+
44 tote Menschen gehen offenbar auf das Konto eines Tschetschenen.

"Ihr Platz ist in der Hölle"

IS-Tschetschene wohl Drahtzieher des Istanbul-Terrors

Istanbul/Washington/Moskau - Steckt ein tschetschenischer IS-Kämpfer hinter dem Terrorangriff in Istanbul? Entsprechende Informationen kommen aus den USA. Für den türkischen Präsidenten Erdogan ist klar, wo der rechte Platz der Terroristen ist.

Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul soll nach Informationen eines US-Kongressabgeordneten von einem tschetschenischen IS-Terroristen geplant worden sein. Es gebe Erkenntnisse, dass Achmed Tschatajew der Drahtzieher der Bluttat sei, sagte Michael McCaul, Vorsitzender des Heimatschutz-Ausschusses im Repräsentantenhaus, dem Sender CNN. McCaul berief sich auf Informationen aus türkischen Geheimdienstkreisen.

Eine Bestätigung der amerikanischen Sicherheitsbehörden oder der türkischen Regierung für einen tschetschenischen Drahtzieher gab es zunächst nicht.

Erdogan verurteilt Anschlag

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Freitag, „mit großer Wahrscheinlichkeit“ habe die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag verübt. „Sie sagen, dass sie so etwas im Namen des Islam tun. Die haben nichts mit dem Islam und dergleichen zu tun. Ihr Platz ist in der Hölle.“

Bei dem Anschlag waren insgesamt 47 Menschen getötet worden, darunter die drei Attentäter. Bei ihnen handelte es sich nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen vom Donnerstag um einen Usbeken, einen Kirgisen und einen russischen Staatsbürger. Einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur DHA vom Donnerstag zufolge stammte der Russe aus Dagestan. Am Freitag meldete DHA, zwei der Angreifer hätten russische Pässe bei sich getragen.

Der 35-jährige Tschatajew gilt nach russischen Presseberichten als ein wichtiger Anwerber für extremistische Islamisten in Westeuropa. Anfang der 2000er Jahre kämpfte der Tschetschene gegen russische Truppen und verlor dabei angeblich eine Hand. 2003 soll er als Opfer des Tschetschenien-Krieges politisches Asyl in Österreich bekommen haben. 2008 wurden er und andere Tschetschenen mit Waffen im Auto in Trelleborg in Schweden festgenommen.

Tschatajew wohl hochrangiges Mitglied des im März getöteten IS-„Kriegsministers“ gewesen

2010 gab es eine weitere Festnahme in Uschgorod in der Ukraine. Ein Gericht verbot angeblich seine Auslieferung nach Russland. Tschatajew wurde nach Georgien abgeschoben, wo er sich im Pankisi-Tal an der Grenze zu Tschetschenien ansiedelte. Ein weiteres Mal nahm die Polizei Tschatajew 2011 an der bulgarisch-türkischen Grenze fest, wie das Nachrichtenportal Meduza.io berichtete. Ab 2015 soll Tschatajew für den Islamischen Staat (IS) in Syrien gekämpft haben.

McCaul sagte, Tschatajew sei ein hochrangiges Mitglied des im März getöteten IS-„Kriegsministers“ gewesen. Es sei unklar, wo er sich aufhalte. Die „Bild“-Zeitung berichtete, Tschatajew habe im Jahr 2003 in Wien erfolgreich Asyl in Österreich beantragt. Er sei von den russischen Behörden zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Zahlreiche Extremisten aus dem Kaukasus und Zentralasien haben sich dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen.

Viereinhalb Monate nach einem Anschlag einer kurdischen Terrorgruppe in der türkischen Hauptstadt Ankara wurde nach Angaben aus Regierungskreisen einer der Drahtzieher getötet. Der Mann sei bei einer Anti-Terror-Operation im südosttürkischen Lice getötet worden, hieß es. Bei dem Anschlag auf Busse mit Armeeangehörigen waren im Februar in Ankara 30 Menschen ums Leben gekommen, darunter der Selbstmordattentäter. Zu dem Anschlag bekannt sich die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fidel Castros Urne wird beigesetzt

Santiago de Cuba (dpa) - Zum Abschluss der neuntägigen Staatstrauer in Kuba wird heute die Urne mit der Asche des im Alter von 90 Jahren gestorbenen früheren Staatschefs …
Fidel Castros Urne wird beigesetzt

Zehntausende empfangen Castros Urne in Santiago de Cuba

Nach einer Reise von rund 1000 Kilometern quer über die ganze Karibikinsel kommen die sterblichen Überreste des kubanischen Revolutionsführers an ihrem Bestimmungsort …
Zehntausende empfangen Castros Urne in Santiago de Cuba

Prominente rufen zu Demonstration gegen Krieg in Aleppo auf

Berlin (dpa) - Eine Gruppe Prominenter ruft zu einer Demonstration in Berlin gegen den Krieg in Syrien und das russische Bombardement Aleppos auf. Man wolle "wenigstens …
Prominente rufen zu Demonstration gegen Krieg in Aleppo auf

Berliner Grüne sagen Ja zum Koalitionsvertrag

In wenigen Tagen soll Rot-Rot-Grün loslegen in Berlin. Zuvor befindet die Basis über das Regierungsprogramm. Die Grünen machen den Anfang - und deutlich: "Wir wollen …
Berliner Grüne sagen Ja zum Koalitionsvertrag

Kommentare