischer Moscheen im Irak.

Isis exekutiert zehn kurdische Stammesführer

Isis-Extremisten hätten in dem Ort Zur Maghar zehn Stammesführer und ältere Autoritäten exekutiert, meldete die kurdische Nachrichtenagentur Bas News am Samstag unter Berufung auf Augenzeugen. Drei der Opfer seien an einer Kreuzung an Pfählen hängen gelassen worden, um die Bevölkerung einzuschüchtern.

Die irakische Armee wehrte unterdessen einen Isis-Angriff auf die Ölraffinerie in dem Ort Baidschi ab. Dabei seien zwölf Isis-Kämpfer getötet worden, hieß es aus irakischen Sicherheitskreisen. Isis- Milizen attackieren den Ort Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad seit Mitte Juni immer wieder. Dort liegen eine der wichtigsten Ölraffinerien des Landes und ein Kraftwerk, das Bagdad versorgt.

Die Terrorgruppe beherrscht im Irak und im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien bereits mehrere wichtige Ölfelder. Am Donnerstag hatte sie im Osten Syriens eines der größten Ölfelder des Landes in Al-Omar kampflos eingenommen. Die Extremisten begannen zudem damit, Erdöl von einem großen Feld im Norden des Iraks über die kurdischen Autonomiegebiete im Land zu verkaufen.

Isis-Terroristen zerstören Schreine und Moscheen in Mossul

Nach der Eroberung der nordirakischen Stadt Mossul haben sunnitische Dschihadisten zahlreiche Heiligtümer und Moscheen in der Stadt und der umliegenden Region zerstört. Auf Fotos, die die Organisation Islamischer Staat (IS) am Samstag ins Internet stellte, war zu sehen, wie Planierraupen mindestens vier sunnitische oder sufistische Schreine plattwalzen. Mehrere schiitische Moscheen wurden gesprengt. Anwohner bestätigten die Zerstörung. Nach ihren Angaben wurden zwei Kirchen von den Extremisten besetzt.

"Wir sind sehr traurig über die Zerstörung dieser Schreine, die wir von unseren Vätern und Großvätern geerbt haben", sagte Ahmed, ein 51-jähriger Bewohner von Mossul. Ein Mitarbeiter der chaldäischen Kirche von Mossul sagte, seine Kirche sowie die syrisch-orthodoxe Kirche seien von IS-Kämpfern besetzt worden, nachdem sie die Kirchen leer vorgefunden hätten. Die Islamisten hätten die Kreuze entfernt und durch ihre schwarze Flagge ersetzt.

Die Fotoserie der Extremisten hatte den Titel: "Zerstörung von Schreinen und Idolen im Staat Ninive." Die Dschihadisten hatten vor einem Monat Mossul und anschließend fast die ganze Provinz Ninive sowie Teile von vier weiteren Provinzen nördlich und westlich von Bagdad erobert. Für das von ihnen eroberte Gebiet riefen sie ein "Kalifat" aus.

Krankenschwestern aus dem Irak zurück in Indien

46 indische Krankenschwestern sind nach ihrer Freilassung aus einem von der Islamisten-Miliz Isis beherrschten Gebiet im Irak nach Indien zurückgekehrt. Eine Sondermaschine brachte die Frauen und rund 100 weitere Landsleute von Erbil im Nordirak nach Kochi im Süden Indiens. Indische Medien berichteten unter Berufung auf offizielle Stellen, Lösegeld sei nicht geflossen.

Die Krankenschwestern wurden bei der Ankunft am Samstag euphorisch von ihren Familien empfangen. „Wir sind glücklich und erleichtert. Wir dachten, wir würden es nie wieder zurückschaffen“, sagte Neenu Jose. Die Militanten seien aber respektvoll mit ihnen umgegangen und hätten ihnen nichts getan.

Die indische Regierung nannte keine Details zu der Freilassung, die am Freitagabend bekanntgegeben worden war. Laut „Times of India“ sollen indische Diplomaten und Geschäftsmänner dabei mitgewirkt haben.

Die Krankenschwestern hatten sich in einem Krankenhaus in Tikrit verschanzt, als die Gegend von Isis-Kämpfern eingenommen wurde. Am Donnerstag wurden sie nach Angaben des indischen Außenministeriums in Busse geladen und nach Mossul gebracht. Kurz nachdem sie das Hospital verlassen hatten, sei es bombardiert worden, sagte die Krankenschwester Marina Jose dem Sender „NDTV“.

39 indische Bauarbeiter, die vor zwei Wochen in der Nähe von Mossul entführtworden waren, sind weiter in der Hand der Extremisten. Etwa 10 000 Inder leben und arbeiten im Irak.

dpa

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