+
Giorgio Napolitano

Italiens Staatschef in Mafia-Prozess befragt

Rom - Italiens Staatschef als Zeuge in einem Mafia-Prozess: Giorgio Napolitano wurde zu angeblichen Absprachen zwischen Politik und Mafia befragt. Im Anschluss gab es viel Lob für den 89-Jährigen.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat am Dienstag drei Stunden als Zeuge in einem Mafia-Prozess ausgesagt. Die Richter und Anwälte befragten den 89-Jährigen im Quirinalpalast in Rom, dem Sitz des Präsidenten. Es geht in dem seit Monaten laufenden Verfahren um einen mutmaßlichen „Nichtangriffspakt“ zwischen hochrangigen Politikern und Mafia-Bossen in den 1990er Jahren. Die Staatsanwälte vermuten, dass die Behörden in dem Versuch, weitere Mafia-Morde zu verhindern, Haftbedingungen für mehr als 300 Mafiosi erleichterten.

Napolitano, der seit 2006 Staatspräsident ist, war von 1992 bis 1994 Präsident des Abgeordnetenhauses und wurde am Dienstag nur als Zeuge befragt. Das Staatsoberhaupt sagte laut einem beteiligten Anwalt aus, er habe nichts von möglichen Absprachen gewusst. Der 89-Jährige habe alle Fragen „mit größter Transparenz und Ruhe“ beantwortet, teilte sein Amt anschließend mit. Er habe das Gericht um eine Abschrift seiner Aussage gebeten, um sie rasch veröffentlichen zu können.

Ein beteiligter Staatsanwalt sagte der Nachrichtenagentur Ansa, Napolitano habe ein großes Maß an Kooperation gezeigt und alle Fragen ausführlich beantwortet. Aus fast allen politischen Lagern kam Lob für den Staatschef. Nicht so von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) des früheren Komikers Beppe Grillo. Napolitanos Priorität sei nicht die Suche nach der Wahrheit, hieß es laut Ansa in einer Mitteilung.

Wegen seines Amtes wurde Napolitano hinter verschlossenen Türen in Rom und nicht im Gerichtssaal in Palermo befragt, wo der Prozess eigentlich angesiedelt ist. Er sollte zu einem Brief eines früheren Beraters aussagen, in dem es um die Absprachen gegangen sein könnte.

Angeklagt sind in dem Prozess unter anderem mehrere Mafia-Bosse und frühere Polizeichefs, der ehemalige italienische Innenminister Nicola Mancino und Marcello Dell'Utri, ein früherer Vertrauter von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der bereits wegen Mafia-Verwicklungen verurteilt worden ist.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

CDU-Generalsekretär begrüßt Sexismus-Debatte 

Berlin - Eine junge Berliner CDU-Politikerin hat Sexismus in ihrer Partei angeprangert. Generalsekretär Peter Tauber reagierte positiv und forderte mehr Sensibilität bei …
CDU-Generalsekretär begrüßt Sexismus-Debatte 

Stoiber: Seehofer will nicht Kanzler werden

München - Der CSU-Ehrenvorsitzende und ehemalige Unions-Kanzlerkandidat, Edmund Stoiber, geht davon aus, dass sich CSU-Chef Horst Seehofer nicht um die Kanzlerschaft …
Stoiber: Seehofer will nicht Kanzler werden

TV-Duell Clinton vs. Trump: So sehen Sie die Debatte live

New York - Es wird langsam ernst im US-Wahlkampf: Das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump steht bevor. So sehen Sie die Debatte der Kandidaten im TV …
TV-Duell Clinton vs. Trump: So sehen Sie die Debatte live

Bombardements in Aleppo gehen weiter

Damaskus/Aleppo - Für ein paar Stunden war es still in Aleppo, dann setzten das syrische Regime und seine Verbündeten die tödlichen Bombardements fort. Der Westen …
Bombardements in Aleppo gehen weiter

Kommentare