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Ein irakischer Soldat am Sonntag in Ramadi. Die Stadt gilt als zurückerobert.

Dschihadisten in der Defensive

Irakische Truppen vertreiben IS aus Ramadi

Ramadi - Fernab des „Kalifats“ erregte die Terrormiliz IS in den vergangenen Monaten mit blutigen Anschlägen Aufmerksamkeit. Doch in ihrem Kernland sind die Dschihadisten immer mehr in der Defensive. Die irakische Stadt Ramadi ist wohl gefallen.

Die irakische Armee hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt Ramadi vertrieben und damit ihren bislang größten Sieg gegen die Extremisten eingefahren. Nach tagelangen erbitterten Gefechten räumten die IS-Kämpfer am Sonntag nach Angaben eines Militärsprechers den Amtssitz der Provinzregierung, ihren letzten Rückzugsort in Ramadi. Der irakische Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi beglückwünschte die Soldaten zur "Befreiung der Stadt Ramadi vom Terrorismus".

"Alle IS-Kämpfer sind weg. Es gibt keinen Widerstand mehr", sagte der Sprecher der Anti-Terror-Einheit CTS, Sabah al-Numan, der Nachrichtenagentur AFP. Es müssten aber noch Sprengfallen entschärft werden, bevor die Soldaten den Gebäudekomplex betreten können.

Der Amtssitz der Provinzregierung war die letzte IS-Bastion in Ramadi. Als sich die Nachricht vom Rückzug der IS-Kämpfer verbreitete, brach in mehreren irakischen Städten Jubel aus, darunter in der Hauptstadt Bagdad und in der Schiitenhochburg Kerbela.

Der IS hatte die 100 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar im Mai erobert. Die größte irakische Provinz Anbar grenzt an Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien. Anfang Dezember erkämpfte die Armee, die von Kampfflugzeugen der US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt wird, mehrere große Stadtteile von Ramadi zurück. Am Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor, seitdem geriet der Vormarsch aber vor allem aufgrund von Sprengfallen und Heckenschützen des IS ins Stocken. Im Laufe der Woche flog die internationale Koalition nach eigenen Angaben 31 Luftangriffe auf Ramadi, um die irakischen Soldaten zu unterstützen.

Bei den Gefechten wurden alleine seit Freitag dutzende Dschihadisten und fünf irakische Soldaten getötet, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Zudem wurden zahlreiche Kämpfer verletzt. Aus Krankenhausquellen verlautete, allein am Sonntag seien 93 verletzte irakische Soldaten eingeliefert worden.

Nach der Vertreibung der IS-Kämpfer gratulierte Parlamentspräsident al-Dschuburi am Sonntag "den Helden der Sicherheitskräfte zu einem großen Sieg". Ramadi sei vom "Terrorismus" befreit, erklärte er.

Die US-geführte Militärkoalition reagierte ebenfalls erfreut. "Es ist das Ergebnis von vielen Monaten harter Arbeit der irakischen Armee, der Anti-Terror-Einheit, der irakischen Luftwaffe, von örtlichen und nationalen Polizeikräften und Stammeskämpfern, die von mehr als 600 Luftangriffen sei Juli unterstützt wurden", sagte der Sprecher der Militärkoalition, Steve Warren.

Vor einer Woche war die Zahl der IS-Kämpfer zur Verteidigung Ramadis auf rund 400 geschätzt worden. Die Zahl dürfte aber aufgrund von Rückzügen von Kämpfern, Tötungen und Selbstmordanschlägen zuletzt deutlich niedriger gewesen sein. Augenzeugen zufolge nutzten die IS-Kämpfer Zivilisten als menschliche Schutzschilde, um aus der Kampfzone zu entkommen.

Im Nordirak und in Syrien meldeten kurdische Kämpfer erfolgreiche Angriffe auf die Dschihadisten. Nahe der irakischen IS-Hochburg Hawidscha wurden in der Nacht zum Samstag mehrere ranghohe IS-Mitglieder getötet oder gefangen genommen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Im Norden Syriens verlor die IS-Miliz die Kontrolle über einen strategisch wichtigen Staudamm am Fluss Euphrat.

IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi rief in einer ihm zugeschriebenen Audiobotschaft unterdessen zu einem Aufstand in Saudi-Arabien auf und kündigte Angriffe in Israel an. Sollte sich die im Internet veröffentlichte 24-minütige Aufnahme als authentisch erweisen, wäre sie die erste seit sieben Monaten.

Der IS hatte im Sommer 2014 große Teile Syriens und des Nordiraks erobert. Nach Angaben eines US-Instituts verlor die Miliz seit Jahresbeginn 14 Prozent seines Gebietes.

AFP

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