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Kommentar: Verzweifelte CDU

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Von: Georg Anastasiadis

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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis © Klaus Haag

Die Not ist groß: Immer mehr CDU-Politiker sprechen sich für Koalitionen mit der AfD aus. Ein Kommentar.

Man kann der CDU ja viel vorwerfen. Aber nicht, dass es ihr in puncto Machterhalt an Einfallsreichtum fehlte. Die Wähler, die der Merkel-Partei davonlaufen, wollen manche Partei-„Strategen“ durch eine Koalition mit der Anti-Merkel-Partei AfD zurückholen. Die Partei der personifizierten Alternativlosigkeit heiratet die Alternative. Das ist so absurd, dass es schon wieder gut ist.

Die Idee verrät viel über die Raffinesse der ewigen Regierungspartei CDU. Aber noch mehr über ihre Verzweiflung. Die Union ist eine Partei am Rande des Nervenzusammenbruchs. An geraden Tagen verlangt ihre Kanzlerin die Sperrung der Balkanroute für illegale Migranten. An ungeraden Tagen kritisiert sie sie. Mal bekundet sie tiefe Reue über Fehler der Vergangenheit – um ihre eigene Politik dann wieder als durch und durch „stringent“ zu lobpreisen. In Merkels Flüchtlingspolitik geht’s zu wie in der Echternacher Springprozession. Zwei Schritte vor und einen zurück. Oder umgekehrt.

Genau das ist das Lebenselixier der AfD. Die Petrys, Gaulands und Höckes müssten verrückt sein, wenn sie der Merkel-Partei eigenhändig aus der Patsche helfen würden. Gewiss: Sobald die CDU nach FDP und SPD auch die Grünen als Koalitionspartner aufgerieben hat, wird es eines fernen Tages, wenn Angela Merkel längst Geschichte ist, Bündnisse auch mit der AfD geben – falls sich die Rechtspopulisten bis dann sortiert haben und sich nicht wie einst die irrlichternden Republikaner ins politische Nirwana verabschiedet haben. Bis dahin aber hat es die AfD aus gutem Grund nicht eilig, ihre Politikkonzepte dem Praxistauglichkeitstest zu unterwerfen. Am grauen Regierungsalltag sind schon viele vollmundige Wahlversprechen zerschellt.

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