Israel, Gaza
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Die israelische Armee hat zwei Bomben auf ein Hochhaus in Gaza-Stadt abgeworfen. Das 13-stöckige Gebäude wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Militär zerstört Hochhaus in Gaza

Netanjahu: Gaza-Krieg auch im September

Gaza/Tel Aviv - Israel fliegt Angriffe auf Gaza - und wird selbst von Syrien und aus dem Libanon bombardiert. Laut Netanjahu könnte der Gaza-Krieg auch im September weitergehen.

Israel stellt sich nach den Worten seines Regierungschefs auf eine Fortsetzung des Gaza-Kriegs auch im kommenden Monat ein. Die Offensive werde andauern, „bis ihre Ziele erreicht sind“, sagte Benjamin Netanjahu am Sonntag zum Auftakt einer Regierungssitzung in Tel Aviv. „Das kann noch Zeit in Anspruch nehmen, und wir sind darauf vorbereitet, dass der Kampf auch nach Beginn des neuen Schuljahrs weitergeht.“ Das Schuljahr beginnt in Israel und den Palästinensergebieten am 1. September. In rund 80 UN-Schulen im Gazastreifen sind palästinensische Flüchtlinge untergebracht. In Israel darf nur in Einrichtungen mit Schutzräumen unterrichtet werden.

Eine aus dem Libanon abgefeuerte Rakete ist am Samstag nach Angaben der israelischen Armee im Norden Israels eingeschlagen. Wie die Armee weiter meldete, schlug die Rakete in Obergaliläa ein; das Militär korrigierte damit vorherige Angaben, der Einschlag habe sich östlich der Stadt Akko ereignet. Zunächst lagen keine Berichte über mögliche Schäden oder Opfer vor.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Rakete sei aus Dheira abgefeuert worden, das rund drei Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt. Israelische Hubschrauber kreisten demnach über der Grenzregion. Hinweise auf die Urheber des Angriffs gab es zunächst nicht.

Die israelische Militäroffensive gegen den von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Gazastreifen dauert nunmehr seit fast sieben Wochen an. Wenige Tage nach dem Beginn der Offensive waren aus dem Libanon bereits rund neun Raketen auf Israel abgefeuert worden, woraufhin die israelischen Streitkräfte mit Artilleriefeuer reagierten. In Armeekreisen war vermutet worden, eine kleine palästinensische Gruppe habe den Angriff aus Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen ausgeführt.

Israel: Aus Syrien abgefeuerte Raketen auf Golanhöhen eingeschlagen

Am Sonntag war Israel einem weiteren Beschuss ausgesetzt - dieses Mal aus Syrien. Nach Angaben des israelischen Militärs sind auf den von Israel besetzten Golanhöhen am Sonntag mehrere aus Syrien abgefeuerte Raketen eingeschlagen. Mindestens fünf Geschosse seien an verschiedenen Orten der Golanhöhen niedergegangen, teilte die Armee mit. Berichte über Opfer oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Auf den Golanhöhen, die Israel seit dem Sechstagekrieg 1967 teilweise besetzt hält, ist die Lage seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor über drei Jahren angespannt. Nach israelischer Darstellung waren bereits Mitte Juli Raketen aus Syrien in einem von Israel besetzten Gebiet der Golanhöhen eingeschlagen. Bei israelischen Vergeltungsangriffen auf den syrischen Teil des Gebiets gab es anschließend mehrere Tote.

Israel zerstört Hochhaus in Gaza

Unterdessen brodelt es weiter heftig zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen. Die israelische Armee warf zwei Bomben auf ein Hochhaus in Gaza-Stadt ab und machte das 13-stöckige Gebäude dem Erdboden gleich. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 17 Menschen verletzt. 

Die israelische Luftwaffe bombardierte weiterhin Ziele in dem Palästinensergebiet. Am Sonntagmorgen wurde in der Stadt Gaza ein Motorrad angegriffen. Dabei seien zwei Palästinenser getötet und vier weitere verletzt worden, berichtete der israelische Rundfunk.

Zwei Stunden vor der Bombardierung des Hochhauses in Gaza-Stadt warnte das Militär die Bewohner mit Flugblättern und Telefonanrufen. Sie wurden aufgefordert, das Gebäude zu räumen. Grund war laut Armee, dass Hamas-Kämpfer daraus operiert hätten.

Israel warnte am Samstag auch die gesamte Bevölkerung im Gazastreifen vor neuen Angriffen. Die Armee warf Flugblätter ab, auf denen sie die Menschen aufrief, sich von Orten fernzuhalten, an denen militante Palästinenser Raketen abschießen. Jedes Haus, das Ausgangspunkt militärischer Aktionen sei, werde attackiert. Die Armee beschoss nach eigenen Angaben am Samstag Dutzende Ziele im Gazastreifen.

Hamas erschießt angebliche Spitzel

Die radikal-islamische Hamas verfolgt derweil im Gazastreifen weiter mutmaßliche Kollaborateure. Hamas-Kämpfer erschossen am Samstag vor Dutzenden Zeugen im Hof einer Moschee in Dschabalija vier Männer, die der Zusammenarbeit mit Israel bezichtigt wurden, wie die Nachrichtenagentur Maan meldete.

Den erschossenen mutmaßlichen Spitzeln wurde laut Hamas zuvor der Prozess gemacht. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten die Extremisten mindestens 21 Männer getötet, die mit Israel zusammengearbeitet haben sollen. Das Vorgehen gegen die angeblichen Informanten könnte im Zusammenhang mit den gezielten Tötungen von Hamas-Funktionären durch die israelische Armee stehen.

Israels Finanzminister Jair Lapid hat am Sonntag mit gezielten Angriffen auf die politische Führung der radikal-islamischen Hamas auch im Ausland gedroht. „Die ranghohen Hamas-Funktionäre müssen wissen, dass wir sie jagen und fassen werden, und dass sie den Preis dafür zahlen werden, was sie im Süden Israels anrichten“, sagte Lapid vor einer Regierungssitzung in Tel Aviv. „Niemand ist gefeit - nicht die politische Führung, und nicht die Exilführung.“ Zum Tod eines israelischen Kindes bei Mörsergranatenbeschuss aus dem Gazastreifen sagte Lapid: „Wir werden das nicht hinnehmen, weil Vierjährige in den Kindergarten oder das Schwimmbad gehen - und nicht zu Grabe getragen werden sollten.“

Überlebende des Holocausts kritisieren "Massaker an den Palästinensern"

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor rund sechs Wochen kamen nach palästinensischen Angaben in dem Küstengebiet gut 2100 Menschen um, mehr als 10.500 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben bislang 64 Soldaten und vier Zivilisten, Hunderte mussten medizinisch versorgt werden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte ein Ende der Kämpfe. Die Konfliktparteien müssten sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte Abbas in Kairo. Zuvor hatte er sich mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi getroffen, dessen Regierung in dem Konflikt zu vermitteln sucht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonierte erneut mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und forderte, die Konfliktparteien müssten bald eine dauerhafte Feuerpause vereinbaren sowie erneut „ernsthafte Verhandlungen“ über eine Zwei-Staaten-Lösung aufnehmen.

Mit einer großen Anzeige in der „New York Times“ prangerten Überlebende des Holocausts den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen als „Massaker an den Palästinensern“ an. Die 327 Unterzeichner aus den USA und vor allem Europa bezeichnen sich selbst als Überlebende oder Nachkommen von Opfern des Nazi-Völkermords, die den Einsatz der israelischen Armee „unmissverständlich verurteilen“. Die Anzeige ist eine Reaktion auf eine Aktion des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Wiesel und Unterstützer hatten in einer Annonce die Hamas mit den Nazis in Verbindung gebracht.

AFP/dpa

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