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John Kerry besuchte die Mauer-Gedenkstätte in Berlin.

Besuch in Hauptstadt

John Kerry: Erinnerung an Kindheit in Berlin

Berlin - Die Berliner Mauer ist gefallen, doch der Ost-West-Konflikt noch immer nicht vollständig gebannt: Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein US-Kollege John Kerry haben in Berlin des Mauerfalls vor 25 Jahren gedacht.

Die Mauer erinnere an die Sehnsucht nach Freiheit, die "noch immer in zu vielen Teilen der Welt bedroht" sei, sagte Kerry. Beide Politiker warnten zugleich vor einer neuen Spaltung Europas angesichts des Ukraine-Konflikts.

"Es ist sehr bewegend, hier zu sein, vor dieser Mauer, 25 Jahre danach", sagte Kerry beim gemeinsamen Besuch mit Steinmeier in der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße. "Diese Stadt bedeutet mir auch persönlich etwas", sagte der US-Außenminister, der als Kind in den 50er Jahren zeitweise in Berlin lebte, als sein Vater als Diplomat beim US-Hochkommissariat arbeitete.

"Ich war zwölf Jahre alt und neugierig auf Ost-Berlin", berichtete Kerry während seines Besuch, bei dem er hin und wieder ins Deutsche verfiel. Mit seinem Fahrrad sei er damals durch den Checkpoint in den Osten gefahren und habe den "Unterschied" geradezu gefühlt. "Es war ein Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Freiheit und Unterdrückung", sagte Kerry. Dies habe ihm Angst gemacht.

John Kerry zu Besuch in Berlin: Bilder

John Kerry erinnert sich an Besuch in Ost-Berlin

Steinmeier erinnerte an die Rolle der USA beim Fall des Eisernen Vorhangs. Die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas wäre "ohne die bedingungslose Unterstützung der USA nicht möglich gewesen. Das werden die Deutschen den Amerikanern nicht vergessen."

Kerry und Steinmeier warnten zugleich, dass Freiheit in Europa noch immer keine Selbstverständlichkeit sei. Der Ukraine-Konflikt berge "noch immer genug Zündstoff", um die Friedensordnung in Europa zu bedrohen, sagte Steinmeier. "Unsere Aufgabe ist es zu verhindern, dass Europa jemals wieder gespalten wird." Die internationale Gemeinschaft müsse "darauf einwirken, dass die Einheit der Ukraine gewährleistet bleibt".

Kerry forderte ein Ende der "russischen Aggression" in der Ukraine. Washington suche keinen Konflikt mit Moskau. Vielmehr werde Russland benötigt, um gemeinsam die weltweiten Krisen zu lösen. Alle Seiten müssten sich jetzt dafür einsetzen, dass das Minsker Abkommen vollständig umgesetzt werde. Kerry äußerte seine Hoffnung, dass die Ukraine eines Tages als "Brücke" zwischen dem Westen und Russland dienen könne.

Merkel betont enge Abstimmung mit den USA

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die intensive Kooperation mit den USA angesichts der großen internationalen Krisen hervorgehoben. US-Außenminister John Kerry war am Mittwoch in Berlin zu Gast.

Es sei gut, „dass wir in enger Partnerschaft und Abstimmung mit den Vereinigten Staaten von Amerika agieren“, sagte Merkel vor einem Gespräch mit Kerry in Berlin. Sie verwies etwa auf die Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat, die Ebola-Epidemie, die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm und den Ukraine-Konflikt. Kerry dankte Deutschland für eine führende Rolle bei der Bewältigung dieser Krisen.

Kerry würdigt deutsches Engagement im Kampf gegen IS

Kerry hat bei einem Besuch in Berlin den Beitrag Deutschlands im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) gewürdigt. Deutschland leiste einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung der Extremisten, sagte Kerry am Mittwoch vor Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die USA wüssten "sehr stark zu schätzen", was Deutschland insgesamt bei der Bewältigung der aktuellen weltweiten Krisen leiste.

Merkel sagte, das Jahr 2014 stelle die Weltgemeinschaft vor "sehr viele, auch uns sehr fordernde Aufgaben".

Die IS-Extremisten haben weite Landesteile im Irak und in Syrien unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein "Kalifat" ausgerufen. Die Dschihadisten gehen mit äußerster Brutalität gegen religiöse Minderheiten vor. Unter Führung der USA bekämpft eine internationale Militärallianz die Dschihadisten aus der Luft. Deutschland unterstützt die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak mit Waffenlieferungen und Schutzausrüstung im Kampf gegen den IS.

dpa/AFP

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