Verhandlungen

Gaza: Waffenruhe hält - Bemühung um Frieden

Tel Aviv/Gaza/Kairo - Seit Dienstag hält die Waffenruhe im Gaza-Krieg. Nun bemühen sich die Konfliktparteien um eine dauerhafte Lösung.

Die Waffenruhe im blutigen Gaza-Krieg hält. Es habe am zweiten Tag bisher keine Verstöße gegeben, bestätigte eine israelische Armeesprecherin am Mittwochvormittag.

Mit dem Schweigen der Waffen treten Bemühungen um eine dauerhafte Stabilisierung der Lage und eine Verlängerung der 72-stündigen Feuerpause in den Vordergrund. Israelische und palästinensische Unterhändler tauschten in Kairo über ägyptische Vermittler bereits Papiere mit ihren jeweiligen Forderungen aus.

Issat al-Rischak, ein hochrangiger Funktionär der im Gazastreifen herrschenden Hamas, stellte eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe über Freitag hinaus in Aussicht. Dies hänge aber vom Verlauf der Verhandlungen mit Israel ab, sagte Al-Rischak der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan am Mittwoch.

Israelische und ägyptische Unterhändler hatten in der Nacht zum Mittwoch in Kairo mehrere Stunden lang über eine dauerhafte Waffenruhe beraten. Die israelische Delegation war am Dienstagabend eingetroffen. Sie verließ Kairo nach dpa-Informationen noch vor Mitternacht. Die israelischen und palästinensischen Delegationen sollen nun Zeit erhalten, die gegenseitigen Forderungen auszuloten.

Israel fordert als Bedingung für einen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens eine Entmilitarisierung des schmalen Küstenstreifens und eine Entwaffnung der militanten Organisationen. Dies lehnt die radikal-islamische Hamas bislang kategorisch ab.

Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens. Dabei nennen sie den Bau eines See- und Flughafens in Gaza, eine Aufhebung von Einschränkungen bei der Geldüberweisung und eine Ausweitung der Fangzone für Fischer. Sie verlangen auch die Freilassung von Häftlingen.

Die USA werden nach Angaben der Regierung in Washington vermutlich an weiteren Gesprächen in Kairo teilnehmen. US-Außenminister John Kerry sagte dem britischen Fernsehsender BBC, die Gespräche in Kairo müssten Wegbereiter für breiter angelegte Verhandlungen in Richtung auf eine Zwei-Staaten-Lösung sein, um einen dauerhaften Frieden in der Region zu sichern.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin: „Ich hoffe, dass es gelingt, die Feuerpause zu verlängern und verstetigen, damit das unendliche Leid der Zivilbevölkerung endlich ein Ende hat.“

Die einen Monat dauernde Offensive Israels hat im Gazastreifen schwere Zerstörungen hinterlassen. 65 000 Menschen haben nach UN-Angaben keine Bleibe mehr. Die Aufräumarbeiten gingen am Mittwoch weiter. Helfer haben noch Leichen in den Trümmern gefunden.

Seit Beginn der israelischen Offensive vor einem Monat wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 1875 Palästinenser getötet und 9567 weitere verletzt. Unter den Toten seien 430 Kinder, 243 Frauen und 79 ältere Menschen, teilte Sprecher Aschraf al-Kidra mit.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hält sich im Gazastreifen auf, um sich ein Bild von den Zerstörungen und der Lage der Verletzten zu machen. „Ich habe noch nie so massive Zerstörungen gesehen“, teilte Peter Maurer nach einem Besuch des Viertels Sadschaija mit. „Ich habe ein tiefes Gefühl des Schocks darüber, was ich gesehen habe, und der Wut, dass wir nicht verhindern konnten, was passiert ist.“

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen könnte noch in dieser Woche über eine Resolution zum Gaza-Konflikt entscheiden. „Wir diskutieren gerade auf Fachebene über das Papier“, sagte Großbritanniens UN-Botschafter Mark Lyall Grant, der den Rat in diesem Monat führt, in New York.

Die Ermordung von drei israelischen Jugendlichen im Juni im Westjordanland und eines 16-jährigen Arabers bei Jerusalem kurz darauf hatte eine Gewaltspirale in Gang gesetzt, die ein Auslöser für den jüngsten Gaza-Krieg war. Im Fall der getöteten Israelis sei ein verdächtiger Palästinenser aus Hebron bereits vor drei Wochen gefasst worden, meldete die israelische Nachrichtenseite „ynet“ am Dienstag nach Aufhebung einer Nachrichtensperre. Er habe demnach versucht, mit gefälschten Papieren nach Jordanien zu fliehen. Hussam Kawasme habe während eines Verhörs gestanden, der Kopf der Gruppe gewesen zu sein. Seine mutmaßlichen Komplizen, Marwan Kawasme und Omar Abu Ajschah, seien auf der Flucht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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