MM-Redakteur Mike Schier.

Russland-Strategie in Syrien

Kommentar: Augenhöhe mit Washington

Russlands Präsident Putin lässt in Aleppo weiter auf Zivilisten bomben. Die Wahl seiner Verbündeten - wie Syriens Diktator Assad - ordnet er klar seinem wahren Ziel unter. Ein Kommentar. 

Es dürfte eines dieser Treffen werden, die einen an der Diplomatie verzweifeln lassen: In Genf wollen die Außenminister Lawrow (Russland) und Kerry (USA) kommende Woche über einen Syrienplan verhandeln. Wieder einmal. Während Wladimir Putin in Aleppo weiter auf Zivilisten bomben lässt, wirkt die scheidende Obama-Administration immer hilfloser in ihren Bemühungen, die Ambitionen des Rivalen einzuengen. Dagegen versucht der russische Präsident, das durch den US-Wahlkampf entstehende Machtvakuum auszunutzen. Keineswegs nur in Syrien.

Von Anfang an hatte Putin seine Syrien-Strategie auf zwei Pfeilern begründet: die Stärkung des „legitimen“ Machthabers gegenüber den „Terroristen“, zu denen Putin auch die gemäßigte Opposition zählte. Danach könne man einen politischen Kompromiss finden. Tatsächlich verfolgt Moskau nur das erste Ziel. Mit gnadenloser Härte. Am zweiten bestand offenbar nie ernsthaftes Interesse.

Der 25. Jahrestag des Zerfalls der Sowjetunion erinnert an die tatsächlichen Motive. Es geht dem Präsidenten um die eigene Macht- und Einflusssphäre, die Positionierung Russlands auf Augenhöhe mit den USA. Diesem Wettstreit ordnet er auch die Wahl seiner Verbündeten unter – zum Beispiel den syrischen Diktator Baschar al-Assad, der gegen das eigene Volk Giftgas einsetzte. Putins neuer Freund heißt Recep Tayyip Erdogan und wird zufrieden registrieren, dass diese Woche syrische Truppen erstmals kurdische Gebiete im Norden angriffen. Auch so treibt man die Türken weiter weg von der Nato. John Kerry wird mit Lawrow wohl auch darüber sprechen – sehr diplomatisch und vermutlich wenig erfolgreich. Erst mit einer Präsidentin Hillary Clinton dürfte sich die Tonlage gegenüber Moskau verschärfen. Doch die Vereidigung ist erst im Januar.

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