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Die Lage im Gazastreifen wird immer verzweifelter.

Kämpfe immer heftiger

Israel will in Gaza "Arbeit zu Ende bringen"

Tel Aviv - Ungeachtet der immer schärferen internationalen Kritik am Vorgehen Israels im Gazastreifen will das Land dort seine "Arbeit zu Ende bringen" und die Tunnel der Hamas vollständig zerstören.

Ungeachtet der immer schärferen internationalen Kritik am Vorgehen Israels im Gazastreifen will das Land dort seine "Arbeit zu Ende bringen". Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte am Donnerstag an, die Armee werde "mit oder ohne Waffenruhe" die Tunnel der palästinensischen Hamas-Bewegung vollständig zerstören. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf Israel angesichts der vielen zivilen palästinensischen Opfer die "vorsätzliche Missachtung" völkerrechtlicher Verpflichtungen vor.

Die israelischen Streitkräfte verkündeten am Donnerstag, sie würden weitere 16.000 Reservisten mobilisieren. Damit stieg die Zahl der Reservisten, die seit Beginn der Gaza-Offensive am 8. Juli eingezogen wurden, auf 86.000. Laut einer Armeesprecherin sollen mit den neuen Kräften die bisher eingesetzten Bodentruppen entlastet werden. Zugleich sicherten die USA ihrem engen Verbündeten Israel zu, seine Munitionsvorräte trotz der Kritik an den zivilen Opfern aufzustocken.

Netanjahu sagte zu Beginn einer Kabinettssitzung, es seien bereits "dutzende Terrortunnel zerstört" worden und die Regierung wolle diesen Einsatz abschließen. "Wir werden daher keinen Vorschlag (für eine Waffenruhe) akzeptieren, der der israelischen Armee nicht erlaubt, diese Arbeit zu Ende zu bringen", sagte Netanjahu. Der für den Gazastreifen zuständige General Sami Turgeman sagte, dies sei noch "eine Frage von Tagen". Der Militäreinsatz dauert bereits mehr als drei Wochen.

Der Mittwoch war mit fast 120 Toten auf palästinensischer Seite einer der opferreichsten Tage seit Beginn der israelischen Offensive. Besonders schwer waren der Beschuss einer UN-Schule in Dschabalija und der Angriff auf einen belebten Markt in Schedschaija inmitten einer von Israel ausgerufenen "humanitären Feuerpause". Brüssel verurteilte diese beiden Angriffe am Donnerstag und forderte eine sofortige Untersuchung. Es sei "inakzeptabel", dass unschuldige geflohene Zivilisten, die in UN-Gebäuden Schutz gesucht hätten, getötet würden, erklärte der Dienst der Außenbeauftragten Catherine Ashton.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf beiden Konfliktparteien vor, "schwere Menschenrechtsverletzungen" begangen zu haben, "die Verbrechen gegen internationales humanitäres Recht" sein könnten. Im Falle der israelischen Offensive gebe es ein "Muster", nach dem "Wohnhäuser, Schulen, Kliniken und UN-Einrichtungen" im Gazastreifen angegriffen würden. Die Verantwortlichen dafür müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Leiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, schilderte dem Sicherheitsrat die dramatische Lage der Zivilisten im Gazastreifen. "Ich glaube, die Bevölkerung steht am Abgrund", berichtete Krähenbühl per Videoschaltung aus dem Gazastreifen den in New York versammelten Sicherheitsratsmitgliedern. Dabei rief er die internationale Gemeinschaft auf, "alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um diese extreme Situation anzugehen".

Krähenbühls Angaben zufolge suchten schon mehr als 220.000 Palästinenser in UN-Gebäuden im Gazastreifen Zuflucht. Das seien vier Mal so viele wie beim Gaza-Krieg von 2008 und 2009. "Wir haben die tolerierbare Anzahl, die wir unterbringen können, überschritten", sagte der UNRWA-Leiter. "Eine sofortige und bedingungslose Waffenruhe ist überfällig." Das UNRWA machte außerdem Israel für den Beschuss der UN-Schule eindeutig verantwortlich, während Israel einen Beschuss durch die Hamas für möglich hielt.

Am Donnerstag wurden zudem in Dschabalija erneut 15 Menschen in einer UN-Schule verletzt, als eine benachbarte Moschee beschossen wurde. Die Zahl der getöteten Palästinenser stieg auf mindestens 1397, auf israelischer Seite starben 56 Soldaten und drei Zivilisten.

AFP

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