+
Es kommentiert Georg Anastasiadis.

Außer Rand und Band

Draghi kauft jetzt auch Konzernanleihen auf - ein Kommentar

Wer unter Kaufsucht leidet, den schickt man am besten zum Psychiater. Oder man nimmt ihm die Kreditkarte. Nur bei Mario Draghi hilft das nicht. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Der EZB-Chef druckt sich die Milliarden selbst, mit denen er auf Shoppingtour geht. Seit Mittwoch kauft er auch wie wild Unternehmensanleihen: Renault, Siemens, Telefonica und was sonst noch hergeht. Das Geld, das er so unter die Leute bringt, soll Inflation und Konjunktur  ankurbeln. Wie beim Kauf von Staatsanleihen. Leider liegt der bisherige Effekt dieses seit gut einem Jahr laufenden Ankaufprogramms bei nahe null.

Doch statt die erfolglose Therapie zu ändern, steigert Doktor Draghi die Dosis des verabreichten Medikaments. Die Nebenwirkungen scheren ihn nicht. Den Markt für Staatsanleihen hat er bereits zerstört: Weil die Signalwirkung des Zinses außer Kraft gesetzt wurde, muss kein EU-Finanzminister mehr sparen. Jetzt werden auch für Unternehmen die Marktgesetze kurzerhand aufgehoben. Konzerne, deren Schuldscheine Dr. Draghi für kaufenswert hält, werden gestützt, die Konkurrenten haben das Nachsehen. So verzerrt die EZB auch im Unternehmenssektor wichtige Signale für Investoren. Das ist Staatswirtschaft.

Was kommt als nächstes? Doch das Helikoptergeld? Über solche Spekulationen muss man sich im Frankfurter Euro-Tower nicht wundern angesichts der Besessenheit, mit der die Europäische Zentralbank zu Werke geht. Mit dem EZB-Mandat, den Geldwert zu sichern, hat das alles nichts mehr zu tun. Eher mit Machbarkeitswahn und Hybris. Empörten deutschen Sparern, die sich über Nullzinsen für Staatsanleihen ärgern, hatte Draghi kürzlich geraten, ihr Anlageverhalten zu ändern. Das ist leichter gesagt als getan, wenn die EZB den Leuten, die fürs Alter sparen wollen, jetzt auch noch die etwas besser verzinsten Unternehmensanleihen vor der Nase wegkauft. Gerne wüsste man, wie die Bundesregierung darüber denkt. Sofern sich überhaupt wer dafür interessiert. Berlin, ist da jemand?

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

Wie lange wird die Regierungskrise in Italien nach dem Rücktritt Renzis dauern? Der Staatspräsident beginnt die Konsultationen mit den politischen Spitzen des Landes.
In Italien beginnt die Suche nach einer neuen Regierung

NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

München - Beate Zschäpe sagte am Donnerstag im NSU-Prozess zum Fall Peggy aus. Neue Erkenntnisse konnte sie aber nicht liefern. Wir waren vor Ort.
NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Aleppo (dpa) - Seit dem Beginn der Offensive syrischer Regierungstruppen auf die Großstadt Aleppo sind Aktivisten zufolge rund 500 Zivilisten ums Leben gekommen.
Aktivisten: Schon rund 500 Zivilisten in Aleppo getötet

Assad weist Forderungen nach Waffenruhe in Aleppo zurück

Hamburg - Die USA hatten am Mittwoch gemeinsam mit fünf anderen Ländern die Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen, um humanitäre Hilfe zu den …
Assad weist Forderungen nach Waffenruhe in Aleppo zurück

Kommentare