Kommentar

SPD-Chef Gabriel trifft Alt-Linken: Leuchtturm Lafontaine?

München - Gelingt dem Saarländer die Rücktrimmung der Sozialdemokratie auf Linkskurs, eröffnet sich für die Bundestagswahl 2017 eine ganz neue, zentrifugale Perspektive.

Wird vom beschaulichen Merzig im Saarland aus der politische Magnetismus in Deutschland umgepolt? Das (un-)heimliche Treffen von SPD-Chef Sigmar Gabriel mit dem einstigen Amtsvorgänger und heutigen Linken-Fährmann Oskar Lafontaine beflügelt zumindest die Phantasie: Gelingt dem Saarländer die Rücktrimmung der Sozialdemokratie auf Linkskurs, eröffnet sich für die Bundestagswahl 2017 eine ganz neue, zentrifugale Perspektive: Der Kampf um die politische Mitte würde wieder verstärkt von den Flügeln aus geführt. Hier ein denkbares Bündnis aus SPD, Grünen und Linken, da eine mögliche bürgerliche Alternative aus Union und FDP, befeuert durch die Rechtsaußen der AfD.

Die Wiederauffächerung des politischen Spektrums könnte man aus demokratietheoretischen Gründen begrüßen. Schließlich wird der großkoalitionäre Merkel-Gabriel-Kurs von weiten Teilen der Bürger nicht mehr als pragmatische Politik der Vernunft, sondern eher als prinzipienloses Krisenmanagment à la carte empfunden.

Und dennoch sollte sich Gabriel genau überlegen, ob Lafontaine der richtige Leuchtturm zum rettenden Ufer für die gebeutelte SPD ist. Immerhin hat der Saar-Napoleon bereits eine spektakuläre Metamorphose vom SPD-Heilsbringer beim Sturz Helmut Kohls zum Gottseibeiuns der Schröderschen Agenda-Ära hinter sich. Warum sollte ein Pakt mit ihm enttäuschte Sozialdemokraten nicht dazu animieren, gleich das Original zu wählen?

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Rubriklistenbild: © Schlaf Marcus

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