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Hier kommentiert Georg Anastasiadis, stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur.

Die Verwünschungen gehen ins Leere

Kommentar zu Brexit: Brüssel verliert mehr als London

Die Börse könnte nur der Anfang sein. Brüssel könnte nach dem Brexit sehr viel schlechter dastehen als London. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis. 

Mindestens Lehman-Krise hoch zwei, wenn nicht gar der Weltuntergang: An apokalyptischen Warnungen, was den Briten im Falle des Brexit alles blühe, hat es nicht gefehlt. Die Realität sieht etwas anders aus: Das britische Börsenbarometer FTSE 100 steht eine Woche nach dem „No“ der Wähler zur EU bereits drei Prozent höher als zuvor, nur die Politiker ihrer Majestät blamieren sich nach Kräften. Schon einmal kehrte das Vereinigte Königreich Europa den Rücken, 1992, als man aus dem gemeinsamen Währungssystem EWS ausstieg. Was folgte, war aber auch damals nicht der vorausgesagte Absturz – sondern ein jahrelanger Aufschwung, weil die Briten aufgrund der Pfund-Abwertung besser exportieren konnten.

Kommt es diesmal wieder so? Die Verwünschungen, die tief gekränkte EU-Offizielle derzeit gegen die Insel schleudern, werden jedenfalls kaum in Erfüllung gehen. Junckers Drohungen sind leer, weil Großbritannien zweimal so viele Güter aus der EU importiert wie umgekehrt. Und ob das (wegen des billigen Öls) inzwischen am Londoner Finanz-Tropf hängende Schottland sich wirklich lossagt, ist noch längst nicht ausgemacht.

Ein bisschen erinnert das Geschrei der verlassenen Festlandseuropäer an das berühmte Pfeifen des Kindes im Walde. Denn die größten Risiken drohen in Wahrheit einer Europäischen Rest-Union, die ohne britischen Kompass der Marktwirtschaft Lebewohl sagt und sich endgültig im Unterholz des Brüsseler Dirigismus verirrt.

Ergebnisse, Gründe und Folgen haben wir für Sie hier zusammengefasst

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