Salafisten
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Salafisten beten am 05.05.2012 in Bonn, unter ihnen der frühere Berliner Rapper Denis Cuspert (2.v.l).

Jung, männlich und kriminell

Analyse: Wer sind die deutschen IS-Kämpfer?

Berlin - Wer sind eigentlich diese radikalen Islamisten aus Deutschland, die sich dschihadistischen Gruppen in Syrien anschließen? Um das herauszufinden, hat der Verfassungsschutz 400 Lebensläufe analysiert. 

Die meisten radikalen Islamisten aus Deutschland, die sich dschihadistischen Gruppen in Syrien angeschlossen haben, verfügen nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz nur über einen geringen Bildungsgrad. Einer bislang unveröffentlichten Analyse zufolge, die der „Berliner Morgenpost“ (Donnerstag) vorliegt, hat nur jeder vierte der Betreffenden einen Schulabschluss. Eine Ausbildung brachten sechs Prozent zu Ende, ein Studium zwei Prozent. Für die Analyse wertete das Bundesamt laut Zeitung Daten der Länderpolizeien und Verfassungsschutzbehörden über 378 Islamisten aus, die Deutschland seit Mitte 2012 Richtung Syrien verließen.

Demnach waren 89 Prozent Männer. Die Jüngsten waren bei der Ausreise 15, der Älteste 64 Jahre alt. Jeder Dritte der Islamisten stammt aus der Gruppe der 21- bis 25-Jährigen. 20 Prozent waren arbeitslos gemeldet. Einer Beschäftigung gingen nur zwölf Prozent nach, die meisten mit einem Job im Niedriglohnsektor.

Radikalisierung begann fast ausnahmslos in der Salafisten-Szene

In Deutschland wurden rund 60 Prozent geboren, als Geburtsländer folgen Syrien (8 Prozent) und die Türkei (6 Prozent). Einen deutschen Pass haben 233 der erfassten Ausgereisten, 92 dieser Gruppe besitzen mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit, etwa die marokkanische, türkische oder syrische. 240 Islamisten wurden laut Analyse als Muslime geboren. Von 54 Personen ist bekannt, dass sie - meist deutschstämmige - Konvertiten sind.

Wie die Studie des Verfassungsschutzes weiter zeigt, begann ihre Radikalisierung fast ausnahmslos in der Salafisten-Szene. 117 der Ausgereisten begingen bereits Straftaten, bevor sie sich radikalisierten. Meist handelte es sich um Gewalt-, aber auch Eigentums- oder Drogendelikte.

40 Islamisten aus Deutschland kamen den Angaben zufolge in Syrien ums Leben. Etwa ein Drittel der Ausgereisten kehrte inzwischen zumindest zeitweise nach Deutschland zurück.

CDU-Vize bekräftigt Forderung nach Ausbürgerung von Dschihadisten

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU, Thomas Strobl, hat die Forderung nach einer Ausbürgerung von deutschen Dschihadisten mit zwei Pässen bekräftigt. "Wenn der extremistische - und womöglich gewaltbereite - Islamist Deutscher ist und eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt, sollten wir ihn ausbürgern, wenn er in den Dschihad zieht", schrieb Strobl in einem Gastbeitrag für die "Rhein-Zeitung Koblenz" (Donnerstagsausgabe). Bereits nach heutigem Recht sei es möglich, "dass ein Deutscher mit Doppelpass unsere Staatsangehörigkeit verliert, wenn er in die Armee eines fremden Staates eintritt".

Diese Norm "sollten wir auf Bürgerkriegsparteien wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erweitern", fügte Strobl hinzu. Ziel müsse sein, neben einem Passentzug "über eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts" nachzudenken.

Der grüne Innenpolitiker Volker Beck warnte indes vor einer Ausbürgerung von deutschen Dschihadisten. "Deutschen kann die Einreise nach Deutschland nicht verweigert werden", schrieb Beck ebenfalls in einem Gastbeitrag für die "Rhein-Zeitung". Der Ruf nach Entzug der Staatsbürgerschaft und Einreisesperren löse die Probleme nicht. "Es darf erst gar nicht dazu kommen, dass Menschen aus Deutschland in den Terrorkrieg des Islamischen Staates ziehen. Sie müssen schon an der Ausreise gehindert werden", fügte Beck hinzu.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) will laut der "Rhein-Zeitung" prüfen, wie die Ausreise radikaler Islamisten in Krisengebiete erschwert werden könne. Derzeit prüfe eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz denkbare Schritte. Alle Vorschläge müssten aber "praktisch sinnvoll sein und mit der Verfassung in Einklang stehen", sagte Lewentz der Zeitung.

dpa/AFP

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