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Ein Kurde beobachtet aufsteigenden Rauch aus der syrischen Grenzstadt Kobane.

Türkei will keinen Alleingang

IS beherrscht ein Drittel von Kobane

Kobane - Kurden und Dschihadisten liefern sich schwere Kämpfe in der Grenzstadt Kobane. Die IS soll ein Drittel der Gebiete beherrschen. Die Türkei will nicht alleine eingreifen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bringt immer mehr Viertel der kurdisch-syrischen Grenzstadt Kobane unter ihre Kontrolle. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag erklärte, haben die Dschihadisten etwa ein Drittel der Ortschaft erobert.

Türkei schickt nicht im Alleingang Bodentruppen

Sollten die Dschihadisten die ganze Stadt beherrschen, hätten sie einen langen, durchgängigen Grenzstreifen zum Nato-Land Türkei unter Kontrolle. Die Türkei ist dennoch nicht dazu bereit, im Alleingang mit Bodentruppen gegen die Extremisten im Nachbarland vorzugehen.

Das sei kein realistischer Ansatz, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse sich erst auf eine gemeinsame umfassende Strategie einigen. Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene radikale Sunnitenmiliz beherrscht bereits seit Juni weite Landstriche in Syrien und im Irak.

Stoltenberg sagte, die Türkei sei ein wichtiger Nato-Partner. Der IS sei nicht nur eine Bedrohung für Syrien und den Irak, sondern für die Region und für Nato-Staaten. „Die Nato steht bereit, alle Alliierten dabei zu unterstützen, ihre Sicherheit zu verteidigen.“ Er verwies dabei auf die Patriot-Raketen auch der Bundeswehr in der Türkei zum Schutz gegen Luftangriffe aus Syrien.

Türkeis Außenminister: "Sind nie zurückhaltend gewesen"

Cavusoglu wies Vorwürfe zurück, die Türkei engagiere sich nicht ausreichend im Kampf gegen den IS. „Wir sind nie zurückhaltend gewesen“, sagte er. Er erneuerte die türkische Forderung nach einer Schutz- und einer Flugverbotszone in Syrien. Außerdem müsse der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Teil der Strategie gegen den IS sein, betonte Cavusoglu.

Die Zahl der Toten in der Türkei bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes stieg nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA auf mindestens 22. Viele der Opfer kamen bei Zusammenstößen von Islamisten mit Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im kurdisch geprägten Südosten des Landes ums Leben.

Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben die IS-Dschihadisten auch das Hauptquartier der kurdischen Polizei im Nordosten Kobanes mit übernommen. Das Gebäude sei am Vortag mit einem mit Sprengsätzen bestückten Lastwagen angegriffen worden, hieß es. US-Kampfflugzeuge und Verbündete flogen am frühen Donnerstagmorgen Luftangriffe in der Nähe des Polizeigebäudes.

Idris Nassan, Vizeaußenminister der Regionalregierung von Kobane, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass kurdische Kämpfer mehr als elf IS-Angriffe auf Ostkobane abgewehrt hätten. „Unsere Kämpfer haben es geschafft, den Vormarsch tief in die östlichen Bezirke Kobanes hinein zu bremsen“, sagte er. IS-Kämpfer waren am Montag erstmals in die strategisch und für Kurden symbolisch wichtige Stadt einmarschiert.

USA zerstören gepanzerte Wagen und Unterkünfte der IS

Nach Angaben des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) wurden bei acht Angriffen der USA und der jordanischen Luftwaffe nahe Kobane unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, ein Nachschubdepot sowie ein Kommandozentrum und Unterkünfte des IS zerstört. Insgesamt seien am Mittwoch in Syrien neun Luftangriffe gegen die IS geflogen worden. Die USA hätten zudem drei Luftschläge im Irak ausgeführt.

Die Angriffe hätten in und um Kobane durchaus gewirkt, sagte Pentagonsprecher John Kirby. Möglicherweise habe sich ein Drittel der Kämpfer zurückgezogen - auch wegen des Drucks der Luftangriffe. Dennoch reichten Luftangriffe allein nicht aus, sagte Kirby. Dem Bündnis fehle noch ein „gewillter, fähiger, effizienter Partner“.

Die EU-Staaten wollen Dschihadisten künftig an der Ein- und Ausreise hindern. Gewaltbereite Europäer, die sich dem IS in Syrien anschließen wollen, sollen an den EU-Grenzen gestoppt werden. Über konkrete Maßnahmen berieten die EU-Innenminister in Luxemburg.

Marion Trimborn, dpa

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