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In dem Video ist zu sehen, wie Dutzende in Schwarz gekleidete Männer ihre Geiseln in orangen Overalls an einen Strand schleppen.

Ermordung von 21 Christen

Nach Gräuelvideo: Ägypten bombardiert IS-Stellungen

Tripolis/Kairo - Als Reaktion auf die mutmaßliche Enthauptung koptischer Christen hat Ägypten am Montag Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen bombardiert.

Die ägyptische Luftwaffe hat am Montag nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen angegriffen. Kampfflugzeuge hätten gezielte Luftangriffe auf Quartiere, Treffpunkte und Waffendepots des IS geflogen, teilte die ägyptische Armee in einer Erklärung mit. Dies sei als Reaktion auf die Ermordung von Ägyptern geschehen, hieß es in einer Mitteilung der Armee im ägyptischen Staatsfernsehen.

Der IS hatte am Sonntag ein Video veröffentlicht, auf dem nach Angaben der Organisation die Enthauptung von 21 ägyptischen Kopten an einem Strand in der libyschen Provinz Tripolis gezeigt wird. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte nach Veröffentlichung des Videos das Sicherheitskabinett einberufen und eine "angemessene Bestrafung der Mörder" angekündigt.

Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten am Sonntag ein Video veröffentlicht, das die Tötung von 21 aus Ägypten stammenden christlichen Kopten in Libyen zeigen soll. Der fünfminütige Film mit dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ wurde am Sonntagabend im Internet verbreitet. Erstmals richtet sich der IS damit direkt an Christen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi kündigte in einer Fernsehansprache eine „angemessene Reaktion“ an. Zugleich ordnete er eine siebentägige Staatstrauer an.

In dem Video ist zu sehen, wie Dutzende in Schwarz gekleidete Männer ihre Geiseln in orangen Overalls an einen Strand schleppen, der zur Mittelmeerküste gehören soll. Jeder Dschihadist führt eine Geisel, jeder hält ein Messer. Ein Sprecher der Gruppe sagt, sie stünden „heute im Süden Roms, in Libyen“. An den Westen gerichtet sagt er: „Wir werden das Meer mit eurem Blut tränken.“ Im Anschluss ist zu sehen, wie die Dschihadisten die Köpfe ihrer Geiseln abschneiden. Die auf Islamisten spezialisierte Beobachtergruppe Site hält das Video für echt.

Opfer waren auf dem Heimweg nach Ägypten

Die koptische Kirche in Ägypten forderte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, sagte der „Bild“-Zeitung (Montag), die Christen seien als Gastarbeiter in Libyen gewesen und „gerade auf dem Heimweg nach Ägypten, als ihr Bus von den Terroristen aufgehalten wurde“. Diese verlangten die Ausweise der Gastarbeiter und zwangen die Kopten zum Aussteigen. „Zuerst dachten wir an eine Entführung, doch eine Lösegeld-Forderung wurde nie gestellt“, so Bischof Damian weiter.

Die Mitglieder der Gruppe sollen zwischen Ende Dezember und Anfang Januar in Libyen verschwunden sein. Der IS hatte vergangene Woche erklärt, die Christen in seiner Gewalt zu haben.

Das Enthauptungsvideo ist die erste als Video veröffentlichte Gräueltat des libyschen Ablegers der ursprünglich in Syrien und im Irak kämpfenden IS-Miliz. Ebenfalls am Sonntag veröffentlichten die libyschen Kämpfer Bilder, die die Einnahme eines strategisch wichtigen Küstenabschnittes nahe Sirte zeigen sollen. Im vergangenen Oktober hatten Dschihadisten aus dem zwischen mehreren Milizen umkämpften Land dem IS die Treue geschworen. Auch in Algerien und Ägypten hat der IS mittlerweile Ableger. Die ägyptischen Anhänger verbreiteten ebenfalls bereits Enthauptungsvideos aus dem Nordsinai.

USA verurteilen „feigen Mord“

Die US-Regierung hat die Ermordung der 21 ägyptischen Christen als „feige“ und „verabscheuungswürdig“ verurteilt. „Die Barbarei des IS kennt keine Grenzen“, hieß es in einer am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung. Das Verbrechen unterstreiche erneut die dringende Notwendigkeit einer politischen Lösung im Konflikt in Libyen, „von dessen Fortsetzung nur Terroristengruppen wie der IS profitieren“, erklärte das Weiße Haus.

Auch die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates nannten die Tat abscheulich. Sie unterstreiche die Brutalität des IS, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.

In Ägypten leben etwa 88 Millionen Menschen, rund zehn Prozent davon sind Christen. Die koptische Kirche ist die größte christliche Gemeinschaft im arabischen Raum.

dpa/AFP

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