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Kurdische Protestanten demonstrieren für das Eingreifen des Westens in den IS-Konflikt.

Mindestens 14 Tote

Kobane droht zu fallen - blutige Proteste

Kobane - Die Kurden-Bastion Kobane droht in die Hand der IS-Terroristen zu fallen. In der Türkei kommt es zu blutigen Protesten. Die Vereinten Nationen appellieren erneut an die internationale Gemeinschaft.

Der UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura hat die Weltgemeinschaft zur Hilfe bei der Verteidigung Kobanes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat aufgerufen. „Wir alle werden es zutiefst bereuen, wenn der IS in der Lage ist, eine Stadt zu übernehmen, die sich selbst mit so viel Tapferkeit verteidigt hat, das aber bald nicht mehr kann. Wir müssen jetzt handeln“, sagte de Mistura laut Mitteilung der Vereinten Nationen in Genf.

Die kurdischen Kämpfer würden sich mit großem Mut selbst verteidigen, jedoch seien die Terroristen weitaus besser ausgerüstet. Die Kurden kämpften mit normalen Waffen, während die IS-Angreifer Panzer und Granatwerfer hätten, argumentiert de Mistura. Zuvor hatte schon UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mehr Hilfe zum Schutz der Zivilbevölkerung erbeten.

Totenzahl bei Kurden-Protesten in Türkei auf 14 gestiegen

Kurdische Protestanten haben in Istanbul einen Bus in Brand gesetzt.

In der Türkei kamen bei Protesten gegen die Weigerung der Regierung in Ankara, militärisch gegen die IS einzugreifen, am Dienstag nach Medienangaben mindestens 14 Menschen ums Leben. Allein in der südöstlichen Großstadt Diyarbakir seien acht Demonstranten getötet worden, berichtete die Zeitung "Hürriyet" am Mittwoch. In mehreren türkischen Provinzen seien Ausgangssperren verhängt worden. In der Kurdenhauptstadt gab es Zusammenstöße mit der Polizei, aber auch mit Anhängern der islamistischen Partei Huda-Par. Die Ordnungskräfte hätten Wasserwerfer und Tränengas einsetzt. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte bestätigte die Presseberichte zur Opferzahl. Zuvor war von zwölf Toten die Rede gewesen.

Die Einnahme von Kobane scheint nur noch eine Frage der Zeit. Trotz Luftangriffen der USA und arabischer Verbündeter und massiver Gegenwehr kurdischer Kämpfer rückten die IS-Milizen am Dienstag weiter in die strategisch wichtige Stadt an der Grenze zur Türkei ein. Jenseits der Grenze beobachteten türkische Truppen das Geschehen.

Erdogan: "Kobane ist dabei zu fallen"

„Kobane ist dabei zu fallen“, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor syrischen Flüchtlingen. Die Luftunterstützung für die kurdischen Verteidiger reiche nicht aus. „Nur durch Luftangriffe können Sie diesem Terror kein Ende setzen“, sagte Erdogan laut der Nachrichtenagentur Anadolu.

Erdogan forderte erneut eine Flugverbotszone in Syrien. Gemäßigte Kämpfer der Opposition müssten gestärkt werden. Diese Forderungen richten sich allerdings kaum gegen den IS, der keine Luftwaffe besitzt, sondern eher gegen die - vom IS bekämpfte - syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Zuvor hatten IS-Kämpfer laut syrischen und kurdischen Aktivisten mindestens drei östliche Stadtteile von Kobane eingenommen. Sollten die Dschihadisten die ganze Stadt erobern, hätten sie einen langen, durchgängigen Grenzstreifen zum Nato-Land Türkei unter Kontrolle. Die im syrischen Bürgerkrieg erstarkte Terrormiliz beherrscht bereits weite Landstriche in Syrien und im Irak.

Kurden erbeuten Geländewagen mit aufmontierten Maschinengewehren

Das türkische Parlament hatte der Regierung in Ankara am Donnerstag das Mandat erteilt, militärisch gegen Terrorgruppen in Syrien und im Irak vorzugehen. Das richtet sich nicht ausdrücklich gegen den IS, sondern auch gegen kurdische Gruppen wie die PKK, die von der Türkei als terroristisch eingestuft werden. Bislang griffen die an der Grenze stationierten türkischen Truppen nicht in die Kämpfe ein.

Der Organisator der Verteidigung von Kobane, Ismet Hassan, sagte der dpa, nur wenige Zivilisten seien in Kobane (arabisch: Ain al-Arab) geblieben. Die Kurden hätten mehrere Geländewagen mit aufmontierten Maschinengewehren erbeutet. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter wurden seit Beginn der IS-Offensive vor drei Wochen mehr als 400 Menschen getötet - zumeist Kämpfer beider Seiten.

Kobane ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. IS-Dschihadisten haben dort seit September mehr als 300 Dörfer eingenommen, 185.000 Menschen flohen in die Türkei.

dpa/AFP

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