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Bei einem Autobomben-Anschlag auf einen Militärkonvoi in der türkischen Hauptstadt Ankara kamen mindestens 28 Soldaten ums Leben. Die Regierung macht die PKK dafür verantwortlich.

Gewaltsame Auseinandersetzung mit Kurden

Überblick zu Konflikt in der Türkei: Was Sie wissen müssen

Ankara - Der gewaltsame Konflikt zwischen der Türkei und der Kurden-Partei währt nun mehr als drei Jahrzehnte an. Ein Überblick über die wichtigsten Fakten.

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bisher rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen Kurdenstaat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Inzwischen ist die PKK von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt.

PKK-Führer Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali in Haft. Die Türkei, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. Der syrische Ableger der PKK - die YPG - steht allerdings weder in der EU noch in den USA auf den Listen der Terrororganisationen, was die Türkei kritisiert. Die USA unterstützen die PYD sogar mit Waffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Waffenruhe zwischen PKK und Türkei hält nur kurz an

Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühten sich bislang um einen Friedensprozess, der vom heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan initiiert wurde. Die PKK rief im März 2013 eine Waffenruhe aus, die Ende Juli jedoch scheiterte.

Seitdem eskaliert der Konflikt zwischen PKK und türkischer Regierung. Die Armee fliegt regelmäßig Luftangriffe; die PKK verübt Anschläge auf Sicherheitskräfte und es kommt zu Gefechten. Einen zeitweisen Anriffsverzicht beendete die PKK kurz nach dem Wahlsieg der AKP bei den Neuwahlen am 1. November.

Türkei mit Luftschlägen und Militäraktionen gegen die PKK

In den vergangenen Wochen ging die Regierung verstärkt in den Städten des Südostens gegen die PKK vor. Sicherheitskräfte und PKK-Kämpfer lieferten sich zuletzt schwere Gefechte. Die Behörden rufen immer wieder Ausgangssperren in den Provinzen Diyarbakir, Mardin und Sirnak aus. Vor allem die Zivilbevölkerung leidet darunter. Die Menschen bleiben oft tagelang ohne Wasser und Strom und klagen über Lebensmittelknappheit.

Die AKP-Regierung hat den Kurden schrittweise mehr Rechte zugestanden. Allerdings wird beispielsweise weiterhin kein Unterricht auf Kurdisch in staatlichen Schulen angeboten.

28 Tote bei Anschlag auf Militärkonvoi in Ankara

Etwa 24 Millionen Kurden leben über die Länder Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt. Sie bezeichnen sich als größtes Volk ohne eigenen Staat. In der Türkei machen die Kurden etwa 18 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Im Nordirak verfügen die Kurden über einen teilweise autonomen Staat Kurdistan. Die Türkei will die Gründung eines vollwertigen eigenen Staates, der sich von Ostsyrien über die Südosttürkei bis in den nördlichen Iran hinein erstrecken könnte mit aller Macht verhindern.

Für diese Anschläge in der jüngeren Vergangenheit macht die Türkei die PKK verantwortlich

Februar 2016: Bei einem Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara kommen mindestens 28 Menschen ums Leben. In der Nähe des Parlaments wird eine Autobombe gezündet, als ein Militärkonvoi vorbeifährt. Die türkische Regierung macht dafür die PKK und ihren syrischen Ableger YPG verantwortlich, was zurückgewiesen wird. Einen Tag später werden bei einem neuerlichen Anschlag auf einen Militärkonvoi in der Stadt Lice weitere sechs Soldaten getötet.

September 2015: Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015: Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juni 2015: Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben.

Mai 2013: Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011: Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

bix mit dpa

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