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Lehnen die Rente mit 69 ab: Bundessozialminister Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU).

Klare Absage an die Rente mit 69

Berlin/München – Die Rente mit 69 hat derzeit politisch keine Chance. Politiker quer durch alle Parteien wiesen die Forderung der Bundesbank nach einer langfristigen, automatisierten Heraufsetzung des Rentenalters um weitere zwei Jahre scharf zurück.

„Das ist Quatsch“, sagte Bundessozialminister Olaf Scholz, SPD. Die Bundesbank hatte ihren Vorschlag mit der weiter steigenden Lebenserwartung begründet. Für die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 69 Jahre nannte das Institut allerdings einen Zeitrahmen bis 2060.

Bisher sei die Arbeitswelt „weitgehend phantasielos auf den ‚40-jährigen Normarbeitnehmer ohne familiäre Pflichten’ zugeschnitten“, rügte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Man müsse „ehrliche Voraussetzungen für ein Arbeitsleben bis 67 schaffen. Bis dahin sind Diskussionen für eine noch längere Arbeitszeit völlig daneben.“ Hier entstehe sonst der Eindruck, dass es in Wahrheit nur um Rentenkürzungen gehe, sagte Haderthauer.

Die FDP fordert eine Abkehr vom starren Eintrittsalter. „Wer mit 60 sein Beitragskonto erfüllt hat, soll doch in Rente gehen dürfen“, sagte die Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß. Wer mit 70 arbeiten will, „soll das auch dürfen“. Die bayerische FDP-Generalsekretärin warb zudem für einen völligen Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen.

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold klagte, die Bundesbank trage "nicht zur Problemlösung, sondern zur Verunsicherung" bei. Für die Tragfähigkeit des Rentensystems zähle nicht nur die Lebenserwartung, entscheidend seien Produktivität und Löhne: „Bei guter Lohnentwicklung können wir auch einen längeren Rentenbezug finanzieren, ohne dass bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gearbeitet werden muss. Die Rechenmodelle der Bundesbank haben mit der Lebenswirklichkeit der Beschäftigten wenig zu tun."

Die arbeitspolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, nannte den Plan "Humbug. Statt Spökenkiekerei über das Renteneintrittsalter in 50 Jahren brauchen wir hier und heute eine bessere Integration von Älteren in den Arbeitsmarkt."

Auch Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK, nannte die Debatte völlig theoretisch und hochspekulativ. „Wer weiß heute schon, wie es in 50 Jahren auf dem Arbeitsmarkt aussehen wird?“ Es müssten in den Betrieben die Voraussetzungen herrschen, damit die Menschen auch so lange erwerbstätig bleiben können.

Christian Deutschländer, Katrin Woitsch

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