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FDP- Fraktionschef Gregor Bayer und Spitzenkandidat Andreas Büttner stellten am Donnerstag die Auflösung der FDP-Kampagne vor.

Shitstorm nach Selbstironie

FDP-Kampagne geht saumäßig nach hinten los

Potsdam - Das ging wohl eher nach hinten los für die Liberalen. Eine Kampagne der FDP Brandenburg sorgt nun für einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Diese Kampagne ging für die FDP eher daneben. In den vergangenen Wochen machten die Liberalen in Brandenburg ironisch für sich selber Werbung: "Keine Sau braucht die FDP" war auf Plakaten zu lesen. Am Donnerstag stellte die Landespartei um Spitzenkandidat Andreas Büttner dann die Auflösung vor.

Die brandenburgische FDP löste den Hintergrund ihrer Kampagne am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf: Die Plakate werden demnach im Rahmen der Kampagne ergänzt durch Transparente, die klarmachen sollen, welche Gruppen die Liberalen doch brauchen könnten: So heißt es unter anderem "Jeder Arbeitslose braucht die FDP, damit neue Jobs kommen" oder "Jeder Bürger braucht die FDP, damit jemand auf die Steuern aufpasst."

FDP-Spitzenkandidat erklärt die Kampagne 

Spitzenkandidat Andreas Büttner sagte am Donnerstag in Potsdam, nachfolgende Werbeplakate sollten die Aussage ins Gegenteil drehen. Man habe die Stimmung in der Bevölkerung aufgegriffen, um wieder wahrgenommen zu werden, begründete Büttner die ungewöhnliche Kampagne. Ziel sei der Einzug in den Landtag. Dazu müssten die Liberalen klarstellen, weshalb sie weiterhin notwendig seien. Die märkischen Liberalen wollen in ihrem Wahlkampf vor allem Landesthemen wie Mittelstand, Bildung und Verkehrspolitik ansprechen, aber auch um die Zielgruppe der Lesben und Schwulen werben.

In den sozialen Netzwerken rief die Kampagne gemischte Reaktionen hervor. Auf der Facebook-Seite der Partei sammelten sich die kritischen Kommentare. "Wird nix nutzen. Das mit "keine Sau bracht die FDP" war schon ganz gut. Seht's ein und löst euch auf. Zahlt eure Schulden und kauft euch von dem, was übrig bleibt, einen Kasten bier und feiert Abschied. Weil es stimmt: KEINE SAU BRAUCHT DIE FDP!", kommentierte ein User. Ein anderer schrieb: "Die brauchen wir genauso wenig wie die Hälfte in unserem Bundestag."

Verzweiflungstat vor Landtagswahl

Auch die Vorsitzende der Piratenpartei in Brandenburg, Anke Domscheit-Berg, äußerte sich: "Oh, es kommt doch eine Frau vor in der Kampagne - als Lesbe! (Tiere zählen nicht) Aber na klar, alle anderen Frauen sind ja "mitgemeint". Die liebe Wählerinnen werden hoffentliche alle ihr Kreuzchen woanders machen und bei diesem demokratischen Akt die FDP halt irgendwie indirekt mitmeinen."

Im September 2009 war der FDP bei der Landtagswahl mit 7,2 Prozent überraschend der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelungen. Die Partei hatte damals bei den Zweitstimmen um 3,9 Prozentpunkte zugelegt und war erstmals seit 1994 wieder im Landtag vertreten.

In Brandenburg und Thüringen wird im September jeweils ein neuer Landtag gewählt, in beiden Bundesländern muss die FDP um ihren Wiedereinzug ins Parlament fürchten. Spitzenkandidat Büttner kämpfe mit deutlichen Bekanntheitsproblemen, heißt es im jüngsten im Juni erhobenen Ländertrend Brandenburg des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap.

FDP-Chef Lindner zeigt Verständnis

FDP-Chef Christian Lindner hat Verständnis für seine Parteikollegen in Brandenburg, die mit der ironischen Kampagne um Stimmen bei der anstehenden Landtagswahl werben. Zwar habe er bei dem Slogan "Keine Sau braucht die FDP" auch "erst einmal den Atem angehalten", sagte Lindner am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Doch er habe verstanden, dass die Kollegen mit der "ironischen, pointierten und provokanten Zuspitzung" nach Möglichkeiten suchten, in die Öffentlichkeit zu kommen, um für ihre Argumente zu werben.

Lindner verwies darauf, dass die FDP seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag im vergangenen September Schwierigkeiten habe, mit Inhalten in die Medienberichterstattung zu kommen. "Das Kernproblem einer Partei in der außerparlamentarischen Opposition ist es, Aufmerksamkeit zu gewinnen", sagte er im ZDF. Die Parteispitze mische sich zudem nicht ein in die Wahlkampfgestaltung der Landesverbände. Diese entschieden selber über "die Art und Weise, wie sie den Wahlkampf führen".

Auch die thüringische FDP setzt mit dem Spruch "Wir sind dann mal weg!" auf Ironie.

AFP/bix

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