Sebastian Edathy
+
Der Kinderschutzbund lehnt die Zahlung von Sebastian Edathy in Höhe von 5000 Euro aus moralischen Gründen ab.

Moralischer Widerspruch

Kinderschutzbund will Geld von Edathy nicht

Hannover - Mit einer Zahlung an den Kinderschutzbund sollte Sebastian Edathy den Kinderporno-Prozess abschließen. Am Dienstag rudert der Verband aber kurzerhand zurück. Niemand solle sich von Verbrechen gegen Kinder freikaufen dürfen.

Der Kinderschutzbund Niedersachsen will die vom Landgericht Verden verhängte Geldauflage von Sebastian Edathy doch nicht annehmen. Die Entscheidung, das Kinderporno-Verfahren gegen den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten für eine Zahlung von 5000 Euro einzustellen, sei ein „fatales Signal“, teilte der Verband am Dienstag in Hannover mit. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass es möglich sei, sich von Vergehen gegen Kinder freikaufen zu können. Der Verband hat nach eigenen Angaben das Gericht bereits gebeten, einen neuen Empfänger für die Geldauflage zu bestimmen.

Der Prozess gegen Edathy war am Montag ohne eine Verurteilung zu Ende gegangen. Darauf hatten sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht geeinigt, nachdem Edathy zugegeben hatte, die von der Staatsanwaltschaft als kinder- und jugendpornografisch eingestuften Fotos, Videos sowie einen Bildband besessen zu haben. Die Entscheidung des Gerichtes wird seither massiv kritisiert.

„Kinder und Jugendliche vor Gewalt zu schützen und ihnen zu helfen, wenn sie Gewalt erfahren haben, ist seit fast 60 Jahren unser Hauptanliegen und Ziel unserer Arbeit“, betonte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen, Johannes Schmidt. Aufgrund persönlicher und der öffentlich an den Verband herangetragenen Resonanz habe der Vorstand „nach reiflicher Überlegung entschieden, diesen moralischen Widerspruch für sich nicht lösen zu können.

Ungeachtet der nun beschlossenen nachträglichen Ablehnung - am Montag hatte Schmidt zunächst erklärt, das Geld annehmen zu wollen - seien Spenden und Bußgelder aber weiterhin eine überaus wichtige Quelle für die Verbandsarbeit. Im Unterschied zu anderen Verfahren, die mit einer Verurteilung zu Ende gehen, sei das Geld bei Edathy keine Strafe und könne daher nicht angenommen werden.

„Das ist ganz ungewöhnlich“, sagte eine Gerichtssprecherin der dpa. Ihr sei kein Fall bekannt, bei dem das Gericht je eine entsprechende Bitte eine Geldempfängers erhalten habe. Das Gericht werde nun in Absprache mit der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung einen neuen gemeinnützigen Empfänger der Geldauflage bestimmen. Dabei werde erneut darauf geachtet, dass der Empfänger „sachbezogenen“ sei.

Erst wenn Edathy das Geld überwiesen hat, ist der Prozess endgültig beendet. Dieser hatte noch im Gerichtssaal erklärt, den Betrag umgehend überweisen zu wollen. Nach dem Ende des Prozesses hatte Edathy umgehend auf seiner Facebook-Seite und über seinen Anwalt erklärt, bei seiner Einlassung habe es sich nicht um ein Geständnis gehandelt. Zwar habe er den Besitz der in der Anklage formulierten Bilder und Videos zugegeben, nicht aber die Einschätzung geteilt, dass es sich dabei tatsächlich um verbotene Kinderpornos handele.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Brexit-Votum: Merkel warnt vor Spaltung Europas

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt Geschlossenheit der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten gefordert.
Nach Brexit-Votum: Merkel warnt vor Spaltung Europas

Merkel zum Brexit-Votum: "Es gibt keine Rosinenpickerei"

London - Nach dem Brexit herrscht weiterhin Ratlosigkeit und Aufregung. Welche Folgen hat der Ausstieg Großbritanniens? Wie reagieren Deutschland und die EU? Und kann …
Merkel zum Brexit-Votum: "Es gibt keine Rosinenpickerei"

Bericht: Russland schikaniert US-Diplomaten in Europa

Nächtlich verrückte Möbel, bis in die Schule verfolgte Kinder: Laut einem Medienbericht drangsaliert Moskau US-Diplomaten in ganz Europa. Einer spricht gar von einem …
Bericht: Russland schikaniert US-Diplomaten in Europa

Nach NSA-Affäre: Kabinett legt BND an kürzere Leine

Berlin - Der Bundesnachrichtendienst gilt vielen als unkontrollierbar. Das will die Bundesregierung nun ändern - eine unabhängige Kommission aus hohen Richtern soll die …
Nach NSA-Affäre: Kabinett legt BND an kürzere Leine

Kommentare