Konstantin Kuhleführt seit diesem Jahr die Jungen Liberalen.

Ein bisschen Endspiel

Die FDP kämpft in Sachsen ums Überleben

München/Dresden – Für die FDP steht in Sachsen sehr viel auf dem Spiel – die Entscheidung im Überlebenskampf fällt aber erst 2017.

Das Rezept dürfte den Herren Lindner und Kubicki irgendwie bekannt vorkommen. „Auf Bundesebene ist die FDP aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden“, lederte diese Woche der sächsische FDP-Mann Holger Zastrow gegen die Bundesspitze der Liberalen. Auf seine Plakatwände druckte er: „Sachsen ist nicht Berlin“. Zastrows Strategie hat sich mehrfach bewährt: Je weiter sich die örtliche FDP von der Berliner Zentrale absetzt, desto erfolgreicher schneidet sie bei Landtagswahlen ab. Lindner und Kubicki gelten als ihre Erfinder. Dumm nur: Inzwischen stehen die beiden selbst an der Spitze der Bundes-FDP.

Elf Monate sind vergangen, seit die FDP erst in Bayern und dann im Bund spektakulär in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Von den Brüderles, Röslers oder Zeils ist seitdem nicht mehr viel zu hören, trotzdem stottert der Motor beim Neustart. Zwar ist man im Thomas-Dehler-Haus mit der medialen Resonanz in der außerparlamentarischen Opposition eigentlich ganz zufrieden, in den Umfragen aber kommen die Liberalen nicht voran – da kann die Große Koalition noch so am Generationenvertrag herumstreichen.

Holger Zastrow hat den Bundesvorsitzenden Christian Lindner und seinen Stellvertreter Wolfgang Kubicki deshalb in Sachsen zu unerwünschten Persönlichkeiten erklärt. Trotzdem deuten die Umfragen darauf hin, dass die FDP ab Montag auch im Dresdner Landtag ihre Büros räumen muss.

In Sachsen sitzt die letzte deutsche Landesregierung, an der die FDP noch beteiligt ist. Es sei deshalb eine „sehr wichtige und auch symbolische Wahl“, sagt Konstantin Kuhle, Vorsitzender der Jungen Liberalen. „Aber sie ist nicht existenziell.“ Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Tatsächlich würde mit einer Pleite am Sonntag Lindners Wiederaufbauprojekt schweren Schaden nehmen – da die Aussichten in Thüringen und Brandenburg am 14. September noch schlechter sind.

Die Jungen Liberalen und andere Überlebenskämpfer haben deshalb ganze Busladungen an Wahlkämpfern nach Sachsen gekarrt. Der FDP-Wähler braucht noch mehr Zuspruch als sonst. Konstantin Kuhle fordert gleich einen komplett neuen Ton seiner Partei. „Unsere Themen waren zu oft negativ besetzt, selbst heute noch bei der Ablehnung der Rente mit 63 oder dem Mindestlohn. Wir brauchen endlich positive Botschaften, im Bereich Bildung beispielsweise.“ Vor der Bundestagswahl habe man sich viel zu sehr in die Grünen verbissen, mit ihrem Veggie-Day und der Pädophielen-Debatte. „Letztlich hat das beiden Parteien geschadet.“ In Sachsen muss sich die FDP vor allem gegen die AfD wehren – auch hier ist viel böses Blut im Spiel.

Aller Untergangsschlagzeilen zum Trotz. Ein bisschen Hoffnung bleibt den Liberalen: Im kommenden Jahr könnte die Partei mit Hamburg und Baden-Württemberg in zwei Hochburgen punkten. Geht auch das schief, fällt die endgültige Entscheidung 2017. Ein Jahr vor der Bundestagswahl müssen sich Christian Lindner und Wolfgang Kubicki in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein stellen. Sie können dann zwar nicht gegen Berlin schießen – aber zu Rettern der FDP mutieren. Oder den Totengräbern.

Mike Schier

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