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Flüchtlinge müssen sich auf ihrer Flucht durch Europa auch vor Bürgerwehren in Acht nehmen.

An der bulgarischen Grenze 

Bürgerwehren machen brutale Jagd auf Flüchtlinge

Sofia - Bulgarische Bürgerwehren bezeichnen Flüchtlinge als "Invasoren", gegen die sie ihr Land schützen wollen - und das auf teils grauenvolle Art und Weise.

"Hier keine Invasoren zu sehen", sagt Yuri, ein 32-jähriger Bulgarier, der Jagd auf Flüchtlinge macht. Die "Bild"-Zeitung hat einen Trupp im Strandscha-Gebirge, dem bulgarisch-türkischen Grenzgebiet, begleitet. Yuri bildet mit Iwan (28) und Dano (34) eine von vielen bulgarischen Bürgerwehren, die Flüchtlinge zurück in die Türkei schicken wollen. „Wir verteidigen uns gegen die Invasoren, die Deutschland eingeladen hat. Alle, die wir fassen können, schicken wir zurück in die Türkei", sagt Yuri. Sie tragen Tarnanzüge, Masken und hohe Stiefel. Messer und Pfefferspray halten sie immer bereit, denn: „Wenn wir angegriffen werden, müssen wir uns schließlich verteidigen.“

Staat schaut nur zu

Speziell im Osten Europas erleben Bürgerwehren großen Zulauf. Doch auch in Deutschland ist es ein längst diskutiertes Thema. Dennoch hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dieser vermeintlichen Lösung bereits im Februar eine Absage erteilt: Man halte davon nichts. Sie seien zudem nicht notwendig, denn die bayerische Polizei habe die Sicherheitslage „sehr gut im Griff". 

Nicht überall in Europa werdenBürgerwehren mit solcher Vehemenz abgelehnt. In Bulgarien sprechen laut "Bild" Menschenrechtsorganisationen von Hunderten, die regelmäßig Jagd auf Flüchtlinge machen. Dabei sind es längst nicht nur Rechtsradikale, die sich diesen "Suchtrupps" anschließen. Besonders erschreckend: Die Politik sieht stillschweigend zu. Premier Boilo Borrisow hatte Anfang des Jahres noch mitgeteilt, dass der Polizei und dem Staat jede Hilfe willkommen sei. Nach mehreren Gewaltvideos ermittelt die bulgarische Staatsanwaltschaft aber mittlerweile immerhin gegen eines der Mitglieder. 

"Polizisten auf unserer Seite"

Als Abschreckung dient das nicht. Denn Bulgariens Bürgerwehren pflegen auch zur Grenzpolizei einen guten Kontakt, arbeiten laut "Bild" gar "Hand in Hand". Angst vor Ermittlungen haben sie jedenfalls nicht. Sie sagen: "Die Bürgerwehren gehören zu Bulgarien und die Polizisten sind auf unserer Seite, dürfen das aber nicht sagen."

Wie brutal die Bürgerwehren mit aufgegriffenen Flüchtlinge umgehen, ist auf mehreren Videos zu sehen. Nachdem die Seeroute von der Türkei nach Griechenland kaum noch genutzt wird, ist der Weg durch Bulgarien beliebter geworden. So gibt es immer mehr zu tun für die Bürgerwehren des Landes. Und die Menschen, die vor Angst und Verfolgung in ihrer eigenen Heimat flohen, werden auch in Europa weiter gejagt.

Hier ist eines der Bürgerwehr-Videos bei Youtube zu sehen 

Bericht: 41 Millionen Binnenflüchtlinge auf der Welt

mke

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