Treffen von Erdogan und Putin

Kommentar: Zar sticht Sultan

Russlands Präsident Putin hat dem türkischen Präsidenten Erdogan beim Treffen in St. Petersburg demonstrativ den Rücken gestärkt. Dennoch: Er ist der Stärkere. Ein Kommentar von Werner Menner. 

Die alten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei sollen wiederbelebt und bei den bilateralen Kontakten das Niveau erreicht werden, das vor der durch einen Flugzeug-Abschuss ausgelösten Krise herrschte. Putin hat die Erwartungen des türkischen Präsidenten Erdogan erfüllt und diesem in St. Petersburg demonstrativ den Rücken gestärkt. Das war mit Blick auf die politische Großwetterlage zu erwarten. Dass er sich für Erdogan tatsächlich in einen echten „Freund Wladimir“ verwandelt, darf angezweifelt werden. Putin ist der Stärkere, und daran ließ er auch bei diesem Treffen keine Zweifel.

An der Newa haben sich zwei Polit-Zocker getroffen, von denen sich im Notfall keiner als Fels in der Brandung erweisen dürfte. Wie auch: Dazu liegen ihre Kern-Interessen zu weit auseinander. Die Russen sind im Iran aktiv und kämpfen in Syrien für Assad, den schlimmsten Feind Erdogans. Sie sind als Schutzmacht Armeniens aktiv, das mit Aserbaidschan verfeindet ist – einem engen Verbündeten der Türkei. Daran wird sich nichts ändern, es garantiert Putins Einfluss im Orient. Erdogan will mit Putin die Nato beeindrucken, und der will einen weiteren Keil zwischen sie, die EU und die Türkei treiben. Dabei wissen beide, dass Moskau der Türkei die Sicherheit, die ihr die Nato garantiert, nicht geben kann. Und wirtschaftlich kann das durch Sanktionen angeschlagene Russland der Türkei die EU ebenfalls nicht ersetzen.

Aber Erdogan hat geliefert: Er hat Putin bestätigt, dass eine Lösung der Syrien-Frage ohne Russland unmöglich ist. Und er hat den Piloten, der den russischen Kampfjet abgeschossen hat, vom Helden zum Verschwörer degradiert und inhaftiert. Der Sultan hat sich vor dem Zaren verneigt und dessen Macht bestätigt. Die Wirtschafts-Sanktionen können aufgehoben werden. Moskau kann wieder Atomkraftwerke und Pipelines bauen und Touristen schicken, Ankara im Gegenzug Lebensmittel und andere Güter liefern. Es ist ein Ad-hoc-Bündnis – nicht militärisch, sondern wirtschaftlich. Und von fragwürdiger Beständigkeit.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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