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Ein Bombenangriff in Syrien.

Das sagt der Nahost-Experte

Lüders: "Bombenangriffe stärken den Islamischen Staat"

München - Erhöhte Terrorgefahr droht auch Deutschland. Im Interview mit dem Münchner Merkur sagt der Nahost-Experte Michael Lüders über den IS: "Bombenangriffe stärken den Islamischen Staat."

Update 2 vom 10. Mai 2916: Der Mann ist offenbar doch kein Terrorist des Islamischen Staates, wie die Polizei nun mitgeteilt hat. Er stand bei der Tat wohl unter Drogen.

Update 1 vom 10. Mai 2016: Am Dienstag gegen 5 Uhr morgens hat ein mutmaßlicher Terrorist des IS in Grafing-Bahnhof mehrere Menschen angegriffen. Aktuell gibt es einen Toten, einen Zeitungszusteller.

Deutschland steuert auf einen neuen Kampfeinsatz zu. Und das in Syrien und gegen den IS. Ist das der richtige Weg?

Michael Lüders ist Nahost-Experten und Autor des Buches "Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet".

Nein, das ist nicht der richtige Weg, weil wir im Augenblick einen enormen Aktionismus seitens westlicher Politik erleben. Alle sind sich in dem Ziel einig, den Islamischen Staat militärisch angehen zu wollen. Das ist im Kern zwar richtig, aber es reicht nicht, Bomben zu werfen. Mittlerweile gibt es bereits einen regelrechten Stau im Luftraum über Raqqa, dem Hauptsitz des Islamischen Staates.

Was fehlt?

Eine Strategie, wie man mit dem IS umgehen kann. Man sollte nicht vergessen, dass der IS stark geworden ist als das Ergebnis amerikanischer Besatzungspolitik im Irak nach dem Sturz von Saddam Hussein. Der Irak ist als Staat zerfallen, ebenso Syrien. Auch in Afghanistan und Libyen hat westliches Militär-Engagement zum Staatszerfall geführt. Jetzt wiederholt man diese Strategie und glaubt, mit Bombenangriffen das Problem lösen zu können. Das Gegenteil wird eintreten. Der Islamische Staat wird stärker werden, denn es sterben bei den Luftangriffen auf Raqqa auch viele Zivilisten – und der IS kann sich als Widerstandsbewegung gegen westliche Aggression darstellen.

Islamischer Staat: Die Lage in Syrien ist brandgefährlich

Aus der Luft kann der IS also nicht besiegt werden. Muss man an Bodentruppen denken?

Wenn man dieselben Fehler machen will, die man in der Vergangenheit gemacht hat, nämlich sich ohne Plan, Sinn und Verstand in militärische Abenteuer zu verstricken, so wie dies in Afghanistan und im Irak der Fall war, dann ist es der Weg. Wenn man ein Erstarken des IS vermeiden und nicht in einen militärischen Konflikt ohne klare Fronten hineingezogen werden will, dann sollte man darüber nachdenken, welche flankierenden Maßnahmen sinnvoller wären. Vor allem sollte man das Tempo drosseln. Noch sind zu viele Fragen offen. Etwa zum Verhältnis zwischen der Türkei und Russland. Die Lage in Syrien ist brandgefährlich, und sie kann sehr schnell eskalieren.

Gegen den IS muss etwas unternommen werden. Was würden Sie anraten?

Das ist die entscheidende Frage. Und leider gibt es keine einfachen Antworten. Das Kind liegt zu tief im Brunnen. Wir haben hunderttausende von sunnitischen Arabern in Syrien und im Irak, die glauben, dass der IS ihnen eine Perspektive geben kann. Wir sehen den IS allein als terroristisches Gebilde, was er zweifelsohne auch ist. Aber er ist zugleich ein Staatsbildungsprojekt. Er hat Arbeitsplätze anzubieten. Der IS ist aus Sicht seiner Anhänger eine Erfolgsgeschichte. Es kommen hier sehr viele Ebenen zusammen. Im Grunde genommen ist der IS die Quittung für eine verfehlte Politik, die seit Jahren seitens des Westens betrieben wird. Man hat immer wieder auf die falschen Regime gesetzt. Diese extrem komplizierte Lage kann man nicht auf einen Schlag militärisch lösen.

Was bedeutet ...

... dass wir uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass wir zu einem Sieg über den IS einen sehr langen Atem und viel Zeit benötigen werden.

Islamischer Staat: Militäreinsatz in Syrien mit erhöhter Terrorgefahr verbunden

Kanzlerin Merkel hat Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris „jedwede Unterstützung“ zugesagt. Was bedeutet das?

Zunächst einmal ist es beschlossene Sache, dass die Bundeswehr nach Mali gehen wird, um dort französische Soldaten zu unterstützen. In einen Konflikt übrigens, zu dem die wenigsten Bundestagsabgeordneten über profunde Kenntnisse verfügen. Auch dort besteht eine sehr komplexe Lage, die militärisch nicht zu lösen ist. Der nächste Schritt könnte ein Engagement der Bundeswehr in Syrien in Form von Luftangriffen sein. Und das alles im Eiltempo, ohne über Alternativen nachzudenken. Das ist gefährlich. Die Amerikaner haben aus ihren Fehlern in Afghanistan und im Irak gelernt. Sie werden nicht noch einmal mit Bodentruppen irgendwo reingehen. In Deutschland, Frankreich und anderswo hingegen hat man das Gefühl, dass es geradezu einen Wettstreit in der Frage gibt, wer ist als Erster bereit, militärisch zu agieren.

Ist ein Militäreinsatz in Syrien mit einer erhöhten Terrorgefahr verbunden?

Ja, selbstverständlich.

Auch in Deutschland?

Auch in Deutschland!

Interview:

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