Angst vor Anschlägen im Irak

IS soll Jugendliche gefoltert haben

Istanbul - Kämpfer der Terrormiliz IS sollen Jugendliche aus der syrischen Stadt Kobane monatelang festgehalten und gefoltert haben. In Australien wurde offenbar von IS-Sympathisanten ein Anschlag verübt.

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben nach Angaben von Human Rights Watch aus der umkämpften syrischen Stadt Kobane Jugendliche monatelang festgehalten und gefoltert. Das gab die Menschenrechtsorganisation am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf Augenzeugen bekannt. Befragt wurden vier zwischen 14 und 16 Jahre alte Jugendliche. Sie seien zusammen mit etwa 100 anderen vier Monate in der Hand der Kämpfer gewesen.

Etwa 250 junge Kurden wurden demnach Ende Mai auf dem Heimweg von der Schule aufgehalten. Die Mädchen wurden wenig später freigelassen, die Jungen wurden in eine Schule in der Stadt Manbidsch gebracht. Sie wurden laut den Zeugenaussagen wiederholt mit Kabeln geschlagen und mussten Videos von Köpfungen und Angriffen von IS-Kämpfern anschauen. Einigen Schülern sei die Flucht gelungen, der Rest sei in Etappen bis Ende Oktober freigelassen worden, hieß es weiter.

Millionen Schiiten pilgern zum Aschura-Fest

Trotz der Angst vor möglichen Terrorangriffen gedenken Schiiten aus aller Welt an diesem Dienstag insbesondere an der Grabmoschee in Kerbela ihres Märtyrers Imam Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Bereits in den vergangenen Jahren nahmen sunnitische Fanatiker dies zum Anlass, Anschläge zu verüben. Hussein starb 680 nahe der zentralirakischen Stadt in einer Schlacht, die die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten endgültig besiegelte.

Aus Furcht vor einer neuen Anschlagswelle sunnitischer Extremisten am wichtigsten Feiertag der Schiiten hat der Irak die Sicherheitsmaßnahmen massiv erhöht. Mehr als 33.000 Sicherheitskräfte sollen die Millionen Pilger schützen, die zum Aschura-Fest in Kerbela südlich von Bagdad erwartet werden.

Irak und USA planen für 2015 Großoffensive gegen IS

Nach Informationen der „New York Times“ planen Iraks Sicherheitskräfte gemeinsam mit dem von den USA angeführten Bündnis für das Frühjahr 2015 eine Großoffensive. Bis Ende des nächsten Jahres soll die Terrormiliz demnach aus den von ihr eroberten Städten im Norden und Westen des Landes vertrieben werden.

Wichtige Straßen und Grenzübergänge sollten dann wieder unter Kontrolle der irakischen Regierung sein. Unklar bleibt dem Bericht zufolge das Vorgehen gegen die Terrormiliz in Syrien und ob die gemäßigte syrische Opposition bis dahin militärisch ausreichend ausgebildet sein wird, um sich den Dschihadisten ebenfalls effektiv entgegenzustellen.

Aktivisten melden Fortschritte im Kampf gegen die Extremisten

In der Kobane melden kurdische Aktivisten nach Ankunft erster Peschmerga-Soldaten aus dem Nordirak unterdessen Fortschritte im Kampf gegen die Extremisten. Idriss Nassan, ein Sprecher der kurdischen Verteidiger Kobanes, sagte der dpa, dass die Lage der Kurden deutlich besser geworden sei. Die Kämpfer versuchten nun, die Versorgungswege der Dschihadisten in der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei zu kappen.

Die im syrischen Bürgerkrieg erstarkte IS beherrscht große Gebiete im Norden und Osten Syriens sowie im Norden und Westen des Iraks - unter anderem die irakische Millionenstadt Mossul. Während insbesondere die irakische Armee, schiitische Milizen und kurdische Kämpfer gegen den IS am Boden vorgehen, fliegt das US-geführte Bündnis täglich Luftangriffe.

Abbott: Anschlag in Sydney von Sympathisanten der Terrormiliz IS

In Australien ist ein Muslim vor einem schiitischen Zentrum vor den Augen seiner Frau und vier Kindern niedergeschossen worden. Australiens Regierungschef machte für den Anschlag am Dienstag Sympathisanten der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat verantwortlich. Der Mann überlebte am Montag verletzt.

„Der IS-Todeskult hat die Schießerei in Sydney beeinflusst“, sagte Abbott vor Reportern. Abbott sprach von einer „apokalyptischen extremistischen Ideologie“, die auch in Australien zu finden sei. Augenzeugen sagten Journalisten, die Angreifer hätten bei dem Anschlag Beleidigungen gegen Schiiten ausgestoßen.

Australien hatte im September bei den größten Anti-Terror-Razzien seiner Geschichte nach Polizeiangaben Anschläge im IS-Stil vereitelt. Anhänger der Extremisten hätten nach dem Muster der Anschläge in Syrien und im Irak in Australien Passanten entführen und enthaupten und Videos von der Tat im Internet verbreiten wollen. Mindestens zwei Menschen wurden angeklagt.

Australien ist übernächstes Wochenende Gastgeber des G20-Gipfels mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Obama.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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