Bundesregierung entsetzt

Igitt! Karikaturenwettbewerb zum Holocaust geplant

Teheran - Im Westen veröffentlichte Karikaturen des Propheten Mohammed empfinden viele Muslime als Provokation. Nun will ein Institut im Iran es dem Westen heimzahlen.

Ein Kulturinstitut im Iran plant als Reaktion auf Mohammed-Karikaturen im Westen einen Karikaturenwettbewerb über den Holocaust. Das Kulturinstitut Sarcheshmeh in Teheran teilte mit, dies sei eine Erwiderung auf Mohammed-Zeichnungen in dem französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“.

Die Bundesregierung äußerte sich entsetzt über die Ankündigung. Der Wettbewerb zum Thema Holocaust werde „mit allergrößtem Unverständnis“ zur Kenntnis genommen. „Wir sind zutiefst betroffen von den Versuchen, den Mord an sechs Millionen Juden zum Gegenstand von Spott und Lächerlichkeit zu machen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch.

Das Institut in Teheran beklagte zugleich angebliche Beschränkungen der Erforschung des Holocaustes. Dessen Ausmaß werde übertrieben. „Wenn für den Westen Meinungsfreiheit keine Grenzen hat, dann sollten doch auch Wissenschaftler das Recht haben, über den Holocaust zu recherchieren“, erklärte das Institut. Dass das Ausmaß der Verbrechen während des Holocausts übertrieben werde, ist eine in der islamischen Welt weit verbreitete Meinung.

Preisgeld von 20.000 Euro

In Zusammenarbeit mit dem Haus der Karikatur in Teheran sollen die Karikaturen bis Ende April eingereicht werden. Der Gewinner soll ein Preisgeld von umgerechnet etwa 20 000 Euro erhalten. Die „besten“ Werke sollten dann als Katalog veröffentlicht und in einem Museum in Teheran ausgestellt werden. Unklar war, ob es sich bei der Aktion um eine rein private Initiative handelt, oder ob der Staat beteiligt ist.

Der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte die historische Dimension des Holocausts in Frage gestellt. Mit dem gleichen Ziel veranstaltete er 2006 auch eine Konferenz zum Holocaust in Teheran. Der jetzige iranische Präsident Hassan Ruhani distanzierte sich gleich nach seiner Amtsübernahme 2013 von Ahmadinedschads Äußerungen.

dpa

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