Erneute Waffenruhe gefordert

Israel setzt Beschuss auf Gaza fort

Washington/Gaza/Tel Aviv - Nach dem Ende einer Feuerpause kommt es im Gaza-Konflikt zu neuen Auseinandersetzungen. Die USA, die UN und Ägypten mahnen, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen.

Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen in der Nacht zum Samstag fortgesetzt. Die Luftwaffe habe rund 30 Ziele angegriffen, sagte eine Militärsprecherin am Samstagmorgen.

Bei den israelischen Angriffen im Gazastreifen seien seit Freitagmorgen fünf Menschen ums Leben gekommen, rund 30 Personen seien verletzt worden, berichtete der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza, Aschraf al-Kidra, auf seinem Twitter-Account.

Die USA und die Vereinten Nationen (UN) haben unterdessen eine rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt gefordert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Regierungssprecher Josh Earnest riefen Israelis sowie radikale Palästinenser auf, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen.

Nach Ablauf einer dreitägigen Feuerpause am Freitagmorgen hatten militante Palästinenser Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen. Zugleich brach Israel die in Kairo laufenden Gespräche über eine Beilegung der seit einem Monat tobenden Feindseligkeiten vorerst ab. Nach ägyptischer Darstellung sollen die Beratungen bis dahin gut vorangeschritten sein.

„Israel führt keine Verhandlungen unter Feuer“, sagte ein israelischer Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur dpa. Nach israelischen Militärangaben schossen die radikal-islamische Hamas und ihre Verbündeten am Freitag knapp 60 Raketen auf Israel ab. Ein Zivilist und ein Soldat erlitten Verletzungen.

Als Antwort auf den Raketenbeschuss griff die israelische Armee rund 70 Ziele im Gazastreifen aus der Luft an. Dabei gab es mindestens ein Todesopfer, wie das Gesundheitsministerium in Gaza bekanntgab. Mehrere Palästinenser wurden nach diesen Angaben verletzt.

Viele Menschen im Gazastreifen versuchten, sich vor den neuen Angriffen in Sicherheit zu bringen. Augenzeugen sprachen von Hunderten Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, die aus dem an Israel grenzenden Osten Gazas flüchteten.

Vor den UN und den USA hatte bereits Ägypten, das bei den indirekten Gesprächen in Kairo vermittelt, Israel und die palästinensische Delegation zu einer neuen Waffenruhe und zur Fortsetzung der Verhandlungen aufgerufen. Das Außenministerium in Kairo sprach von beträchtlichen Fortschritten, die bei den bisherigen Gesprächen erzielt worden seien.

Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens. Neben einem Ende von Einschränkungen bei der Geldüberweisung und einer Ausweitung der Fangzone für Fischer bestehen sie auf dem Bau eines See- und Flughafens in Gaza. Außerdem sollen Häftlinge in Israel freigelassen werden.

Israel fordert als Bedingung für einen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens eine Entmilitarisierung des schmalen Küstengebiets und eine Entwaffnung der militanten Organisationen. Dies lehnt die Hamas bislang ab.

Israel wirft der Hamas vor, die Waffenruhe bereits am frühen Freitagmorgen, vor Ablauf der Feuerpause, gebrochen zu haben. Der Armee zufolge wurden zwei Raketen auf Israels Süden gefeuert. Die Hamas widersprach dieser Darstellung.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayern fordert strengere Vorgaben bei Atommüll-Endlagersuche

Nach langen Verhandlungen hat die Endlagerkommission zu Wochenbeginn einen Bericht vorgelegt, der bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll helfen soll. Doch zwei …
Bayern fordert strengere Vorgaben bei Atommüll-Endlagersuche

Trotz aller Probleme: Ukraine sieht sich künftig in der EU

Berlin - Die Ukraine sieht sich trotz des ungelösten kriegerischen Konflikts im Osten des Landes und schwerer wirtschaftlicher Probleme in zehn Jahren in der …
Trotz aller Probleme: Ukraine sieht sich künftig in der EU

Slowakei übernimmt EU-Ratspräsidentschaft

In der Flüchtlingskrise zeigte sich die Slowakei selbst nicht immer solidarisch. Ansonsten sind die meisten Slowaken begeisterte Europäer. Jetzt führen sie erstmals den …
Slowakei übernimmt EU-Ratspräsidentschaft

Brexit: Diese Unternehmen denken übers Abwandern nach

London/München –  Easyjet, Visacard, Vodafone: Zahlreiche Unternehmen denken nach der Entscheidung übe den Brexit über einen Umzug auf den Kontinent nach. Ein Überblick.
Brexit: Diese Unternehmen denken übers Abwandern nach

Kommentare